Montag, Januar 01, 2007

Wie kommt eine §§ Schubbserin zur Foodfotografie....?



............ist eine Frage, die ich schon öfter gestellt bekam. Ebenso wie ein paar andere Fragen.

Nunja,.... §§Schubbserin nannte man es nicht, der Ausdruck stammt dann doch von mir und ist eine der unausrottbaren Anzeichen des Humors, den ich am wichtigsten finde: man sollte sich selbst nicht allzu ernst nehmen, nur das, was man macht und das möglichst gut.
Aber die Frage wird inzwischen so oft gestellt, dass ich dazu wohl ein paar Worte verlieren sollte.

Einige dieser Fragen habe ich bereits in der Gesprächsrunde nach einem Workshop zu fotorechtlichen Aspekten beantwortet, den Text des Gespräches bekam ich netterweise zugeschickt, er beschreibt und beantwortet vielleicht einige der immer wieder gestellten Fragen ganz gut:


* * * * * *

F: Du bezeichnest Dich gern scherzhaft als §§Schubbserin. Eine nette Form des understatements beim Blick auf Deinen beruflichen Werdegang ?

Liz: Mag sein, dass das auch so missverstanden werden könnte. So, als wäre mein juristischer Beruf mir nebensächlich oder als würde ich ihn nicht ernst nehmen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Beruflich gesehen ist er meine erste und wichtigste Leidenschaft, nicht nur, weil es auch kein ganz leichter Weg war, ihn überhaupt zu erreichen. Aber auch als Jurist sollte man nie übersehen, dass auch das Recht und die eigene Arbeit völlig unabhängig vom Engagement und der Empathie dafür Grenzen unterliegen. Dass das, was recht erscheint, nicht immer oder nicht für jeden Mandanten oder eben zumindest derzeit noch nicht durchsetzbar ist. Wenn man das - wie etwa im Gesundheitsrecht oder in der Medizin - erlebt, wie oft Interessen der Einzelnen anderen Interessen untergeordnet werden, wirft das einerseits die Frage nach dem Wert oder dem Sinn mancher Arbeit und manchen Engagements in diesem Beruf auf, relativiert sie aber auch gleichzeitig: Man kann als Einzelner nur in Grenzen Veränderungen herbeiführen. Indem man nicht aufhört, das Recht als Werkzeug zu betrachten, das man - kunstfertig und geschickt beherrschen und einsetzen und verfeinern kann - auch kreativ weiterentwickeln kann. Aber wenn das nicht oder nicht so schnell gelingt, wie es für einzelne Mandanten erforderlich ist, sollte man das nicht zum (Ver-)Zweifeln an der eigenen Qualität oder Fähigkeit führen lassen. Sondern das richtige Augenmass dafür anwenden, dass man als einzelner Mensch eben nur eine relative Einflussmöglichkeit hat. Die Fotografie, der Blick durch eine Kamera ist ein gutes Mittel, um den Blick zu fokussieren und zu justieren auf das, was wichtig ist.

F: So wie beim Spiel mit den Glasmurmeln ?

Liz: Ein gutes Beispiel: Eine kann andere anstossen und in Bewegung setzen. Aber wenn da mehrere liegen, wird eine Kugel allein nur einen Teil davon erreichen, anstossen und in Bewegung bringen können. Und je mehr dort liegen, um so eher verteilt und verliert sich ihre Kraft beim Anschubbsen bezogen auf die jeweils einzelnen. Also gilt es die Kräfte zu fokussieren auf diejenigen Glasmurmeln, die am ehesten Erfolg versprechen für das Ziel, das man erreichen will.






F: Kommt daher dieser Begriff der §§Schubbserin ?

Liz: So ähnlich. Ausserdem sind Glasmurmeln schlicht schön anzusehen und anzufühlen. Und manchmal muss man erst durch eine Kamera sehen, um etwas sehr Kleines, scheinbar Unbedeutendes, Übersehbares zu entdecken oder wieder zu entdecken.


F: Wie bei dem Motiv "Fra Millioni Delli Granellini Di Sabbia" ?


Liz: Ja...stimmt,.... die meisten denken bei dem Bild, es sei mit Bildbearbeitung das Herz und das Lichtfunkeln entstanden. Aber es war einfach die Verbindung eines Lichtfunkens mit den winzigen Sandkörnern, die tatsächlich beim Blick durch die Kamera und während ich die Glasmurmel im Sand aus verschiedenen Perspektiven ansah, die zu dem Resultat führten, das auf dem Bild zu sehen ist. Ist das nicht bezaubernd und faszinierend, was man entdecken kann, wenn man sich die Dinge genauer ansieht ??


