Mittwoch, September 12, 2007

Was macht denn der Lavendel in der Küche !??














"Was macht der Lavendel in der Küche ?............"
















Man nehme diese Frage, hebe sie zwei Tonlagen höher im Timbre an und füge eine Prise "indigniert" und "Aversions-Ton-ung" hinzu und die Frage könnte ebensogut der entsetzte Ausruf eines weiblichen Mitgliedes unter meinen Vorfahren sein, die im selben Tonfall reagierte, als sie entdeckte, dass ich [ - die ich sogar noch bis Mitte 20 - nur "meine Speick", Wasser und Nivea an mein Gesicht liess ] des feinen Lavendelduftes wegen auch eine kleine Reise-Seife von Speick im Kleiderschrank hatte. Gerade auch weil sie diesen steten Lavendelduft im Schrank und auch zT im Zimmer hinterliess. Prima Mittel gegen Motten, wenn man - wie ich - kompliziert gestrickte Irland- und Norwegermuster in seinen selbstgestrickten Pullis liebt und auf kleine Bissmuster der Wollschädlinge dann besonders gern verzichtet.
In einem Leinensäckchen wirkt Lavendel dabei ausgezeichnet gegen solche Untermieter. Zudem galten die Blüten von Lavendel auch als Symbol für die Treue.
Die volkstümlichen Namen des Lavendels lauten: Nervenkräutel, Narden, Lavander, Speick, Schwindelkraut, Spikatblüten, Spiklavendel, Tabaksblüten.

Vermischt man Lavendelöl mit süssem Mandelöl (beide aus der Apotheke) im Verhältnis 1:10, so erhält man ein angenehmes Körperöl für schöne weiche Haut.
Die meisten Menschen übersehen, dass getrocknete Lavendelblüten auch in Kräutern der Provence enthalten sind. Lavendel wird von vielen nur mit Seife und deren Duft assoziiert. Manche reagieren auf Lavendelduft auch mit Aversion. In Stoffsäckchen haben die Blüten im Kleiderschrank eine gute Wirkung gegen Motten und Lavendelöl als Badezusatz hat eine ausgesprochen angenehme entspannende Wirkung. Lavendelseife hat für manche einen „Touch“ von Parfüm oder Seife für ältere Damen, der als altmodisch wahrgenommen und abschätzig kommentiert wird. Amüsanterweise nicht selten von denselben Menschen, die Kräuter der Provence sehr schätzen. Solange man ihnen nicht sagt, dass auch Lavendelblüten darin enthalten sind ....Mit anderen Worten: Lavendel ist ambivalent in der Wahrnehmung. Vielleicht auch, weil der Duft recht ausgeprägt und individuell ist. Das erfordert in erster Linie eine sehr zurückhaltende Dosierung auch in der Küche. Nuancen machen da ja manchmal schon einen sehr deutlichen Unterschied, wie ich z.B. aus meinen unterschiedlichen Curry-Mischungen weiss, die ich grundsätzlich immer selbst zusammenstelle und frisch mahle.

In dem Buch „Dolci“ aus dem Zabert Sandmann Verlag habe ich mir schon mehrfach Inspirationen geholt. Bereits getestet habe ich darin die
Rezepte der Zitronentürmchen mit Buttermilch und Birne, die Panna Cotta mit Himbeersauce, die Mandelcreme mit roten Beeren, die Zabaione mit Amaretti und das Himbeer-Joghurt-Eis.
Aber auch die Inspiration für meine eigene Panna Cotta di Espresso rührt daher.
Nachdem ich zwischenzeitlich dann auch noch die Crema Catalana ausprobiert habe [ - jedoch sehr enttäuscht über das Ergebnis war: die Crema wurde nur schaumig und nicht fest, ohne dass irgendein Fehler in der Befolgung der Anleitung unterlaufen war - ]wollte ich mich von dieser Erfahrung nicht von den übrigen Rezepten des Buches abhalten lassen, von denen noch einige fotografisch und von den Rezeptbeschreibungen verlockend erscheinen.

