Donnerstag, Mai 14, 2009

Hart oder Heart?



Der Muttertag liegt hinter uns und dennoch habe ich noch immer in manchen Artikeln der Tages- und online-Presse und auch in manchen der diversen Foren, durch die ich hier und da schlendere, die dortigen teils recht harten Urteile über den bei manchen offenbar fehlenden Wert diesen Tages im Ohr. Genau genommen: im Auge. Lesend, eben.

Was manchen aber in ihren nicht selten geharnischten Urteilen nicht bewusst ist, da gibt es einen Holzsplitter in ihrem eigenen Auge, der ihre Sicht nicht nur schmerzlich färbt, sondern auch trübt. Wer ist - und das gilt für viele der oft als nur ritualisiert empfundenen Familientage - denn gezwungen, sie überhaupt oder zu dem genannten Motto oder überhaupt zu zelebrieren?

Als wären solche Gewohnheiten und Feste und wie man sie zu verbringen habe, irgendwo in Stein gemeisselt, an denen eigentlich das Herz (mit)denken sollte, sprechen und nicht überhört werden.

Wer wäre nicht frei, das selbst zu entscheiden, ob und wie er ihn verbringt? Diese schlichte Schlussfolgerung ist nicht neu. Aber wird die Erkenntnis in Konsequenzen gemünzt?

Vor ein paar Jahren erzählte mir einmal ein sehr betagtes Ehepaar davon, wie sie den Mutter- und Vatertag begingen, jedes Jahr, seit ihre beiden Kinder selbst verheiratet seien und Kinder bekommen hatten. Sie nahmen sich diesen Tag frei. Von jeglichem Besuch. Die Kinder wären herzlich gern zu ihnen gekommen, allesamt und samt allen Kindern. Und hätten sich auch über den Besuch der Eltern gefreut. Und das wurde auch oft an vielen Wochenenden gern mal hier, mal da gemacht. Daran lag es nicht. Trotzdem. Die beiden nahmen sich an diesen beiden Tagen des Jahres frei, nur füreinander und taten zusammen, was ihnen am liebsten zumute war. Machten sich zusammen ein wunderbares Frühstück, mal auf ihrem kleinen bunt beschirmten, blühenden Balkon, mal nach Wetterlage gemütlich drinnen. Gingen dann - Hand in Hand - in den Park, machten einen schönen Ausflug mit der Bahn und einem hübsch gefülltem Picknickkorb an einen der Seen im Süden Münchens oder in die Berge oder besuchten einen Ausstellung, einen Kinofilm oder das Theater. Sie nahmen sich Zeit füreinander und um sich zu zeigen, dass sie glücklich waren. Miteinander? Ja, das auch. Aber auch darüber, dass sie jeder in seiner Rolle als Mutter oder Vater und gemeinsam und miteinander als Eltern und Ehepaar ihre Lebensaufgabe, die Kinder gut und gross zu ziehen und zu tüchtigen, netten, liebenswerten Menschen erzogen zu haben, gut gemeistert hatten und sich daran freuten. Daran und dass diese nun selbst genau das machen sollten und würden. Und - wie sie, die Älteren - auch diese Muttertage und Vatertage mit sich und ihren Kindern verbringen und geniessen sollten. Und als Paare. "Kinder", sagte die ältere Dame lächelnd, "Kinder bleiben sie ein Leben lang. Nicht nur an dem einen Tag. Und sie kommen und kommen gern und wir freuen uns auch an jedem anderen Tag im Jahr und sie sind für uns da und wir für sie. Das ist Familie für uns. Das ganze Jahr. Und wenn wir ihnen an dem einen Tag fehlen, den wir uns für uns nun gönnen, weil wir eigentlich selbst feiern dürfen, dass wir das ganz ordentlich hinbekommen haben, was aus den Kindern heute geworden ist, ..... nun, vergessen tun sie uns an dem Tag nie," sagte sie schmunzelnd. "Wetten?" fügte ihr Mann damals augenzwinkernd hinzu.

So unkompliziert und weise können zwei kluge Menschenkinder in Grosselternschuhen sich und andere glücklich machen und glücklich sein lassen, denke ich jedes Mal dann, wenn so mancher sich über diese oder andere Familientage beklagt. Dabei ist es so einfach, wenn man auch als Eltern und in Grosselternschuhe hineingewachsen und erwachsen genug ist, oder nicht ?





Und vielleicht vergessen Sie auch einfach mal nicht, dass Sie sich einfach gegenseitig was Gutes tun könnten, anstatt auf den Besuch von Kindern oder deren mutter-/vatertagsgerechtes Verhalten zu hoffen. Spätestens wenn die Kinder flügge sind, sind Sie dann auch nicht so sehr aus der Übung damit, wie das geht.......



Eine gute Möglichkeit ist ja bekanntlich, gemeinsam zu kochen ......... kann man am Vatertag gleich mal wieder ausprobieren, ..ungewohnt? Heikel, klappt sonst auch nicht so recht zu zweit in der Küche, Mann und Frau , gleich zwei Chefs am Herd? Kann vorkommen,.... vergrössern Sie Küche und Zahl der Köche, für den Anfang, um (wieder) in Übung zu kommen. Eine Möglichkeit dazu ist die Küche eines Hotels. Die bieten After Work Cooking regelmässig, aber als einzelne Termine buchbar an. Hier in Berlin. Schenken Sie sich den Kurs - EINander zum MITeinander....Kochen. So mancher, der daheim der Chef in der Cuisine und die energische Chefin am Herd ist gewöhnen sich im erweiterten Kreis nicht selten leichter daran, auch daheim zu zweit (wieder) Harmonie in die Küche und eine ganz neue interessante Würze in's Rezept zu bringen,..... woran könnte das wohl liegen?


Ich habe das seltsame Gefühl, das zauberhafte Grosselternpaar wüsste auch dazu genau, warum das so ist. ;-)

Vielleicht daran, dass manches gewohnte Bild gelegentlich einfach einen neuen Rahmen braucht, um es weiter zu geniessen ? Und sich - mal aus einer anderen Perspektive die Sicht auf die Dinge einnehmend - ganz ungewohnt gut, vielleicht endlich besser zu fühlen.

© Copyright by Liz Collet
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1 Kommentar:

Hanna hat gesagt…

Hey Liz, die Geschichte der beiden Grosseltern gefällt mir, schade, dass das bei so vielen nicht klappt und frustet. Die Cartoons gefallen Dir vielleicht zum Thema:
http://tinyurl.com/ojrmum
greetings, Hanna