Freitag, August 14, 2009

Lauter (er) schöne Momente: Dans les Pays de mon Grandpère - Day 1







Der Tag "Adrian goes Sydney" ist gekommen und auch wieder gegangen. Es erscheint noch seltsam, ihn mir jetzt immer 8 Stunden voraus zu denken, seit er am 10. nachts fünf Minuten vor Mitternacht und damit dem 11. in Frankfurt mit dem Flieger abgeflogen und der Riesenvogel im Nachthimmel vom Mutterherz bis zum kleinen Lichtleuchtpunkt verschwindend klein geworden im Auge behalten und schliesslich entschwunden ist. Moderne Technik ist praktisch und was in den letzten SMS diesseits und jenseits der Check-In-Pforten und vor dem eigentlichen Boarding noch zwischen dbmS und Mutterherz getauscht wird, hat in Blogs nix zu suchen. Ausser eben: SMS sind praktisch. Und nicht nur rationaltechnisch betrachtet. Ebenso wie Mails und Notebooks, die von rund 17000 km entfernt den Faden weiterknüpfen. Und in nullkommanix fast zeitgleich eintreffen, nachdem sie abgeschickt sind. Obwohl dazwischen 8 Stunden liegen. Zeitverschiebung. Zeitlos der Draht, ...... und nicht der technische, der damit gemeint ist.

Schon wenige Stunden nach dem Abflug streiche ich übrigens bereits die Frage, ob ich eine der Uhren einfach um 8 Stunden vorausstellen könnte...sollte... das Herz denkt sehr schnell um und ist beim Blick auf die Uhr ganz fix der Zeit voraus. Die Uhren laufen irgendwie auch so automatisch herzchronologisch mit. ;-) Herzmotorisch betrieben, sozusagen.

Sein Jungszimmer kriegt nach dem Abflug von mir noch seine "Schlusspflege", aber weise Mütter sparen sich Aufgaben wie Gardinen- und Bettdecken- und anderes Waschen und Ähnliches für die Tage NACH Abreise auf und stressen mit sowas nicht in den letzten Tagen VOR Abflug. Sich und dbmS. Damit sie selbst dann nachher gut beschäftigt erst mal wenig zum Nachdenken kommen und nicht allzusehr schon auf die ersten Mails und Australiennews warten *augenzwinkernd*. Für das, was dort im Zimmer noch zu tun ist, bleibt auch in der freien Zeit nach dem Office noch genug Gelegenheit, wenn er abgedüst und dort angekommen ist und die ersten Eingewöhnungstage verflogen sind.

Trotzdem, es fiel schon leichter , nicht gleich rund 3 Stunden nach Abflugzeit schon wieder per A3/A9 von FFT nach MUC daheim zu sein und so direkt anschliessend den 180°-Unterschied zu merken, dass es da drüben im Zimmer nun tüchtig stiller ist und keiner mehr unvermutet zu allen denkbaren Tageszeiten mit seinem immer neckisch spasseshalber stimmlichtiefergelegtem "Hunga!" oder "War da nicht heute mal von selbstgemachter Piiiizza die Rede?" hinter mir steht.*seufz*
Ein paar Tage berufliche Outdoortermine kamen da nach seinem Abflug also aus mehr als einem Grunde nur zu recht. Nicht nur tagsüber, sondern ganz outdoor. Selber unterwegs nämlich.
Da ich ihn ohnehin mit dem Auto zum Abflughafen nach Frankfurt brachte, lag es nahe, diese Fahrt anschliessend mit geeigneten Terminen auf der Rückfahrt zu verknüpfen. Manches ergibt sich zudem kurzfristig passend unverhofft.

Gelegenheit für eine Stipvisite auch über Kaiserslautern, die ich schon recht lange mal machen wollte. Nun liess sie sich - eher zufällig und umso erfreulicher - in der Route einbauen, die mich dann auch "Dans les Pays de mon Grandpère" führte. Der Abflug war Minuten vor Mitternacht, Zeit genug für morgendlich frühes Ankommen in der Pfalz. Am Ende wurde daraus "Lizchens goes Alsace".
Hier der erste Teil dieser Route.