Und .....Man darf eben auch gerade bei einem so ernsten Thema wie Recht - für den Einzelnen ist es immer sehr ernst und man muss es auch ernst nehmen - nie eine gewisse Distanz beim Blick auf die Dinge, die Gelassenheit, auch Humor verlieren. Wie beim Spiel mit den Glasmurmeln geht es um ein Spiel der Kräfte, der Macht, letztendlich. Das Recht ist der Versuch des Ausgleichs von Macht, mit der in einer früheren Zeit willkürlicher und in einem demokratischen Rechtssystem in rechtsstaatlichen Formen von Gesetzgebung und Rechtsprechung Interessen durchgesetzt und gegeneinander abgewogen und ausbalanciert werden wollen und sollen. Aber es bleibt ein "Spiel" mit der Macht. Wer zum Beispiel die besseren Beweismittel in der Hand hat, hat die besseren Karten. Im übertragenen Sinn.


F: Kommen daher auch Deine Ideen, juristische Begriffe oder Themen mit Glasmurmeln oder mit Schachfiguren darzustellen ?

Liz: Beides ja. Wechselseitig: Manche Themen und Fragestellungen wollte ich für Vorträge gern durch Fotos und Metaphern oder Symbole zeigen, optisch, bildsprachlich. Fotografie, Sprache der Bilder entfaltete sich überraschend wie eine weitere Fremdsprache für mich, die mich (und nicht umgekehrt) entdeckte. Andere ergaben sich als Idee, während ich mit dem Blick durch die Kamera zB ein Schachspiel aufnahm.

F: Fotografie als Inspiration für das Recht ?

Liz: Law Art. Ja. Ist es nicht oft genug eine regelrechte Kunst, dem juristischen Laien das Recht (noch) verständlich zu machen ? ;-))) Warum das dann nicht auch ernst nehmen und genau DAS auch machen: durch Fotokunst Recht zeigen, wahrnehmbar machen. Ohne dass ich für mich den Begriff "Kunst" beanspruchen oder verwenden möchte. Ich spiele einfach mit Bildern. Und versuche, ihre Sprache, ihren Ausdruck, die Ausdrucksfähigkeit zu erlernen, um damit wie mit §§ bestmöglich umgehen zu können und zu vermitteln, was sie beinhalten.




F: Das klingt nach Spielen, spielerischem Lernen.....wie §§-Schubbserin, wie das Schubbsen von Glasmurmeln, wie Kinder das tun........ §§-Schubbserin ist somit auch ein Begriff, ein Mittel der Selbstironie also ?

Liz : Mit der Fotografie, mit dem Werkzeug arbeiten, wie ein Kind ? Warum nicht. Von Kindern kann man viel lernen. Wenn sie einen Turm bauen, der erst immer wieder zusammenfällt, fangen sie so lange von neuem damit an, bis sie ihn aufgebaut haben und er stehen bleibt. Sie beherrschen und akzeptieren die Kunst des Scheiterns auf dem Weg zu ihrem Ziel als Element, das dazu gehört, um dazu zu lernen. Wenn wir älter werden, wird Scheitern bei den einzelnen Schritten auf dem Weg zum Tabu.... als Versagen abgewertet. Das verbaut aber den Mut, sich neu und weiter zu entwickeln und sich und anderen auch den Raum und die Zeit dazu zu geben, zu nehmen. Jede Menge Chancen, jede Menge Ressourcen. Sicher, es gibt gerade in der Medizin und im Recht etwa Gründe für die Intoleranz gegenüber Fehlern. Daher ist Qualität dort vor allem mit dem Anspruch an Fehlerprävention vor Fehlermanagement verbunden. Aber machen wir uns nichts vor: ÜBERALL wo Menschen handeln, geschehen Fehler dennoch. Ohne sie ist auch Fortschritt gar nicht denkbar. In gewissem Sinne ist der Begriff der §§Schubbserin auch eine persönliche Form der Selbstironie, sich selbst nicht zu ernst, zu wichtig zu nehmen, sondern als Instrument einer durchaus ernsten und wichtigen Arbeit, die man nicht ernst genug nehmen kann, ist auch ein Weg, um sich nicht zu verzetteln, nicht die Distanz zu verlieren. Das Augenmass. Für Machbares, Produktives, Mögliches.



F: Womit wir wieder beim Augenmass, bei der Fotografie wären. Wie kamst Du zur Fotografie und vor allem als beruflicher Tätigkeit ?

