Freitag, Oktober 12, 2007

Das Biest - oder: mal ein offenes Wort über manche Models

Immer wieder werde ich darauf angsprochen, woher ich nur immer meine Models bekomme, ob ich die selbst so vorbereite und optisch style und ob ich sie (jaja, Klischees über Fotografen, Sie wissen schon ... !! ) auch beim oder nach dem Shooting selbst vernasche.

Ich habe dazu schon manches gesagt. Aber heute muss ich mal ein Wort mehr darüber verlieren. Auch wenn man über Misserfolge bei Models nicht wirklich gern spricht. Aber Misserfolge sind ja - sagt man - gute Lehrmeister. Sie fordern heraus. Lassen besser werden. Auch ich habe diese Hoffnung immer (und meist zu Recht), dass Hürden, die in den Weg gelegt werden, erst die Fähigkeiten hervorholen und optimieren, die sonst gar nicht gefordert und gefördert würden.

Aber solche Erfolge kosten manchmal viel Zeit und ....ja, ....mehr, als man manchmal so aufbringen kann. Davon soll heute mal die Rede sein.

Kein Mensch würde mir glauben, was mir heute mit einem Model passierte, hinter dem ich schon verflixt lange her bin. Ich hab’s schon eine ganze Weile mit allem Möglichem versucht. Mit endloser Geduld, stehend, sitzend, auf dem Boden kauernd, bis es – vielleicht ? endlich ? – in der richtigen Position sein könnte, um endlich ein wirklich scharfes Bild von ihm machen zu können. Meinetwegen auch aus grösserer Distanz, man ist ja flexibel. Versucht, auf Schüchternheiten, fehlende Erfahrung von Models sensibel einzugehen. Ja, ich hab das Tele aufgeschraubt, in der Hoffnung, dass es dann weniger schüchtern wäre, wenn ich mehr aus dem Hintergrund agiere. Ich liege fast schon auf der Lauer, wie ein Papparazzo. Ich möchte nicht wissen, was meine Nachbarn von mir in den letzten Wochen und Monaten dachten und denken, wenn sie mich sehen, wie ich die reinsten Kapriolen für dieses Model schlage. In meinem ehemaligen Schlafzimmer. Ja, ehemalig, denn seit einiger Zeit ist das Ex-Schlafzimmer irgendwie eher ein Arbeitsplatz. (Das Schlafzimmer hat ausgedient. Zumindest in diesem Raum. Aber das ist eine andere Geschichte.) Zurück zu meinen mühevollen Versuchen mit dem Model. Manchmal passiert es sogar in der Küche. Ich schwöre ! Das ist wahr. Ich bin dann gerade mittendrin mit etwas völlig anderem beschäftigt. Entweder im Ex-Schlafzimmer mit diversen beruflichen Dingen. Da kommt es einfach angetapst und hüpft mir wie die Natur es geschaffen hat, vor den Augen rum. NATÜRLICH DANN, wenn ich nicht die Kamera in Reichweite meiner Hände liegen habe ! Das kleine Biest – es weiss ganz genau, wie es mich auf 100 bringen kann, wenn es mich so neckt. Oder vorhin ! Ich stehe allerharmlosest an der Arbeitsfläche in der Küche und versuche gerade, etwas richtig schön Scharfes zuzubereiten, das ein wenig den Stoffwechsel anheizen könnte. XXL-scharf. Bei dem ungemütlichen Wetter mit dem Nebel draussen hat man halt nun mal solche Gelüste. Drinnen. Für die kuscheligen Abende. Also – ich justament gerade dabei - den Stössel in der Hand nach dem scharfen Zeug greifend - da seh ich aus dem Augenwinkel was vorbeihuschen. Kucke hoch, ...aber sehe nix. Nun ja, denke ich, hab ich mich getäuscht - hol mir ein paar der kleinen scharfen Chilis und widme mich erneut dem Stössel und dem Mörser. Dann ist der Kürbis dran. Der gebärdet sich äusserst widerspenstig, als ich ihn mittenmang entzweien möchte und fordert zur Vermeidung der weiteren Erhöhung der statistischen Zahl von Haushaltsunfällen im Allgemeinen und im Besonderen meine ganze Konzentration. Das Messer bleibt schlicht stecken in der dicken orangenen Kürbiskugel und will weder vor noch zurück. DA ! Als hätte dieses Biest von einem Model genau darauf gewartet, dass ich wieder mal beide Hände voll zu tun habe – husch, setzt es sich genau vor mich hin !!! Wie vom Schöpfer geschaffen, um einfach nur da zu sitzen und mich anzufeixen. Es grinste !! Mann o Mann. So kann man selbst mit mir nicht einfach umspringen, denk ich mir. DIESMAL bist Du fällig, Kleines. Dreh mich um und wetze strumpfbesockt [ und daher mit erheblicher Haushaltsunfall-Gefahr] auf dem Parkett einmal quer durch die Wohnung, deren Flur sich halb im Zickzack, halb rundrum um und zwischen den Zimmern schlängelt und sockentechnisch ab gewissem Tempo Schuhmacher-Level bei der Kurvenbewältigung verlangt, schnabb mir die Kamera, zubbelzubbel ein Objektiv runter, das Tele drauf, wetzt wetz wetz zurück, anlegen, Kimme, ... ...na, und sehe gerade noch die Kehrseite dieses Biestes, wie es sich verdrückt. Ja – man errät es fast ! - nicht ohne noch einen Blick über die Schulter zurück mit einem Blick, der grinsend sagte... „Ätsch, mich kriegst Du nie.“
Die Kamera sank genauso gefrustet wie meine Schultern eine Etage tiefer. Ich legte sie beiseite. Der Kürbis musste es ausbaden – aber ich kriegte wenigstens das Messer wieder raus durch die Frustenergie.