Merke aber: Wenn man nach Mitternacht von Frankfurt aus weiterfährt, überlege man sich die Route gut,auf der man nach Kaiserslautern kommen will. Es gibt zwar ein paar reizvolle Ortschaften auch für mögliche Nachtaufnahmen und für Motive mit früher Morgen- bzw Sonnenaufgangsstimmung. Nur: Über den Rhein kommt man nämlich beileibe nicht überall und wenn dann erst wieder ab einer bestimmten Uhrzeit wie zB bei Bingen, Fährmöglichkeiten bestehen, um dann Richtung Süden und Kaiserslautern zu gelangen, ist das .............. *grummel*. Und wenn man in K'lautern ohnehin erst gegen 9 Uhr morgens den nächsten Termin hat, ist die Zeit dazwischen für Nachtaufnahmen und erst nach 9 Uhr möglicher Rheinquerung recht mühselig zu überbrücken. Einige "Schleichelwege-Tips" sind dabei nicht schlecht und bescheren zudem auch "interessante" Begegnungen mit Rehen auf manchen Waldstrassen. Auch der direkte Weg von Frankfurt über Autobahn hat im Vergleich allerdings in so einem Fall nicht wirklich Nachteile. Der frühe Morgen liess unverkennbar bereits den Herbst spüren, da beisst die Maus keinen Faden ab, die mir quer über den Weg des Waldbodens lief.



Es lag bereits so ein frischer, kühler Geruch in diesem Morgen, das Licht gleicht schon mehr dem September und die Bäume an den Hängen bei Erlenbach trugen bereits reife Bucheckern, Eicheln und ein sich leicht färbendes Blattlaub. Ein zauberhafter An- und Ausblick während der Gaskocher das Wasser für den aromatisch duftenden Espresso langsam zum Blubbern brachte. Ohne den geht es nun mal auch unterwegs nicht und in Kaiserslautern hatte ich ja einiges an Recherche und Terminen, unter anderem in Archiven vor mir. Bei denen ungewiss war, in welcher Entfernung zum nächsten wirklich guten Espresso sie liegen würden. Es roch nach Schwammerl am Waldrand. Und nach dem ersten feuchtem Laub. Und ein paar Schritte entfernt lockten ein paar Brombeerhecken zum Naschen. FFF - Feines Fingerfood zum Frühstück. ;-)


Und während ich mir davon ein paar stibizte und meinen 5stöckigen Espresso aus der Blümerltasse trank, entdeckte ich ein halbes Dutzend Rehe am Waldrand, die einen zaghaft ins fahle Frühlicht getaucht, die anderen schemenhaft zwischen den Baumstämmen wartend und langsam folgend. Und musste schmunzeln. DAS würde meinem Grossvater gefallen. DAS alles. Frühmorgens im Wald. Obwohl wir nie Gelegenheit hatten, hier nahe seiner Geburtsstadt und im Land und Wald drumherum gemeinsam Tage zu verbringen. Sondern dort, wo er später lebte und wo ich dann geboren bin und viele Ferien und andere Tage mit ihm verbrachte. Und von ihm lernte, vor allem das meiste über Natur, Tiere, Bäume, Pflanzen, Wald, Berge und auch manches über die Menschen. Und über einen selbst. Über ihn entdeckte ich aber selbst auf dieser Reise auch noch manches. Schönes. Neues. Unerwartetes. Aber nur Gutes.
Dass vieles dabei historische ereignisreiche Zeiten kreuzt ist für mich, die ich immer schon rechtsgeschichtlich und auch sonst historisch fasziniert bin, ein Zusatz-Schmankerl.