Liz: Selten kommt man dazu wohl auf einem einzigen, von vornherein absehbaren Weg. Ich auch nicht. Fotografiert habe ich eigentlich immer schon, aber das würde ich heute eher als Knipsen bezeichnen. Erst im Sommer 2004 - bei der Vorbereitung eines Vortrages zu einem gesundheitsrechtlichen Thema für die Evangelische Akademie im Schloss Tutzing - kam ich eher zufällig darauf, die ppt.-Präsentation einmal mit Fotografien zu gestalten, die das sehr ernste Thema eventuell besser für die Zuhörer und Teilnehmer zugänglich machen würden, als der eher ernste, rechtliche und mit ethischen Fragen gefüllte Vortrag allein. Bei der Suche nach geeigneten Fotovorlagen fand ich völlig überraschend nichts Geeignetes und habe - zugegeben: aus Ungeduld und Unzufriedenheit - kurzerhand zu meiner Kamera gegriffen und selbst die Motive erstellt. Das kostete zwar einiges an Zeit, aber es war ein erholsamer Ausgleich und die Resonanz auf die Bilder im Vortrag war völlig unerwartet so positiv, dass ich das bei Vorträgen fortsetzte.

F: Und wie kommt nun eine Medizinjuristin ausgerechnet zur Foodfotografie, die ja ganz offensichtlich den Hauptteil Deiner Bilder in diversen Agenturen bildet ?

Liz: Nun, meine Liebe zur Küche verdanke ich - ebenso wie meinen Fotografennamen übrigens und wie meine Liebe zu einer Reihe von Dingen angefangen von der Natur, der Zucht von Amaryllis und Kakteen, vermutlich auch das Talent zum Zeichnen, sowie ganz grundsätzliche Dinge persönlicher Einstellungen und Charaktereigenschaften - ganz besonders meinem Grossvater mütterlicherseits.


Er stammte - wie die ganze übrige seiner Familie aus Kaiserslautern und der Gegend dort und vermutlich geht der französischstämmige Name in der Familie auf Einflüsse in der Geschichte der spanischen Erbfolgekriege zurück oder Wurzeln der Familie aus dem nahe gelegenen Elsaß und Frankreich.



F: Deine Beiträge in diversen Fotografieforen fallen auch auf, weil Du problemlos in Sprachen wechselst. Kommt das auch von Deinen Vorfahren ?

Liz: Soweit ich weiss, sprachen meine Vorfahren nicht mehrere Sprachen, aber die Familie meines Grossvaters wohl französisch. Es würde vielleicht meine angeborene Fähigkeit zu Fremdsprachen erklären. Nicht nur, weil trotz deutscher Schreibweise ihrer Vornamen die Mitglieder der Familie mit französischen Namen ganz selbstverständlich gerufen wurden....so war Johann eben Jean und nicht Hans. Nur aus meinem Grossvater Friedrich wurde eben der "Fritz" :-)))) Und es würde vielleicht auch erklären, warum ich Sprachen und Fremdsprachen und auch den spielerischen Umgang, das Wortspiel liebe. Vielleicht kommt das durch, wenn Familien solche fremdsprachigen Wurzeln haben oder wenn man dadurch offener für andere Länder, Sprachen und schlicht: Menschen ist. Das hat etwas mit offenen Augen und Ohren, Sinnen eben zu tun. Der Neugier und Aufgeschlossenheit auch Neuem gegenüber.

F: Auch völlig anderen Tätigkeiten als dem erlernten Beruf und der Fotografie ?

Liz: In meinem Fall, ganz sicher. In jedem Fall begegnet mir dort wie in der Geschichte und mundartlichen Sprache in München ebenfalls der Einfluss der französischen Sprache und auch der kulinarischen Rezepte.
Mein Grossvater hatte als einer von 4 Söhnen von seiner Mutter - ungewöhnlich für die Generation - als einziger der Söhne das Kochen gelernt. Lernen müssen, so recht war ihm das wohl anfangs nicht. Nach dem Krieg kam ihm das zugute, denn seine Frau lag - kaum, dass er aus der Gefangenschaft endlich heimkam - wegen schwerer Krebserkrankung lang im Krankenhaus. Mit den beiden damals 7 und 8 Jahre alten Töchtern bewältigte er nicht nur den Haushalt, sondern auch das Kochen und Backen. Und behielt es bei, auch als meine Grossmutter dann durch die damaligen Bestrahlungen, die auf die Knochen und die Gesundheit gingen, noch eine Zeitlang den Haushalt nicht ganz bewältigen konnte, nachdem sie aus der Klinik heimkehrte. Als er selbst in seinem Beruf (er hatte als gelernter Dreher vor dem Krieg bei der Knorr Bremse in München gearbeitet) in dem kleinen Ort im Allgäu, wo sie nach dem Krieg weiter lebten, keine Arbeit fand, hatte er eine Zeitlang auch einen Obsthandel, bei dem er mit einem Kleintransporter über Land fuhr.

F: Also hat er - im Grunde wie Du - unterschiedliche Talente, Berufe, berufliche Arbeiten gezeigt?

Liz (lacht): Wenn ich das so überlege - ja, stimmt. Denn was ihm an dieser Arbeit auch gefiel (und mir ja bei vielen meiner beruflichen Tätigkeiten auch) war, dass er dabei nach und nach genau wusste, wo er die leckersten Dinge bekam: wo es den besten Käse gab, die leckersten Landjäger, Hartwurst und Geräuchertes, auf welchem Hof noch selbst und wann in der Woche frisch Landbrot gebacken wurde, wo es die besten Kartoffeln gab und vieles mehr. Und aus dieser Zeit resultierte, was er mir schon beibrachte, seit ich zurückdenken kann und mit ihm schon als Kleinkind in seinem R4 über die Dörfer unterwegs war, lange nachdem er den Obsthandel hatte aufgeben müssen: "Wenn Du wissen willst, ob Du in einem Restaurant wirklich gut essen kannst, dann schau Dir vorher dort die Toiletten und die Küche an. Und zwar genau in der Reihenfolge. Wenn Du dann noch Lust hast, dort zu essen, tu's."

F: Machst Du das auch so ?

Liz: Probier' das mal aus. Dann weisst Du selbst, wie gut der Tip ist. Der Ratschlag könnte als eine der einfachsten Prüfmethoden der Qualitätsprüfung und Qualitätssicherung in manchem Lehrbuch für Qualitätsmanagement stehen. Die werden aber eben meist nicht auf so klare einfache Nenner gebracht. Zumindest nicht in denjenigen, die ich in meiner beruflichen Tätigkeit bisher zu lesen bekam oder (zB in klinikinternen Berichten Verwendung finden,.... aber das ist ein anderes Thema.)
Für mich hat diese Grundregel meines Grossvaters sich stets bewährt.

F: Hast Du eine Ausbildung in Kochen und Foodfotografie gemacht ?


Liz: Weder, noch. Das Kochen hab ich lange Zeit nur vom Zusehen lernen können. Bei uns daheim, aber auch bei ihm. Da hiess es : "Schau hin, dann lernst am meisten." Und: "Such Dir selbst eine Arbeit, wie Du dabei helfen kannst". Letzteres bezog sich vor allem bei uns daheim in der Regel auf : Kartoffelschälen, Gemüse putzen, säubern, hobeln, schneiden, Käse reiben, Zutaten aus den Vorratsschränken holen, Salat putzen und waschen, Zwiebelschälen und nach Bedarf in Ringerl, Würfel, feinste Würfel etc schneiden, Backzutaten abmessen und in Schalen parat stellen (was man heute "mise en place" nennt) Geschirr waschen, etc. Zu- und Putzarbeiten, halt. Ich war quasi der "Stift" in der Küche. Und während ich die Augen und Ohren aufhielt, hab ich ganz nebenbei gelernt, wie man mit den Zutaten umgeht.

Genau so hielt ich es auch sonst bei allen Arbeiten und später auch in 6 Jahren Arbeit in Bäckereien, mit der ich mit knapp 17 begann, nachdem ich erst diverse andere Jobs wie Nachhilfe, Zeitungaustragen, Putzen etc hatte. Mit der Arbeit in der Bäckerei wurde es dann erheblich leichter, mit der ich mir dann buchstäblich mein täglich Brot für mein Studium finanzierte, wobei das letzte Jahr bereits aus reiner Spass an der Freud war, weil ich zu der Zeit zwischen erstem und zweitem Staatsexamen bereits als Referendarin gutes und ausreichendes Geld verdiente.

F: Sowas hast Du freiwillig gemacht, in der Freizeit ?

Liz: Warum nicht ? Zum einen konnte ich ja selbst entscheiden, wieviel Freizeit ich noch für anderes nutzte, wie Sport. Es war eine der besten Erfahrungen, wie man betriebliche Abläufe in der Praxis in allen Bereichen kennenlernen kann. Ich wurde dafür - im Gegensatz zu Praktikanten heute - gut bezahlt. Und es machte mir aber einfach Spass, an den Wochenenden im Laden und in der Konditorei zu arbeiten, bei denen ich direkt erlebte, wie alles hergestellt wurde und - wahrscheinlich weil ich es gut machte - mir die Narrenfreiheit liess, auch kurzerhand selbst vom Laden quer durch die Backöfenhalle bis in die Feinkonditorei zu traben, wenn im Laden eine der Torten ausgegangen war und mir diese nicht nur selbst von dort zu holen, sondern sie auch noch selbst fertigzustellen, wenn sie noch ohne Aussenglasur, Deko, Rosetten etc. in der Rohversion darauf wartete, dass einer der Konditoren Zeit hatte, für den Nachschub zu sorgen. Diese 6 Jahre möchte ich nicht missen und wann immer ich Gelegenheit habe, Ähnliches zu machen, habe ich zugegriffen, wie zB während meiner Reise in die Toskana bei einer Einladung, von Nannini eine persönliche Führung von ihm durch seinen Betrieb zu erhalten - mit der netten Erfahrung, wie Fachjargon und Rezepterläuterungen englisch-italienisch-gemixt und dennoch völlig klar sein können, wenn beide Gesprächspartner die Liebe zum Thema und Produkt verbindet.

