Donnerstag, September 17, 2009

Ansbach

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Was bringt einen Schüler dazu,
Ferienende abzuwarten und zu Beginn seines letzten Schuljahres das anzurichten? Keine Kurzschlussreaktion nach einem Schuljahr mit schlechtem Zeugnis oder gescheitertem Schulabschluss und vernichtender Zukunftsperspektive. Selbst dann – das weiss und denkt man und fragt man sich schon in anderen solchen Amokläufen an Schulen – sind diese für uns unfassbar. Aber zu Beginn der letzten Stufe ? Am ende von Ferien, als habe er nur darauf gewartet, ahnungslose Schüler, Lehrer mit solch einem Anschlag in den Tod zu reissen? Ferien, das sind – Wirtschaftskrise hin oder her – die Zeiten, in denen man Kind sein darf und soll, wo Spass, Freude, Freizeit, mit Freunden, Familie, mit allem, was Freiheit und deren Glück bedeuten. Was geht in einem Schüler vor, der in solchen Wochen nur ein Ziel, einen Plan vor Augen zu haben scheint?


11 Minuten ..."nur" soll es gedauert haben, bis Polizei vor Ort war.
Weil durch den Molotow-Cocktail und den Brand automatisch Alarm ausgelöst wurde.
Das ist gut, diese kurze Zeit.
Aber..........wie wäre es abgelaufen, wenn der Täter keinen Brand gelegt, sondern anders Amok gelaufen wäre....
ohne.........automatischen Alarm.
Man friert und wagt es nicht, es sich vorzustellen.

Früher waren Eltern froh, wenn ihre Kids durch die Schulzeit kamen mit gutem Schulabschluss und wenig Ärger, nicht allzu vielen blauen Briefen und mit eben so viel Spass bis zum Ende der Schulzeit.
Schon der schreckliche Vorfall am S-Bahnhof Solln – die S-Bahn-Linie zur Schule dbmS, die er tagtäglich nahm – so unfassbar: Wegen der Folgen für den couragierten Helfer Dominik B. natürlich im Besonderen. Aber auch wegen der Situation der vier Kinder, welche er zu schützen versuchte. Als Eltern fürchtet man, dass ihnen auf dem Schulweg irgendetwas geschehen kann. Jeden Tag. Mal mehr oder weniger daran bewusst denkend. Aber jeden Tag froh, wenn – was schlimm genug ist – kein Verkehrsunfall oder anderes ihnen widerfährt. Man muss sie gehen lassen und kann nur hoffen, dass – was immer ihnen widerfahren könnte – rechtzeitig Hilfe zur Seite steht. Der Rettungswagen, der Notarzt beim Verkehrsunfall in den Geschehnissen, die jeden Tag Kindern wie Erwachsenen schicksalhaft auf der Strasse widerfahren können. Angriffe, Übergriffe, Abzocken mit körperlichen Attacken und Verletzungen auf dem Schulweg durch Gleichaltrige oder Ältere – und niemand, der hilft? Und wenn – wie froh ist man als Eltern, wenn man darauf hoffen kann, dass unsere Kinder, wenn sie Schutz brauchen – sie Schutz erfahren, wird selbst zum Risiko für den Helfer, dass er sich vor Kinder stellt.
Ich hab mir vor dem Australienjahr dbmS so manchen Gedanken gemacht und so ganz lassen einen diese auch nicht während dieses Jahres los.
Aber heute ging mir – und es friert einen bis in die Knochen – durch den Sinn: Was bin ich froh, erleichtert, dass dbmS seine Schulzeit erlebte, mit dem was eben dazugehört, mit Noten, mit kleineren Hürden, mit Spass und Gemeinsamkeit mit Freunden und auch Lehrern, mit Klassenfahrten und Streichen, mit einem guten Abschluss, der mir immer weniger wichtiger war, als die Freude daran, Wissen zu gewinnen, nicht nur Prüfungen im Auge zu haben. So, wie es mir selbst in der Schulzeit am wichtigsten war: nie den Spass am Lernen und Lernen dürfen, was ich wollte zu verlieren. Und damit auch an der Schule. die beste Voraussetzung nicht nur für die Ausbildung, das Studium und auch den Beruf später, sondern die beste Voraussetzung auch dafür, dass auch die erfreulichen Noten sich dann von selbst ergeben.
Was für eine Dimension liegt zwischen dem, was an schulischen Hürden und Rangeleien unter allen Schülern oder Kindern auftritt und dem, was heute dann mit Mobbing, Schulstress und ………. was auch immer sonst zu erklären versucht wird. Und als Erklärung doch nicht fassbar wird.
Was war ich heute froh, dass dbmS das 2009 geschafft hat. Muss man heute froh sein, wenn die Kinder das Ende ihrer Schulzeit erreichen, lebend, unverletzt, gleich mit welchem Abschluss, …Hauptsache gesund, lebend?
Und froh sein, endlos dankbar, dass dbmS es schaffte, ohne ein „Pullach“ zu erleben, wie andere „Ansbach“, „Winnenden“, „Brannenburg“, „Freising“, „Erfurt“?

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