Ich "enterte" Kaiserslautern über Erlenbach, das ist der nördlichste Stadtteil von Kaiserslautern, er wirkt wie ein kleiner eigener idyllischer Ort mit seinen rund 2400 Einwohnern und hübschen kleinen Einfamilienhäusern und seinen bunten Gärten, zwischen denen schmale kleine Strassen steil bergauf und bergab führen, umgeben von vielen Wäldern.

Dennoch ist man in kaum. 5 Minuten mit dem PKW in der Stadt. Erlenbach dürfte nicht viel jünger sein als die benachbarte Stadt Otterberg mit dessen Kloster Otterberg. 1144 kamen die Zisterzienser von Eberbach in diese Gegend. Kaiser Otto IV. ließ, urkundlich erstmals 1159 erwähnt, dem Konvent zu Otterberg mehrere Besitzungen von Erlenbach zukommen. Erlenbach war seinerzeit ein Hofgut.




Pfalztheater mit Marmorbüste afrikanischen Königs

Es ist ein paar Jahre her, seit ich den letzten von einigen Gerichtsterminen für Klienten dort hatte. Und natürlich hing dann gleich der nächste Termin dran, so dass ich beim letzten Mal nur eine kurze Stipfahrt durch die Stadt machen hatte können, weil ich abends bereits in Hannover und anderntags in Berlin die nächsten Termine vor mir liegen hatte.
Diesmal blieb mehr Zeit. Termine und diejenige Archivrecherche, die für dieses Mal auf der Liste standen waren in höchst flottem Tempo absolviert.



Fruchthalle


Was auch an den sehr sehr netten und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen der Stadt Kaiserslautern lag. So sass ich bereits 2 Stunden später mit mehr Material und Ergebnissen des Termins, als ich erhofft und erwartet hatte, in einer hübschen Bäckerei mit einem Espresso Dobbio und konnte dort das Material in Ruhe sichten. Es ergaben sich bereits Ansatzpunkte für weitere Recherche, aber die war diesmal und an diesem Tag ohnehin nicht möglich, weil dazu Termine mit weiteren Ansprechpartnern und Institutionen nötig waren. Die sich erst anhand der Ergebnisse dieses Vormittages erst ergeben hatten. Also, wird wohl ein neuer Termin vor Ort zu einem späteren Zeitpunkt anfallen.

Trotz einiger Müdigkeit nach dem langen Tag zuvor und die kurze Nacht war ich sehr zufrieden und genoss es, Leute zu guggen. Die Beobachtung des regen Kundeneinkaufs in der Bäckerei, während ich meinen Espresso nippte. Es amüsiert mich heute noch, zu sehen, wie sich Kundenzeiten nach bestimmten Kategorien über den Tag verteilen und sortieren und wie sich das von kleinen regionalen Besonderheiten abgesehen vor allem bei Bäckereien gleicht. Welcher Typ Kunde gehört zu den ersten morgens nach dem Öffnen der Ladentüre, welcher Typ hetzt immer noch schnell in die Bäckerei kurz bevor der Bus wenige Schritte weiter fährt - jeden Tag. Wann kommen welche Sorten von "Hausfrauen" bzw Familienmanagerinnen, wie sie heute im Handelsdeutsch genannt werden, jeweils in den Laden und welche typischen Einkaufsverhaltensweisen sind dabei für die jeweiligen "Arten" unter ihnen immer wieder prägnant. Wie kaufen Männer ein und was und welche Typen nicht nur nach Altersgruppen fallen dabei auf. Ebenso aber wie ich die Kunden - auch nach ihrer Laune und ihren anderen Eigenarten - gern beobachte und sehr schnell erkenne und unterscheide, habe ich - gern und immer wieder gern - sehr schnell einen Blick für Art und Qualität eines Ladens. Nicht nur nach seinen Waren, ihrer Herstellung, ihren Zutaten, ihrer Vielfalt und Qualität.
Sondern nach vielem anderen auch. Präsenz der Verkäuferin im Laden, im Umgang mit Kunden, Freundlichkeit, fachliche Kompetenz, aber auch Initiative und Kunden- und Menschenkenntnis , mehr als nur das Bestellte wie nebenbei abzufertigen. Auch Umgang mit Kolleginnen und gegenüber Auszubildenden. Pflege der Warenpräsentation - auch über den Tag verteilt, wenn sich Bleche und Regale leeren und erst nachgefüllt und mit den über den Tag hinzukommenden Waren ergänzt und später für den anregenden Anblick neu sortiert werden müssen. Damit Regale und Bleche nicht wie "angegessen" und lückenhaft, bröselig und halb abgeräumt aussehen.

Vielleicht machen mir deswegen auch die Aufträge mehr Spass, als Pflicht, die ich zwischendurch gern auch als mystery shopperin für Auftraggeber übernehme, besonders wenn sie Backbetriebe betreffen. Die Erfahrungen aus der Studienzeit in rund 6 Jahren meiner Arbeit in Bäckereien, Konditoreien und die einen und anderen Besuche von Betrieben, zu denen ich dankenswerterweise selbst in Irland, Italien, Belgien und anderen Ländern Gelegenheit hatte, haben auch "hinter dem Laden" den Blick geschult und feinjustiert.
Vor allem aber LIEBE ich es einfach. Die Atmosphäre, ebenso wie Handwerk und Herstellung.

Hier sass ich wieder einmal in einer der Bäckereien, bei denen man wirklich noch von gutem Gebäckduft angelockt wird. Und leider auch davon verführt, aber das ist der Teil der Termine, der dann unter Martkrecherche fällt. Siehe oben. Derlei Versuchungen sind reine Pflicht. *Unschuldsmineaufsetz*
Nicht nur weil es dafür längst sogar Arbeitsprofile gibt. Neiiiin, das ist die reine Fortbildung*treuherzigaugenklimper* - und Konkurrenzbeobachtung. Logo, oder?

Was immer auch noch heiterer und netter ist, wenn man nebenbei ein wenig mit dem Personal fachsimpeln und die eine oder andere Geschichte mitnehmen kann.

Denken Sie eigentlich schon mal darüber nach, dass wir im Leben nichts so nah an unseren Körper kommen lassen wie unser tägliches Brot, unsere tägliche Nahrung ? Ja, sicher tun Sie das - wenn es darum geht, sich "gesundheitsbewusst" zu ernähren. Aber mal abseits von dem marketingtechnisch so alltäglich gewordenem Schlagwort - betrachten Sie es doch einfach mal rein sinnlich. Vom Genuss her. Nicht verstandesmässig gesundheitsbewusst, sondern sinnlich geniesserisch. Lassen Sie es doch einfach mal wirken. Nicht nur beim gelegentlichen Marktbesuch, sondern all-täglich. Vermutlich werden Sie dann einen Gang runterschalten. Im Tempo beim Einkauf. Bei der Auswahl. Von Produkten. Und ich vermute: wirklich gesünder auswählen und auch automatisch weniger. Testen Sie es einfach mal ...sagen wir: Zwei Wochen lang? Wenig machen wir so dauerhaft und ein Leben lang, wie essen, trinken und ...eben: einkaufen.

Ich bin Kundin, seit ich ca 2- 3 Jahre alt war. Da schickte mich meine Mutter in Schwabing bereits in der Isabellastrasse zwei Hauseingänge weiter zum Laden an der Ecke Hohenzollernstrasse, wo ich meine Breze kaufte. Einer der kleinen Läden, in denen noch ein Ehepaar Eigentümer war und täglich im Laden stand. Und seine Kunden kannte. Und seine Stammkundschaft pflegte und die einfachen Grundregeln dafür nicht in Marketingkursen lernte. Von denen manche nützlich sind. Aber nicht ersetzen, was man dort nicht lernen kann. Ob man das in einem Laden findet, sagt einem nur die eigene Nase und ein aufmerksamer Blick. Was übrigens auch nicht die schlechtesten Qualitätsprüfungsmittel sind, wenn man die Wahl hat, wo man zu Mittag essen will - wie mir schon mein Grossvater, ja - eben dieser - beibrachte. ;-)
Hier und da findet man dann in der Tat nach wie vor Läden, die dies beherrschen. Und auch jüngeres Fachpersonal, dem das ganz leichterhand von eben dieser Hand geht. Das macht immer gute Laune. Und auch das zwischendurch trübe Wetter hellte sich währenddessen wieder auf. Und so lohnte sich der Spaziergang über den Lauterer Markt auch für die Fotos von der Wetterlaune.






Der Markt hat eine lange Tradition, Bilder des Marktplatzes im Laufe seiner Geschichte in Bildern der letzten Jahrhunderte kann man hier finden. Und einige "Originale", wie die Marktfrau mit ihren Mirabellen, Birnen und ihrer alten traditionellen Waage und den Kunden,



der sich sofort anbot, für mich zu modeln und ganz enttäuscht war, dass ich nicht von einer Zeitung und sein Konterfei anderntags dort zu sehen sei.



Bei den Hortensien hätte ich weniger wegen des Preises, wohl aber wegen ihrer Fülle und traumhaften Blüten und ihren Farben schwach werden können. Bloss gut, dass ich nur eine kleine Knutschkugel als Renn-Schnecke hatte und die nur einen Mini-Kofferraum, der für die kommenden Tage kaum das geeignete Quartier für diesen mächtigen Topf gewesen wäre. Und in den ohnehin noch ein paar andere Beutestücke der Reise unterzubringen sein würden.



Seltsam mutete das Gefühl an, die Inschrift des Denkmals für die Gefallenen vor der Fruchthalle zu lesen, das zum Frieden mahnt - und dann in den grautrüben Wolken über mir just in dem Augenblick ein Geräusch aufkommen und näher kommen zu hören, das schon unverkennbar war,bevor durch Wolkenlücken die Maschine dann halb im grauen Wolkennebel auch zu sehen war. Eine der "Spuren", die bei Kaiserslautern als einem der historisch durch Jahrhunderte durch Erbfolgekriege wie auch durch die beiden Weltkriege als Standort und auch später noch unverkennbar im Alltag geblieben sind. Wie auch Kaiserslautern viel an alter Bausubstanz eben aus denselben Gründen verloren hatte. Geht man abseits von Marktplatz durch einige Gassen entdeckt man aber noch mancherlei , leicht marodierend abblätternden alten Charme bei diesem oder jenem roten Backsteinhaus zwischen alten schmiedeeisernen verzierten Balkonen und ihren Geranien.

Die Stiftskirche zu Kaiserslautern sollte man sich ansehen. Sie ist nicht nur aussen und auch innen - durch eine sehr moderne Einlassung, der "Schauseite" von der Marktstrasse aus unerwartet einsehbar - interessant, sondern auch historisch. Der "Schöne Brunnen" davor, der 1571 erstmals erwähnt wurde, ist beeindruckend. Die Stiftskirche gilt als bedeutendste spätgotische Hallenkirche Südwestdeutschlands und ist zudem Geburtsstätte der "Pfälzischen Union", denn hier schlossen sich 1818 die Lutheraner und die Reformierten in der Pfalz zusammen.
Die geschichtlichen Wurzeln der Stiftskirche gehen - wie könnte es anders sein in Kaiserslautern - auf Barbarossa zurück, der an dieser Stelle ein Kloster errichten ließ. Nachdem dieses Prämonstratenser-Kloster 1511 aufgelöst worden war, entstand hier zunächst ein weltliches Stift. Das existierte zwar nur bis 1565, doch bis heute noch im Namen der Kirche.
Die Stiftskirche entstand auf den Mauern eines Vorgängerbaues. Mit dem Chor wurde der älteste Bauabschnitt Ende des 13. Jahrhunderts fertig gestellt, während das Langhaus - ein hochgotischer Hallenbau mit schmalen Seitenschiffen - erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts angebaut wurde. Eine bauliche Besonderheit sind die zweigeschossigen Fenster.
An den kirchenpolitisch bedeutsamen Zusammenschluss zur "Vereinigten protestantisch-evangelisch-christlichen Kirche" erinnert ein Marmordenkmal von Professor Knoll in der Eingangshalle des Hauptportals: Es zeigt unter anderem Johannes Calvin, Martin Luther, Philipp Melanchton, Ulrich Zwingli, Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen.

An dieser Stelle und mit diesen Namen holt mich dann wieder ein Stück persönlicher Geschichte ein, aber das führt hier zu weit.

Heute ist die Stiftskirche eine protestantische Pfarrkirche, sehr schön ist der Klang ihres Glockenspiels täglich um 09:30, 11:00, 12:30, 15:00, 16:30, 18:30 und 20:00 Uhr. 2009 wurde in einem der beiden kleinen Westtürme ein Carillon mit 47 Glocken eingeweiht, der automatisch und mit Hand spielbar ist. Die Glocken stammen von der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe, einer der wenigen noch vorhandenen Glockengiessereien in Deutschland.




Direkt neben der Kirche befindet sich die aus der ehemaligen Ricardis-Kapelle entstandene Adler-Apotheke, die 1811 von dem Apotheker Müllinghof umgebaut wurde. Die kleinere Kapelle war im Laufe der Jahrhunderte verfallen. Daher bat in napoleonischer Zeit der damalige Bürgermeister den französischen Kaiser um Überlassung der ungenutzten und teilweise verfallenen Kapelle. Napoleon gab sein Einverständnis. Der Bürgermeister ließ den Sakralbau bis auf den Westgiebel abreißen und dort eine Apotheke erbauen. Der Eingangsbereich ist sehr schön im Stil des französischen Klassizismus gestaltet, die zwei Säulen mit Dreiecksgiebel zieren den Eingang. Der Adler wurde zu Ehren Napoleons über dem Portal angebracht, er war das Wappentier des französischen Kaiserreichs.



Barrierefreiheit ist auch heutzutage nicht immer zu erreichen - nicht ohne auf sich aufmerksam zu machen. die Klingel und Schild fand ich neben der Treppe. Was passiert, wenn man sie als Betroffener drückt ?




Den Wegweiser in alle weite Welt und Himmelsrichtungen entdeckte ich mitten in Kaiserslautern auf halber Strecke zwischen Stadtverwaltung und meinem dortigen Termin und dem Marktplatztreiben. [Nur Mütter werden jetzt verstehen, wie so ein Pfeil nach Australien auch gleichzeitig durch's Herz schiessen wird... Mütter sind so. Egal wie sehr sie sich mit ihren flügge abgeflogenen Sprösslingen freuen und ihre Abenteuerlust teilen.... sonst wären sie keine Mütter. ;-))) Der Rest: bitte einfach weitergehen, ....äh..weiterlesen]





An den Beeren konnte ich mich nicht sattsehen. Leider auch nicht satt essen - soviele kann man gar nicht kaufen, bis ich davon wirklich genug, soll heissen: mehr als genug hätte. Eine Schale und eine Handvoll von den Blüten der Kapuzinerkresse



habe ich mir aber mitgenommen. Die wurden nämlich später nachmittags dann als kleine Mahlzeit unterwegs vernascht. Und Insider meiner Foodbilder wissen, dass es dazu irgendwann auch noch Bilder geben wird, wie man auch unterwegs mit wenig Aufwand und mitgebrachten Zutaten in der Reisetasche geben wird. Vermutlich in einem kleinen "How to do--Post" zu "Lizchens Küche en route" ;-)




Ausgewogene Ernährung

Grumbeere, also Kartoffeln sind in der Pfalz ein MUSS. Es gibt sie auch in allerlei wunderbaren Sorten. Und das war zu Zeiten meines Grossvaters und seiner Vorfahren in Kaiserslautern gut so, denn Kartoffeln wurden und werden dort mehrmals die Woche zubereitet. In Schneebällsche oder Kartoffelsuppen findet man sie als "Pälzer" Klassiker wieder. Mein Grossvater wäre nicht auf die Idee gekommen, Kartoffelknödl aus der Tüte anzurühren oder aus dem Kochbeutel gegart zu servieren. Er machte sie sonntags morgens selbst. So wie er es von seiner Mutter - als einziger der vier Brüder - beigebracht bekommen hatte Und ich kann sie nach wie vor sehen, wie er sie an seinem Küchentisch vor dem ostfenster mit den Amaryllistöpfen schon am frühen Vormittag vorbereitete, wo sie dann am Gasherd im Salzwasser sachte simmernd gegart wurden. Und wie sie später in der Sauce thronten und mit frisch geschnittenen Schnittlauchröllchen bestreut darauf warteten, bis man sie mit der Gabel "zerriss" (nur Banausen schneiden Knödl mit dem Messer).
Auch für Marillenknödl heisst es gute Kartoffeln zu haben.
Manche seiner und auch meiner eigenen Rezepte bereite ich nur zu, wenn ich die passenden Kartoffeln dazu bekomme und gute Quellen dafür zu wissen, bei denen Qualität, Geschmack und - schliesslich nicht weniger wichtig - der Preis stimmen, ist Gold wert. Vor allem, wenn man - wie er und ich - Kartoffeln gleich nach dem Dämpfen zB am liebsten die erste gleich nur mit einer Prise Salz und höchstens einem Stich Butter aus der Hand essen. Wenn sie am besten sind. Bevor sie dann für anderes weiter verarbeitet werden.

Ebenso wichtig:
Pflaumen, Zwetschgen, ...wie man hier sagt: Quetsche sind nicht nur auf dem Quetschekuchen, dem Zwetschgendatschi ein Genuss. Sie schmecken auch wunderbar frisch. Und neben den dunklen blauen Quetschen findet man hier Unmengen von Mirabellen.



Die man unbedingt probieren und nutzen sollte. Frisch und auch für Marmelade und für Kuchen. Fruchtig, süss und aromatisch sind sie. Und ebenso wie Reneclauden bekommt man sie in München beispielsweise nur schwer und bestenfalls am Viktualienmarkt. (Bei besonders netten Obststandlbesitzern).
Eine der Varianten, die besonders lecker ist, wird von mir mit Mürbeteig gebacken, auf dem Zwetschgen und Mirabellen auf dem Teig mit einem Rahm-Vanille-Guss gebacken und leicht mit Puderzucker und nach Vorliebe mit einigen leicht gebräunten Mandelblättern lauwarm serviert wird. Natürlich schmeckt er auch gut abgekühlt noch wunderbar.



Und dann darf man nicht vergessen die Dampfnudeln. Die meines Grossvaters schon roh handtellergross, (SEINE Handtellergrösse) , meine mal so, mal als Minis im Topf, aber bei uns beiden immer auf einem Boden mit zerlassener Butter, mit einer Prise Salz zum Zucker und der lauwarmen Milch, in der sie dann aufgehen und eine goldbraune, leicht karamellisierte, aber auch mit einem ganz leichten salzigen Aroma gepaarte Kruste, das "Rammerl" bekommen. Man könnte meinen, der alte "Krieg" zwischen Bayern und der Pfalz über die Zugehörigkeit der Pfalz zu Bayern, würde auf dem Feld der Dampfnudeln weiter ausgefochten. Wenn die einen plädieren, sie in süsser Vanillesauce zu servieren und die anderen, sie an herzhaften Saucen zu Fleisch oder zum Kraut mit krossen Speckstreifen auf den Tisch zu bringen oder in der pfälzischen Weinsauce. Bei uns kommen sie mal so und mal so auf den Tisch, grad ob man nach Süßem am Mehlspeisentag oder nach Herzhaften an anderen Tagen G'lüstl hat. Wer sich partout nicht selber ans Rezept traut, hat eine gute Anlaufstelle beim Damfnudel-Uli in Regensburg. Von allen Adressen, die ich bisher erprobte, ist diese - besonders in meiner dortigen Studienzeit gern gelegentlich genutzt, weil's auch so lecker satt machte und ich Mehlspeisen liebe - auch danach die beste Adresse dafür geblieben. Auch kann man da sicher sein, dass sie dort nicht aus der Verpackung kommen, (was man leider nicht von allen Restaurants sagen kann). Und ganz nebenbei ist sein Restaurant in einer der schönsten Ecken Regensburgs zu finden und aussen wie innen sehenswert.

Die Pfälzer Küche gilt manchen als zu deftig, zu üppig. Ich halte das für ein überholtes Vorurteil. schliesslich macht immer die Menge und die Art der Zubereitung aus, ob das noch zutreffen muss oder nicht. So werden auch bei mir manche "Klassiker" auf leichtere Weise abgewandelt, wie bei diesen beiden Beispielen:





im ersten Bild eine Weinsülze, deren Aspik ein leicht süßes, süßsäuerliches Aroma zu haben scheint. Umso besser passt dazu - nein bitte nicht immer "nur" den inzwischen allerortens bis zur Erschöpfung auf Salate fabrizierten Balsamico - eine Reduktion aus Weintrauben, Brombeeren (jaaaa, beides selbst geerntet und mitgebracht), etwas Rohrohrzucker, ein bisschen Wein und ein wenig guten Essig, sowie etwas frisch gemahlenen Pfeffer und eine kleine Prise Salz. Sie schmeckt fruchtigsüßsäuerlich und hat eine balsamico- ähnliche , cremigglänzende Konsistenz. Sie passt nicht nur zu dieser Weinsülze, sondern auch zu anderen Salaten, wie etwa Wildkräutern , die im zweiten Bild mit Ochsenmaulsalat in einem erfrischend marinierendem Dressing zuvor zubereitet und mit Trauben und Nüssen serviert, oder diversen Winzersalaten, bei denen man auch gern frische rote, blaue oder grüne Weintrauben, Walnüsse hinzufügen kann. Ebenso ist sie ideal zu gebratener Leber (Lamm, Ente, Kaninchen, Geflügel) oder Terrinen und Pasteten von dieser und ein leckerer Begleiter zu Wild.

Apropos...wild. Wild fand ich auch das, was ich zufällig entdeckte, als ich Kaiserslautern wieder verliess. Nein, nicht die Figuren hinter dem Bahnhof -


Elf Freunde sollt Ihr sein

Sondern auf einer der "Schleichelstrassen", die - wenn man etwas mehr Zeit als vollen Terminkalender hat - oft die nettesten Überraschungen bieten und auf denen man unter anderem auch schmankerlmässig die eine oder andere Entdeckung machen kann. Diesmal war's ein herzhaftes Lachen, als ich - nachdem ich durch den Ort bereits durchgeschlängelt war - beim Blick in den Rückspiegel DIESE beiden Schilder entdeckte. Ich fand leider nur niemanden im Ort, der mir hätte beantworten können, ob für diese Verkehrskontrolle Bewohner der Burg für delegierte Amtsbefugnisse herangezogen werden, die dafür quasi ihre hauseigene biologische Radarkompentenz mitbringen und zusätzliches technisches Equipment ersparen. Ich würde ja vermuten, dass Mutter Natur die kleinen Flattermäuse mit technisch zuverlässigerem Know how ausgestattet hat, als es die Verkehrskontrolleure sind. Deren Bussgeldbescheide in nicht unerheblicher statistischer Anzahl wegen Meßfehlern aufzuheben sind und aufgehoben werden. Oder schon mal Fledermäuse an ihrem Radar und Fehlmessungen scheitern gesehen??? ;-)))







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