Sonntag, April 27, 2008

Royaler Auftakt


Le Roi est Mort, Vive le Roi !

Nein, nein, nicht Henri II. hat den Kochlöffel abgegeben (dem geht es gut), sondern Henri I. Dabei stellt sich - mal ganz nebenbei - die Frage, wann denn eigentlich ein Herrscher oder eine Herrscherin den Zusatz "I." erhalten ? Schliesslich braucht's den Zusatz ja beim ersten (noch) nicht. Aber das muss hier nicht abschliessend beantwortet werden. Es sei denn, einer meiner lieben Hereinblinzler wüsste zufällig die Antwort darauf. Oder ist das eine Frage für "Wer wird Millionär?" oder "Genial daneben"?
However. Wieso überhaupt "Henri I. bis III." ? Hat das etwa mit meiner ersten sog. wissenschaftlichen Arbeit zu tun, die man im Laufe seines Lebens zu erstellen hat, wenn man sich den Wissenschaften widmet ? In meinem Fall war es meine Französisch-Facharbeit, mit der ich mir einen satten Anteil meiner Abi-Note eingeheimst hatte. Englisch, Französisch Leistungskurs, Bio Grundkurs und Erdkunde Grundkurs mit der mündlichen Prüfung. Was rein aus Interesse und der Lust an den Fächern ausgewählt war, hat sich - heute rückblickend - auch später durch Vorlieben und Neigungen und auch berufliche arbeiten gezogen. Völlig unabhängig davon hat auch der beste der Söhne seine Vorlieben bei der Wahl seiner Abi-Fächer in diese Richtung gezeigt. Mit ganz anderem Berufsziel, als ich. Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Aber zurück zur eigenen Facharbeit: Dass die in Französisch erfolgen sollte, stand für mich ausser Frage und auch, dass sie sich mit einem der Schlösser der Loire befassen würde. Eigentlich schon umfangreich genug, schien meiner Abi-Lehrerin, [ der ich - en passant - auch die erste kulinarische Begegnung mit einer Quiche Lorraine verdanke ], die sie unserem Kurs abends bei ihr daheim bei einem wahnsinnig netten Abend servierte - aber neben dem kunst- und architekturgeschichtlichem Aspekt ein geschichtlicher zusätzlich unerlässlich. Bei meinem Lieblingsschloss an der Loire - Chenonceaux, wegen der Architektur und der Lage am und über dem Wasser gespannter Bauteile - brachte mich das an die Aufgabe, einen historischen Bogen zu Katharina de Medici, Diana de Poitiers, Heinrich II. und die Geschehnisse der Bartholomäusnacht zu spannen. Letztere historisch mit der Geschichte der Architektur des Schlosses zu verknüpfen war in meinen Augen schnell nur durch Verknüpfung mit den Frauen des Schlosses möglich, im Besonderen mit Katharina de Medici und die Geliebte Heinrich II - Diana de Poitiers.

Kürzlich fiel mir diese Arbeit zufällig beim Umräumen von Akten wieder in die Hände. Getippt auf einer Schreibmaschine, die ich mir zu meiner Konfirmation gewünscht und von meinen Grosseltern bekommen hatte. Illustriert mit Kopien von Skizzen, Radierungen aus diversen Büchern, Ausschnitten aus Material, das ich mir von Tourismuszentren in Frankreich, von historischen Instituten aus Frankreich und vom Institut Francais in München erbeten und erhalten hatte. Nach Jahren weit umfangreicherer wissenschaftlicher Arbeiten gleichwohl als Anfängerarbeit wissenschaftlicher Bearbeitung eine ganz nette Arbeit, die beim nochmaligen Lesen und Blättern auf der Leiter und beim Umräumen des Archivmaterials in den oberen Regionen des Arbeitszimmers überraschend Lust weckte, das Thema noch einmal aufzuarbeiten, gründlicher, sicher auch mit aktualisierteren Quellen und zudem sicher heute noch schönerem Bild- und Quellenmaterial. Warum eigentlich nicht auf die Projektliste setzen ? Gesagt, mal sehen, was daraus getan wird. Zumal bis heute mein damaliger Traum von einer Reise an die Loire und ihre Schlösser und Chenonceaux unerfüllt ist. Aber vielleicht gibt es dafür auch noch eine Zeit - für die erst die eigene Fotopassion und eine gewisse Fähigkeit beim Fotografieren "nach"wachsen musste. Und heute fände ich die Reise auf einem Boot auf der Loire besonders reizvoll, ein Gedanke, auf den ich damals noch vor meiner Begegnung mit dem Segeln und einer seither bestehenden weiteren Leidenschaft, nie gekommen wäre. Natürlich wäre auf dem Boot das Fahrrad mit dabei, um auch abseits des Flusses die Landschaft kennenlernen zu können.

Dessenungeachtet: Die Taufe meines ersten Herdes Henri I. hatte ganz und gar nichts mit dieser Arbeit seinerzeit zu tun. Die Erklärung ist viel simpler - ein Scherz meines Humors. Der eine besonders feine Kaffeemaschine kurz nach Beginn meiner Arbeit als §§Schubbserin in unserer Wohnung "Berta" getauft hatte. Eine Kaffeemaschine, die Kaffee, Espresso und Cappu zaubert und das Zubereiten des Kaffees durch einen Timer am Abend zuvor für den Morgen danach selbsttätig und wunderbar aromatisch morgens zum Wachwerden locken konnte, MUSSTE einfach einen Namen bekommen. Einen Namen, der jeder Köchin alter Gutsherrenart zur Ehre gereichen würde. BERTA - war das erste, was mir dabei einfiel und dabei blieb es. Die leisespöttischamüsierte Frotzelei des Mannes im Haus, wie denn dann unser Wäschetrockner und der Herd heissen müssten, konterte die koffeingestärkte §§Schubbserin prompt übermütig: "Der Trockner heisst Johann und der Herd heisst Henri !!" Es blieb dabei. Und irgendwie wurde ein "running gag" meines Alltags- und Berufslebens daraus, nach dem dann alle dienstbaren elektrischen Geister IHREN Namen erhielten, bis hin zu James, der brav seine Dienste als elektronischer Butler in der Kanzlei tat.
Henri I. gab nach rund 17 Jahren fleissiger Arbeit seit Beginn 2006 nach und nach aus Gründen der Altersteilzeit seine Tätigkeiten auf, endgültig streikte er dann im vergangenen November. Kurz zuvor setzte dank eines Geburtstagsgeschenks eine Interimsherrschaft von Henri II. ein, der sich nach Kräften bemühte, aber schlicht nach seiner körperlichen Statur auf Dauer den Anforderungen nicht gewachsen war. Nun also ein bereits erprobter Nachfolger, 12 Jahre bereits an der Elbe in hanseatischen Diensten, der die Nachfolge auf dem Thron Henri I. antrat. Erfolgreich, nachdem er an die IsarmetroPOLE der IsarAMPER(E)-Werke angeschlossen wurde. Klassischerweise mit einem "Königlichen Guglhupf" als Entrée. Denn was wäre auch besser dazu geeignet, als eines der Rezepte, das - auch, nicht nur - im Elsass beheimatet ist. Auch wenn ich ihn kaum je mit dem dort üblichen Hefeteig herstelle, sondern in diversen Weiterentwicklungen eines Rührteiges auf dieser Rezept-Basis. Diesmal jedoch mit Mandeln und Cranberries, letztere zuvor eingelegt in einem leckeren Rum.

Alors !
Le Roi est mort, vive le Roi Henri III. - Hoffentlich mit einer langen und erfolgreichen Herrschaft in meiner Cucina.
.............. Und irgendwie scheint sich ein Bogen zu spannen, wenn man berücksichtigt, dass auch Henri III noch mit der Bartholomäusnacht und den Hugenotten zu tun hat(te). Ich denke, da kommt noch mehr an Geschichte(n) auf mich zu, genug für mehr als einen Guglhupf und mehr als eine Kanne Tee. Man wird sehen....

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