Mittwoch, Dezember 05, 2007

Unser täglich' Brot



wirklich immer und für jeden täglich ?




Wenn man den Kinderreport Deutschland 2007 des Deutschen Kinderhilfswerks liest, der soeben erschienen ist, ist das nach wie vor fraglicher denn je. Beispiele zitiert finden sich hier.
Liest man zudem die detailliertere Darstellung beispielweise des Wochenberichts Nr 12 des DIW Berlin, fällt neben bedrückenden Entwicklungen der erfassten und erfassbaren Daten auf, dass diese stets nur von dem ausgehen können, was über den Empfang von öffentlichen Leistungen wahrnehmbar ist.




Armut ist nach wie vor ein Makel, der soweit irgend machbar und möglich vor dem Umfeld verborgen und kompensiert wird. Wer genauer hinsieht, kann ihn dennoch entdecken. Die Mutter, die auch im Elternbeirat sitzt und die im Gegensatz zu ihrem früheren peniblen Äusseren in der letzten Zeit abgetretene Absätze an mehr als einem Paar ihrer Schuhe hat.




Der Kollege, der sich seit langem lieber ein Butterbrot mitbringt, als noch in die Kantine zu gehen. Und mit Butterbrot meine ich in diesem Fall Butter-Brot. Kein Aufschnitt, kein Käse. Die Nachbarin aus dem Haus gegenüber, die ich kürzlich beim Einsammeln von Pfandflaschen in einem Park nahe der Schule sah, als ich auf dem Weg zum Postamt dort vorbeiradelte.




Es ist nicht neu, dass Rentner knappes Budget haben. Allen Veröffentlichungen zum Trotz, dass noch nie so viel zu vererben in Deutschland sei, wie heutzutage. Und schon als ich mir mein tägliches Brot in einer Bäckerei verdiente, gab es Kundinnen unter den Älteren, die grundsätzlich nach Brot oder Gebäck vom Vortag fragten, weil es das günstiger gab. Eine von ihnen kam immer wieder mal um 18.25 Uhr und fragte danach, ob sie es nicht schon am Abend haben könne, schliesslich bleibe es ja nun eh bis zum anderen Tag übrig. Es war den Verkäuferinnen aber natürlich verboten, es ihr - selbst wenn es 18.29 Uhr gewesen wäre - zum Preis zu geben, zu dem sie es am nächsten Morgen bekäme. Abgesehen von anderen Gründen hätte das schlicht auch zu Ärger mit Wettbewerbern geben können wegen unlauteren Wettbewerbs.
Dass der Bedarf vorhanden war und nicht nur bei Älteren, machte sich eine der Traditionsbäckereien in München dann zunutze und zum Angebot. Seither standen die Kunden in der seit 1331 in München verwurzelten Bäckerei schon minutenlang vor Beginn der und zur Happy Hour ein paar Schritte vor der Einganstüre der Filialen entfernt, um dann schnellstens noch von dem Brot zu bekommen, das dann noch zur Auswahl stand. Eine Geschäftsidee, die neben Verbesserung der Kundengewinnung und -bindung auch die Reduzierung der Retoure von Waren zur Folge gehabt haben wird.

Eine der Filialen lag auf meinem Weg, wenn ich abends die Post zum Briefkasten für mein Büro brachte im schicken Nymphenburg mit vielen durchaus feinen Anwesen und eine weitere auf dem Weg durch ein Viertel mit Wohnblöcken mit eher weniger "betuchten" Haushaltsbudgets, Familien mit eher weniger Einkommen. Was mir dabei auffiel ? Die Schlange war grundsätzlich zur Happy Hour länger im feinen Nymphenburg als im "Vergleichsviertel".
Ein Symptom des Satzes "Kochen lernst Du von den Armen, Sparen von den Reichen." ?
Oder : "Wer nur richtig wirtschaftet, kommt halt auch zu was."?
Hätte man denken können. Wenn man nicht noch einen zweiten und dritten Blick dafür gehabt hätte, welche Kunden diese Happy Hour denn im Einzugsbereich dieser Filialen tatsächlich auch nutzen konnten. Wer erst nach 18.30 Uhr oder gar nach 20 Uhr als Verkäuferin oder sonst berufstätiger Mensch nach Hause kommt, erreicht eben keine der beiden Filialen mehr für diese Angebote.

Manche Chancen sind - nicht nur auf dem Papier der Kinderreporte und Wirtschaftsbriefe - sondern real zwischen Zeilen und Arbeitszeiten und Beschäftigungschancen eben nicht gleich.

Aber das ...ist dann, ...na ? - Eben, .....richtig: das täglich Brot der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Ein ....mehr oder weniger ...alter Zopf.



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