Ärgerlich schwor ich mir überhaupt nicht mehr in die Richtung zu kucken, in der das Model entschwunden war und mich nun nur noch dem Kürbis zu widmen. Pah ! 10, vielleicht 15 Minuten vergingen beim Zerkleinern des Kürbisses, dem Schälen von Kartoffeln, Waschen der Knollen und dem Würfeln der Erdäpfel. Und gerade war meine gute Laune wieder zurückgekehrt, während ich immer mal wieder einen Blick aus dem Fenster in die schon ziemlich laubentkleideten alten Bäume warf und dem Gewimmel von Spatzen, Meisen, Gimpel, Amseln, Elstern, Grünfinken und dem Eichelhäher, der sich dann dazwischen kurz blicken liess. Die Meisen waren frech genug, immer zwischen dem Baum und der Dachrinne direkt über meinem Küchenfenster hin und her Staffelflug und Fangen zu spielen. Manchmal flatterten sie oder ein paar der Amseln auch in die gestrüppdichten und noch grünen Blätter des Rankgewächses der Nachbarwohnung. Das wunderte mich etwas. Denn das Ex-Schlafzimmer liegt (am Küchenfenster stehend) rechts von der Küche. Das Ex-Schlafzimmer besitzt kein Fenster, sondern nur einen französischen Balkon mit zwei Balkontüren. Und die standen zu der Zeit weit offen. Immer wenn sie offen stehen , halten sich die Vögel eher etwas entfernt von dem Rankgewächs am Nachbarbalkon, der ein „echter Balkon“ ist und daher etwas vorgelagert ist und daher auch vom Küchenfenster aus teilweise samt Ranken sichtbar. Vermutlich meiden sie das Gestrauche dort, weil es ihnen zu unruhig ist, wenn ich sonst im anderen Zimmer bei offenen Türen zugange bin. Ich wunderte mich ein wenig, dass sie an diesem Tag dort so lebhaft umher flogen und sich dort beschäftigten, dachte mir aber nicht viel dabei. Bis ich nur halb aus dem Augenwinkel einen grösseren Schatten sah, als würde irgendetwas an dem französischen Balkon dort herumhuschen. ...... Fast hätte ich einfach weitergearbeitet... aber eine innere Stimme sagte mir... das konnten nicht die Vogerl gewesen sein... da war irgendwer anderes .......... Ich beschloss, lieber nachzusehen und ging zur Nachbartüre, öffnete sie – und da war das freche, vorwitzige Biest von einem Model. Hing buchstäblich im Gitter des französischen Balkons, an der Innenseite, Arme und Beine weit gespreizt, von oben bis unten fast pechschwarz gekleidet und drehte den Kopf zu mir. Frech feixend, als wartete es darauf, dass ich wieder nach der Kamera flitzen würde. Ich war so baff, dass ich nur herausbrachte „Ja, was machst Du denn da ?“ Das hätte in dem Moment vermutlich jeder andere auch gesagt. Das kleine Biest klammerte sich nämlich KOPFÜBER an dem Balkongitter fest und grinste bis über beide Ohren und schier scheinbar bis in die Spitzen des etwas frech nach oben gebürsteten dunklen Haarschopfes. Ich fluchte insgeheim beim Gedanken an die jetzt in der Küche liegenden Kamera und das Tele. Wartete ab, was nun kommen sollte. Das Model fing an, den Popo hin und her zu bewegen, als wollte es mir frech sagen : „Hehe, fang mich doch, kriegst mich nicht“ und bewegte sich dann geradezu lasziv langsam nach oben am Gitter, bis es wieder kopfoben am Gitter festhielt und dann auf der Querstange zu mir gedreht sitzenblieb. Ich drehte mich behutsam um, verliess das Zimmer und hastete mit wenigen Schritten in die Küche nebenan, griff die Kamera, schaltete sie noch im Weg zurück an, Finger auf den Auslöser und war fast verblüfft, dass das Model kaum seine Position geändert hatte. Bis ich – es glich einem Duell, wer schneller war – die Kamera halbwegs ruhig, aber zügig hochnahm und im Sucher bereits nur noch sehen konnte, wie das Biest leicht tänzelnd wie Jerry vor Tom the Cat frech an der Querstange entlang huschte und über die Feuerwehrleiter neben dem Rankgewächs nach unten verschwand. Obwohl ich mit einem Satz beim Balkon war, sah ich nur noch einen schwarzen Schatten zwischen dem dichten Laub und einige Äste wedelnd anzeigen, welchen Weg es auf dem Fluchtweg nahm.
Und als wäre das nicht genug – ich stand noch fassungslos da und suchte zwischen dem Laub, ob ich es nicht noch erwischen würde, wenn es aus dem Gestrauch über das kurze Stück Wiese huschen würde – ertönte auf einmal ein plätscherndes Geräusch unmittelbar über mir. Ich sah reflexartig hoch und sah gerade noch drei Meisenschnäbel hinter dem Rand der Regenrinne unmittelbar über mir zurückzucken und hörte sie fröhlich mit dem Zwitschern beginnend da oben ein Abendbad nehmen ........... eine so komischabsurde Situation, dass ich nicht anders konnte – als schallend zu lachen.
Eines Tages aber, das schwöre ich, eines Tages, krieg ich Dich. Spätestens, wenn ich mich mit mehr mm bewaffne... ich träume von einem richtig langem Rohr... mindestens 400 mm.
DANN !!!




Models – argggh.



©Copyright by Liz Collet





*

Keine Kommentare: