Freitag, Juni 26, 2009

Try And Talk About

Zentriert

Bärige Ideen


Für gute Marketing-Ideen ist es mehr als hilfreich, über folgendes zu verfügen:

1. das richtige Team/die richtige Gesellschaft
2. eine inspirierende Umgebung ohne Ablenkung, gerne auf einer Insel - kann ja in der City sein, wie hier, aber ganz sicher am besten ohne unterbrechende Störungen wie Handy etc.

3. ein guter Espresso...oder zwei....
4. ein Produkt oder eine Dienstleistung, für die man seine Gehirnzellen an den Start schickt
5. einen Auftraggeber, der dafür ein Budget stellt.


Inspirationskitzler können auch Ideen sein, die einen fast überall anspringen - auch im Net. Natürlich nicht kopieren, sondern einfach mal wirken lassen. Ob und wie der Funke springt. Der für eine weitere eigene Idee. Oder der, wie man selbst als mögliche Zielgruppe positiv oder eher negativ darauf reagiert. Und das dann bei der eigenen Idee einbauen und nicht vergessen. Warum ich hier im Foodblog darauf komme? Na - jedes Foodbild ist seine Werbung für sich - entweder lässt es Ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen oder nicht. Das KÖNNTE es gewesen sein. Aber dann? Dann gehen Sie einkaufen oder wenigstens an den Kühlschrank. Oder clicken sich eins weiter in Shops, in welchen das eine oder andere Schmankerl an Zutaten zu bekommen ist. Gewürze, Tees, Essig, Öle, Kräuter, beispielsweise, die ich selbst getestet und verwendet habe und einer Empfehlung wert befinde. Grundsätzlich nur, wenn mich diese überzeugt haben - womit wir schon wieder bei Werbung und Marketing wären.

Was nutzt die schönste Werbung und das schönste Produkt oder Angebot, wenn es nicht praxistauglich ist. Und das ist ein weiteres Kriterium bei der Wahl von Werbemitteln und Werbeträgern. Beispiele? Zahllose in jedem rezept hier. Aber auch in manchen der Blogs, die sich nicht nur, aber auch bei Frau...äh Muttis Runde mit der Tasse wiederfinden. Eine Fundgrube, wenn ich mir ansehe, was für best(r)ickend creative und zauberhafte unalltägliche Alltags-Besonderheiten da und nicht nur bei Frau Rieger so bunt erfrischend farbig wie nebenbei beim "Tässchen" Kaffee an allen Stoff-Ecken und Borten-Enden mit Spitzenfähigkeiten entstehen. Da werden rundum die Nähmaschinen wieder angeworfen, Wunschzettel für Stickmaschinen bereits insgeheim gekritzelt und durch die Blogzeilen gewhispert und virtuelle Shops (auch dazu ein gutes Beispiel das hier) werden wie andere Stores und Geschäfte zum nicht nur virtuellen Treffpunkt der einkaufslustigen Kauf- und Tauschkraft, die buchstäblich in Bloggerrunden zirkuliert, essbare wie vernäh-, verstrick- und verstickbare Ingredienzien inklusive. Try and talk about. Empfehlungen sind die beste Werbung - wenn sie erprobt ist. Gilt übrigens mindestens in gleicher Weise bei allen Schmankerl und Schmankerlzutaten.
Unter diese Kategorie fallen auch ein paar andere Beispiele, die ich hier und da gefunden habe.

Genial finde ich die Idee mit der Flasche als Gutschein, die ich hier gefunden habe - schade, dass der Anbieter nicht auch hier in München zu finden ist. So ein Geschäft würde mich allemal anlocken, einfach weil sie mit dem eigenen Produkt und nicht mit anderem Schnickschnack überzeugen wollen. Und damit beweisen, dass sie an eben dieses glauben, weil sich wegen 200 ml allein kostenlosem Öl oder Essig auch nur eine gewisse Anzahl zu ihnen begeben wird. Ohne noch etwas anderes zu kaufen. Allein wegen des "Nehm-ich-mal-kostenlos-mit-Faktors." Letztlich überzeugt hier wie bei den bekannten Beispiel des Namens prominenter Kinder auch nicht die Tür, die es ihnen öffnet, damit jemand sich mit ihnen befasst, sondern was sie anbieten und leisten, wenn sie durch die Tür gegangen sind. Geweckt wird nur die Neugier, den Geldbeutel öffnet nur Qualität. (Bumbum- und andere Ausnahmen bestätigen nur die Regel). Gourmet Berner - die mit der Flasche als Gutschein - finde ich jedenfalls wert, sie auf der nächstmöglichen Messe hier in München zu besuchen, weil mich die Idee neugierig genug auf die Produkte gemacht hat. Schau ma' mal, ob auch die Produkte dann so überzeugen wie die Werbeidee - mehr dann zu ggb. Zeit. Und wie ist es mit Ihnen - würden Sie die Flasche füllen lassen?