F: Das klingt nach Passion für einen ganz anderen Beruf, als Deinen juristischen ?

Liz (augenzwinkernd): Warum nicht? Man kann Passionen für mehrere Bereiche haben und leben, nicht wahr ? Juristen sind nicht immer so trocken, wie man es ihnen nachsagt und man findet unter ihnen nicht nur Fachidioten ;-)))
Wenn ich es rückblickend betrachte, war da also schon meine Nase und meine Lust an Produkten für Küche, Backofen und Kochtöpfe gesät, die zwangsläufig in eigenem Experimentieren fortgesetzt wurde.

F: Einfach so ?

Liz: Naja, Wie so oft, werden Ideen aus der Not geboren, und damit auch die Kreativität. Übrigens eine gute Schule für den Juristen, der auch nie den exakt passenden Fall auf den Tisch bekommt, sondern auch sehen muss, wie er für diesen eine Lösung aus dem Gesetz und der Rechtsprechung ableiten kann, die dort keineswegs immer vorhanden ist, ...es schult den Blick für Potentiale, anstatt ihn auf die Problem zu fokussieren.

F: Not ?

Liz: Nun, Dass ich in der Studentenclique von 14 Leuten, die sich in Regensburg bunt zusammengewürfelten hatten, die war, die sich als einzige ihr Studium selbst verdienen musste und daher eigentlich permanent knapp kalkulieren musste, ist ein solches Beispiel. Denn für 14 Geburtstage jedes Jahr ein Geschenk zu kaufen, war da für mich schlicht finanziell nicht einfach. So erfand ich für jeden dieser Studienfreunde zu ihrem Geburtstag eine eigene Torte - keines nach Rezeptbuch, sondern völlig neu und danach, welchen Geschmack jeder von ihnen hatte.


F: Und das hast Du in der Bäckerei dann backen lassen ?

Liz (lachend): Das wäre natürlich klasse gewesen, aber ich fürchte, mir kleiner Bäckereiaushilfe standen solche Möglichkeiten zu recht nicht offen. Nein, nein, dazu hatte ich in meinem ersten Studentenzimmer in Untermiete in dem alten Jugendstilhaus auf der Insel am Oberen Wöhrd zwar einen hübschen Blick auf den Dom, die Altstadt und die Donau, aber nur eine kleine Kochplatte und eine sog. Backhaube zur Verfügung- Die haben mir meine 4 Kolleginnen aus der Bäckerei, in der ich arbeitete gemeinsam zu meinem Geburtstag 14 Tage vor meinem Studienbeginn für meine Studentenbude geschenkt.

F: Was ist denn eine Backhaube ?

Liz: In Zeiten von Mikrowelle & Co klingt es vorsintflutlich, aber das waren schlicht zwei schüsselartige Aluminiumformen, von denen eine auf 3 Füsschen stand und am inneren Schüsselrand eine Heizschleife hatte, die andere wurde kopfüber darauf gesetzt und durch eine Glasscheibe oben konnte man sehen, wie weit der Kuchen war. Sie waren so hoch, dass eine Springform und eine niedrige Guglhupfform oder auch eine Tarteform hineinpassten. Beheizt wurde das Ganze mit Stecker an der Steckdose, Temperaturregler gab es keinen und einen Biskuit darin zu backen, war zu meinem eigenen Erstaunen mit einigen Tricks von mir dennoch möglich. Die 14 Torten sind die ersten Rezepte gewesen, die ich völlig frei erfunden hatte - und zu meiner Überraschung machten sie den Beschenkten (fast) mehr Freude, als die weit teureren Geschenke, die sie von anderen erhielten. Vermutlich, weil sie einfach nicht nur gut schmeckten, sondern eine Idee waren, die nur derjenige allein und für sich bekommen hat. Das zumindest war meine Lösung für die Geburtstage im ersten Studienjahr. Für das zweite musste ich dann wieder neue Ideen haben. ;-)

F: Woher hattest Du die Anregungen und Ideen ? Kochkurse ?

Liz: Nein, bei uns daheim wäre kein Mensch auf die Idee gekommen, für einen Kochkurs Geld auszugeben. Da galt, dass man den Haushalt eben von Kindesbeinen an lernt und eben auch Kochen und Backen. Eben so, wie man das später mal im Haushalt braucht. Nein, später und mehr und mehr kam zu diesem Spass an eigenen Ideen, die ich einfach hatte auch anderes hinzu.Egal ob durch die Sendungen im TV, durch die diversen Zeitschriften und Kochbücher und später z.B. meine jahrelange juristische Arbeit als Anwältin für Kochbuchverlage, die unmittelbare Nähe meiner ersten Kanzlei zum Elisabethmarkt in München, wo ich mittags so gern schnuppern ging und mir Appetit holen für das, was ich abends für meine Lieben kochen wollte.