Ob Sie diese Idee, den Cappu oder den Latte Macchiato auch noch und gleich doppelt - im Schaum und im Papierset unter dem Glas - werbetechnisch zu nutzen, ebenso ambivalent, tendenziell negativ sehen, wie ich? Der Gedanke mag auf den ersten Blick bestechend gewesen sein (und natürlich ist das für Coffeeshop und Reiseunternehmen nicht ohne entsprechenden Vertrag mit entsprechende Zahlungen an den Coffeeshop denkbar). Ob meinem manchmal trockenem und direktem kritischen Humor aber dann nicht die Frage an die Bedienung herausgerutscht wäre "Und wieviel teurer wird der Cappu für mich jetzt, wenn ich ihn werbefrei serviert bekommen und geniessen will?" - Man ist ja inzwischen schon gewohnt, dass man vor allem im virtuellen Raum für Werbefreiheit in bald allen Foren, etc mehr oder überhaupt zahlen muss. Und dass daraus ein Geschäft gemacht wird. Und mitnichten etwa Produkte preiswerter, wenn sie einen Werbebanner tragen. Das wird auch beim Coffeeshop eben den Preis für das Hallo-Wach-Portiönchen nicht senken.

Erheiternd und bestechend ansprechend finde ich dagegen manche dieser "Guerilla-Ideen für Friseur-Marketing". Noch bestechender und ausschlaggebend aber fände ich gerade beim Friseur das, was ich vor Ort beim Friseur bekomme. Und was ich da gestern nach 4 Jahren Friseurabstinenz erlebte, überzeugte mich nicht. Egal mit welchem Schnickelkram sie vielleicht irgendwo werben. Ich hatte sie mir allerdings auch nicht wegen etwaiger aktueller Werbung ausgesucht, sondern weil die bald satte 90cm Haarlänge einfach mal doch eine Spitzenbehandlung brauchte. [Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.... und ich wünsche mir, dass dann nicht ausgerechnet der Friseurbesuch vorher einen Schatten auf die Laune für den Anlass wirft..... ;-))) ]
Ich will gar kein teures Wässerchen (weder auf dem Haar noch im Wasserglas vor mir) und ich brauch auch gar nicht unbedingt einen Kaffee dazu (für den ich früher auch nur bei gelegentlichen längeren Lockenfabrikationsprozeduren dankbar war), keinen Massagesessel, keinen kostenlosen Haarschnitt 1x monatlich "nach Art des Hauses", wenn mir der nicht gefällt. Ich will einen Haarschnitt, der mir gefällt und für den zahle ich auch gern. Denn mir genügt kompetentes Personal, das mir keine typverfremdenden oder sonst angeblich grade "soooo chyyycen" Trends aufschwatzen (oder mich mit dem neuesten Klatsch zutratschen) will und das sein Handwerk wirklich versteht. Beim Schnitt. Und wenn ich beim Haarewaschen wie nebenbei eine wohltuende Kopfmassage kriege, bin ich eh schon Wachs (und nicht nur billiges oder überteurtes Haarwachs) in ihren Händen und reihe mich für den guten Schnitt dann auch in den Stammkunden-Fundus ein. Ich wechsle nur zwangsweise - d.h. bei Tod, Heirat oder Umzug, sei es der Friseuse oder eigener - den Friseur und das auch nur nach Jahren. In der Zeit zwischen solchen unumgänglichen Wechseln wusste meine Friseuse oder mein Friseur auf den Punkt genau, was ich wollte und definitiv nicht wollte, auch wenn wir immer mal wieder nach ihren Vorschlägen Varianten von Schnitt und Frisur hatten. Aber ich schätze den Luxus, aus einem Friseursalon zu gehen und nicht das Bedürfnis zu haben, bis zur häuslichen Brause und dem eigenen Fön die Kapuze meiner Segeljacke überzuziehen, bis ich mich wieder wie ich fühle. Wer solche Friseure hat, weiss, was ich meine. Und wem ein solcher abhanden kommt, weiss auch, wie man sich schwer auf einen neuen einstellt. Und daher scheue ich die Suche nach einem neuen dann ebenso wie die Suche nach einem neuen Gynäkologen (oder anderem Arzt) oder der Teufel das Weihwasser. Marketingexperten haben es also - zugegeben - bei mir als Zielgruppe schwer, das, was ich als Empfehlung betrachten würde für einen Friseur in die Werbung zu packen. Ich erwäge vor dem nächsten Friseurbesuch die in Betracht kommenden Läden runde 30-60 Minuten optisch zu testen - d.h. isch gugge zu..... wer wie reinkommt, wer wie rausgeht, was dazwischen Scheren und die, die damit schnibbeln so anrichten. Dabei würde ich auch einen Kaffee trinken. DER könnte auch gern mit Werbung dort serviert werden, um mich als Kundin anzufüttern ...äh..anzulocken. DAS wäre mal eine Idee, oder nicht ?


Und nun : Butter bei die Fische ! WIE suchen SIE sich ihren Friseur?


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1. als RFL
Bärige Kaffeetied
Missing You
Pelzige Langeoog-Geniesser

2. als Postkarten/Poster/Prints/Kunstdruck

Erholung in der City
Waiting for You

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