F: Du veröffentlichst Deine Rezepte inzwischen auch in Medien wie "essen & trinken", aber auch bei den "Küchengöttern" von Gräfe & Unzer ?

Liz: Neuerdings auch da, stimmt. Das macht viel Spass. Aber da ich selbst quasi "free hand" koche und backe, muss ich die Rezepte dann immer noch ein zweites Mal zubereiten und DANN erst genau aufpassen und abmessen und aufschreiben, wieviel ich verwende von den jeweiligen Zutaten. Wie schon mein Grossvater sagte: "Eine gute Köchin hat das im Gefühl." Aber wie schon bei Loriot weiss man, dass Gefühle beim Kochen - nicht nur von Eiern - dem Leser eines Rezepts nicht weiterhelfen ;-))))

F: Wie kamst Du dazu, Rezepte für solche Medien zu schreiben?

Liz: Witzigerweise kamen erst die Bilder, dann die Idee mit der Veröffentlichung von Rezepten. Zum einen wurde ich in diversen Fotocommunities immer wieder nach den Rezepten zu meinen Bildern gefragt und so entstand der Blog, um nicht immer und immer wieder die Rezepte schicken oder unter den Fotos veröffentlichen zu müssen. Zum anderen werden seit einigen Jahren meine Fotoarbeiten von diversen Verlagen, Webdesignern, Marketingfirmen etc. als Lizenzen erworben. Als ich dann beispielsweise in Werbebeilagen wie etwa von Kaufhof oder der EDEKA- Kundenzeitschrift "Mit Liebe" meine Foodbilder entdeckte und in Kochzeitschriften, in denen meine Bilder verwendet und von Redaktionsmitarbeitern die Rezepte zu den Bildern dazu erfunden wurden, die mehr oder weniger nahe auf das Bild zutrafen, war mir auf einmal klar, dass ich als Bildurheberin sicher mindestens so gut wusste, welches Rezept unter dem Bild veröffentlich stehen sollte ;-)))


F: Hättest Du also lieber einen Beruf, der mit kulinarischen Dingen zu tun hat ?

Liz: Verlockend könnte das durchaus sein, wenn man sich das nur so vorstellt. Aber welcher Beruf wäre das ? Koch ? Bäcker ? Konditor ? Fooddesigner ? Das und viele andere Berufe erfordern eine Ausbildung, die aus weit mehr besteht, als dem Spass und dem hobbyähnlichem Ausleben von eigener Kreativität. Ich habe grossen Respekt davor, was diejenigen leisten, die das tagtäglich auch ausüben. Aber ich liebe meinen eigenen Beruf und das, was mir durch die Fotografie eben zusätzlich auch möglich ist: Hineinschnuppern in die Küchen, Backstuben, andere wie eigene. Und daraus in der Fotografie das machen zu können, was ich auch in dem Bereich kann. Und wiederum für juristische Tätigkeit nutzen, wie zB in den Schulungen für Foto- und Urheberrecht. Denn Urheber- und Verlagsrecht habe ich ja von Beginn meiner juristischen Arbeit auch als Anwältin praktiziert. Dass dann durch die Fotografie sich indirekt ein Kreis wieder schliesst zu diesem Tätigkeitsfeld, finde ich spannend. Oder dass eine meiner Fotoarbeiten unerwartet zur Coverillustration eines Krimis wird, wie Die Langeoog-Lektion.

Auch die vielen schönen kulinarischen Erfahrungen trugen und tragen dazu bei, anlässlich meiner Vortragsreisen zu gesundheitsrechtlichen, medizinischen und pharmazeutischen Themen, bei denen ich nur eines bedaure: dass ich bei diesen so lange keine Kamera hatte, weil damit so viele Gelegenheiten für Bilder nicht genutzt wurden, obwohl ich die dabei wenigen freien Stunden immer auch für einen Weg über Märkte, durch die jeweiligen Städte und auch die regionalen Küchen nutzen durfte. Diese Erfahrungen leben und klingen geschmackssinnlich aber sehr präsent nach und haben den Blick mit und ohne Kamera für die schönste tägliche Sache der Welt noch weiter geöffnet. Bei den aktuellen Reisen ist zum Glück die Kamera und das unvermeidliche Notizbuch für Rezepte und Adressen immer im Rucksack.

F: Nutzt Du die dann auch beruflich oder eben für Bilder und deren Vermarktung ?

Liz: Ja, denn die Fotografie, die mich fand, als ich vor ein paar Jahren zunächst für die ppt.Präsentationen begann, eigene Fotoarbeiten als Hintergrund zu verwenden und zur Kamera griff, weil ich trotz intensiver Suche keine geeigneten Fotos anderer fand und die dann so überraschend gut ankamen, dass ich dabei blieb, selbst meine Vorträge so zu illustrieren, hat mich dann sehr bald gefangen genommen: Als ich nach und nach von mehreren Bildagenturen angesprochen wurde, die meine Bilder verwenden wollten - vorzugsweise meine Food-Bilder.

F: Foodbilder, weil Du da bereits aus den früheren Tätigkeiten gezielt diese machen wolltest ?

Liz: Nein, aber Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt. Ich habe keine grossartige Kameraausrüstung. Ich muss mir also überlegen, was ich optimal so fotografieren kann, dass meine Bilder auch Kunden finden, die vom Motiv und von der Präsentation überzeugt sind. Und von der Originalität und Qualität. Es gibt zig Bilder vom Sonycenter in Berlin. Ich fahre weder eigens da hin, um das hunderttausendste davon anzubieten, noch sehe ich einen Sinn darin, enorm viel Zeit darauf zu verwenden, ein Motiv so darzustellen, dass es sich unter 100000 anderen so heraushebt und in der Hoffnung, dass ausgerechnet meines dann gefunden wird. Zumal das Sonycenter als Foto rechtlich nicht ohne weiteres kommerziell genutzt werden kann. Meine eigenen Foodrezeote und Foodcreationen dagegen werfen solche Probleme schlicht nicht auf.

F: Daher die Entscheidung, Food zu fotografieren ?

Liz: Nein,..... das kam eher zufällig. Wie gesagt: der Markt bestimmt Angebot und Nachfrage und essen muss ich eh täglich ;-))) Was liegt also näher, als eben auch das zu nutzen, was ich vom Markt nach Hause trage und vor der Kamera versuche, so zu zeigen, wie ich es selbst mag und geniesse und wie es auch anschliessend frisch verspeist wird. Es gibt keine Tricks, what You see is what it is.
Zudem: Essen wird bei mir nicht für die Kamera gekocht. Die Kamera ist sekundär. Sie hat parat zu stehen, damit das Essen sofort und auch so zügig abgelichtet wird, dass es dann noch heiss auf den Tisch kommt.

F. Die Kamera steht am Tisch bereit ? Oder hast Du ein Fotostudio ?

Liz: ;-))) Nein, weder noch. Aber ich habe mir einen festen Platz geschaffen, an dem jederzeit ein Teller unter die Fotolampe gestellt werden kann und vor dem das Stativ mit der Kamera steht, mit aufgeladenem Akku. Oft arbeite ich dabei free hand, weil es schneller geht, grössere Beweglichkeit um das Motiv herum und näher dazu ermöglicht. Aber vielfach eben mit dem Stativ und das steht eben parat. Ausserdem weiss ich ja vor Beginn des Kochens oder Backens, ob ich das auch ablichten will, also kann man vorher alles herrichten, dann die Foods shooten und dann sofort nebenan servieren. Das ist eine Sache von wenigen Minuten, wenn man sich daran gewöhnt hat.

F: Du hast noch nie nur für die Kamera Food zubereitet?

Liz: Nein, noch nie ! - Alles was auf meinen Foodfotos zu sehen ist,
stammt von der Rezeptidee über die Zubereitung aus meiner Feder und von meinem Kochlöffel oder aus meiner Backschüssel. Nichts davon wird durch Misch- und Glanz-Tricks, wie sie vielfach in der Foodfotografie Usus (und herstellungstechnisch im Kochbuchverlag vielleicht auch nötig) sind, optimiert - denn alles wird anschliessend auch verzehrt.
Ich stehe nun mal nicht auf Tomatenketchup in Erdbeermarmelade, damit sie farblich im Foto noch intensiver rauskommt. Und ich mag keine Verschwendung und lockeren Umgang
mit lukullischen oder ökonomischen Ressourcen.
Wo sinnvoll, gibt es dafür schliesslich die Möglichkeiten der Bildbearbeitung, die man - ebenfalls sparsam & so zurückhaltend wie irgend möglich einsetzen kann.

F: Ist das eine ethische, eine Prinzipiensache für Dich ?

Liz: So hoch will ich das gar nicht aufhängen, ich sehe das nicht so dogmatisch. Es ist viel schlichter, so etwa wie die Grundsätze meines Grossvaters, die mir im Hinterkopf klingen:
"Hunger ist der beste Koch" und "Mit teuren Lebensmitteln kann der Dümmste das Essen verderben, aber aus Wenigem und preiswerten Zutaten Leckeres zu zaubern, heisst wirklich gut kochen können."

F: Sind das auch Deine Grundsätze ?

Liz: In gewisser Weise, ja. Meine Devise ist vielleicht zudem diese: "Man spielt nicht mit dem Essen - ohne es auch anschliessend noch zu geniessen."

F: Du bevorzugst besonders die Makrofotografie, warum ?

Liz:
Makrofotografie liebe ich dabei nicht nur wegen der fotografischen Potentiale für die "Models", sondern weil es erlaubt, schon mit geringen Mengen und damit haushaltsfreundlich und ökonomisch eine interessante Bandbreite der Produkte optisch zu präsentieren.
Sie gibt mir damit auch die Möglichkeit, Fotografie auch nach Grundsätzen meiner persönlichen
Lebensphilosophie zu "leben" , die nicht nur in der Fotografie sondern auch sonst beruflich und
privat gelten, wie zB der Blick auf das Wesentliche und die Präzision in Details.
Aber auch die Wertschätzung für scheinbare Selbstverständlichkeiten:
Darunter auch einen Reichtum, den - ungeachtet der Tatsache, dass zwischenzeitlich mehr Übergewichtige als Unterernährte weltweit vorhanden sein sollen - auf der Welt noch immer prozentual zu Wenige geniessen können:
To enJOY food - available each day again.

F: Also doch eine sozialkritische Komponente in Deiner Fotografie ?

Liz: Hm...... Für mich ergänzt Makrofotografie eher auch ökonomisch augenzwinkernd den alten Schnack "Sparen lernst Du von den Reichen, Kochen von den Armen" und
die Grundsätze, die schon mein Grossvater lebte.

Und mit der Lust vor der Kamera wuchs die Lust und Kreativität hinter der Kamera in der Cucina wieder um eine "kleine Dimension" weiter. Und ich gebe zu - es macht einfach Spass, dass sich mein Essen sein Essen inzwischen selbst verdient.

F: Du bist auch in mehreren Foodblogs aktiv, eigenen und kommentierend. Sind Foodblogs die neuen Foren nach den TV-Köchen ?

Liz: Ich glaube nicht, dass sie diese ablösen. Sie sind bei vielen eher eine Mischung aus eigener Kreativität und Lust am Produzieren, Texten wie Rezepten einerseits - und ich finde es absolut bewundernswert, wieviele "Laien" da sensationell schöne Fotos von ihren eigenen ebenso raffinierten Rezepten zeigen. Genuss für die Sinne pur. Und aus dem, wozu vielleicht TV-Köche inspirieren, die neue Lust am Kochen, das heute eben einen Genuss- und Spassfaktor vermittelt.
Und was mich selbst angeht, ist Bloggen eine tolle Möglichkeit für Kreativität und Austausch mit anderen, wobei mir meine Sprachen zugute kommen, wenn ich in Blogs aller möglichen Nationalitäten schnuppern gehe. Immer ein bisschen wie kleine Ausflüge oder kleine Reisen im Alltag. Foodblogs sind neben der ganzen Bandbreite der Kochbuchliteratur, quasi der "erlebten Gastronomie" und den Märkten eine Quelle der Inspirationen, die ich - dank kongressgeschulten drei Fremdsprachen - geniesse. Und von denen ich wie auch von den vielen Köchen, denen ich über die Schulter blinzeln kann, bis heute sehr gern vom Zuschauen lerne und von denen ich mir zu eigenen Ideen und Arrangements Appetit machen und mir gern unerschöpflich Neues beibringen lasse. Denn auch das ist das Inspirierende daran: Man bekommt immer neu Lust, wieder was Neues zu lernen und auszuprobieren.

F: Auch in anderen Bereichen ?

Liz: Klar, das sind ja nicht die einzigen Hobbies....Andere Passionen habe ich durchaus auch ......
Sailing, Photography, Literature, Classic Music, Old Irish Music, Smooth Jazz, Swingin' Jazz, Travel, Food Art, Marbles & Chess Art

F: Bleibt dafür denn noch Zeit ?

Liz: Sicher, .....manche sind ja verquickt mit Fotografie und Dinge, die man mit Passion und mit Genuss tut, "kosten" nie Zeit. Denn bei ihnen lernt man am liebsten immer noch mehr dazu. es öffnet die Perspektive eben immer noch ein Stück weiter und wieder neu. Gerade in und mit der Fotografie. Und interessanterweise auch dafür, selbst im juristischen Beruf, Dinge immer mal wieder von einem anderen Stand-Punkt, einer inneren Kamera(ein)stellung, einem anderen Blick-Standort sozusagen aus anzusehen und anzugehen. Auch das führt manchmal zu Veränderungen.

F: Auch juristischen ?

Liz: Juristischen. Und persönlichen. Beide empfinde ich als bereichernd, gut für mich. ;-)

F: Dann viel Erfolg und weiterhin viel Spass dabei und danke für das Gespräch.

Liz: Ich bedanke mich herzlich für die Einladung und das nette Gespräch.


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