So liebäugelte ich schon länger mit dem "Lavendelschaum mit Himbeeren", doch der dazu nötige fruchtige Roséwein erschien mir nicht verlockend, da mein Filius für derlei Zutaten ungeachtet aller Vorliebe für meine Dolci nicht so recht zu gewinnen ist.
Laut Rezept sollen 2 TL getrocknete Lavendelblüten mit 200 ml fruchtigem Rotwein und 100 g Zucker aufgekocht werden, die Mischung abkühlen und durch ein Sieb in eine Schüssel gegossen werden. 2 TL Speisestärke werden dann mit 4 EL Rote Beete Saft angerührt und mit 6 Eigelben unter den Roséwein gemischt und im heissen Wasserbad mit dem Handrührgerät ca 10 Minuten zu einem festen Schaum geschlagen, der dann zugedeckt 1 h kühl gestellt werden muss. Anschliessend werden 200 g Creme double unter den Lavendelschaum gehoben und dieser auf 4 Gläser verteilt, auf den 100 g Himbeeren verteilt, mit Limettensaft beträufelt werden und mit Lavendelblüten garniert und mit Puderzucker bestäubt.

Wenngleich mir dieses Rezept wegen des Rosé, der reichlichen Menge Creme double und - zugegeben auch ein wenig wegen der Roten Beete (die ich als Salat liebe, aber auf dem Dessert nur wegen der optischen Farbe - ??? - nicht verwenden mag) - SO nicht überzeugend finden mochte, liess mich die Idee mit den Lavendelblüten nicht los. Und so entwickelte sich eine Idee, bei der dann Lizchens Mousse de Lavende an herbstlichen Früchtchen als Ergebnis herauskam - eine wunderbar leichte, sehr erfrischende, dezent aromatisierte Joghurtmousse, die sehr gut zu den zweierlei süßsäuerlichen Pflaumen passt.















Lizchens Lavendelmousse an zweierlei Fruchtigem des Herbstes
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Zutaten:

[4 Personen]

Für die Mousse:

150 ml Milch
mit
Mark zweier Vanilleschoten und den aufgeschlitzten Schoten und
60 ml Zucker in einem Topf erhitzen, Topf dann vom Herd nehmen,
1 TL Lavendelblüten darunterrühren, die Mischung zugedeckt 30 Minuten ziehen lassen.
5 Blatt weisse Gelatine in kaltem Wasser einweichen
Lavendelmischung durch ein Sieb in den Topf abgiessen.
200 g Sahne steif schlagen.
Lavendelmilch noch mal leicht erwärmen, Gelatine ausdrücken und in der warmen Lavendelmilch auflösen.
300 g Naturjoghurt und
1 TL Zitronensaft vermischen und unter die Lavendelmilch rühren, zuletzt die Sahne behutsam unterheben.















Die Creme in 4 Gläser oder in kleinere Förmchen füllen und im Kühlschrank mehrere Stunden (mindestens 4 Stunden, noch besser über Nacht) zugedeckt fest werden lassen.















Für die Früchtchen:


8-12 Mirabellen / gelbe Pflaumen (alternativ: Aprikosen)
waschen, entkernen, vierteln

1 -2 TL Zucker im Topf sanft schmelzen und ganz hellgold karamellisieren lassen, die Pflaumen dazugeben, ankaramellisieren,

2 EL Rum oder Fruchtsaft (zB Aprikose, Orange oder Mango) dazugeben, durchmischen und auf einen Teller zum Abkühlen geben















8-12 Zwetschgen oder Pflaumen
waschen, entkernen, vierteln
1-2 TL brauner Rohrzucker
im Topf sanft schmelzen und ganz hellgold karamellisieren lassen, die Pflaumen dazugeben, eine Prise Zimtpulver, ankaramellisieren,
3 EL Cassis Likör oder Fruchtsirup dazugeben, durchmischen und auf einen Teller zum Abkühlen geben

Die Früchtchen bis zur Verwendung zugedeckt aufbewahren.














Die Mousse kann entweder in höheren Gläsern oder Dessertschalen mit den Früchtchen, etwas gehackten Pistazien und etwas Rohrzucker garniert werden. Oder man dekoriert Dessertteller mit den Früchtchen und plaziert darauf die aus den Förmchen gestürzten Mousseportionen und garniert diese dann noch mit Rohrzucker und Pistazien.















Ebenfalls lecker ist es, wenn man die Mousse in kleine Gläser mit Schraubdeckel füllt















und nach dem Festwerden anderntags mit den Früchtchen oder frischen, mit etwas Zitrone marinierten Früchtchen auffüllt und das Glas verschlossen als Mittagsdessert mit ins Büro oder auch zu einem Picknick mitnimmt (natürlich beim Picknick in der Kühltasche transportieren).

Und - en passant - sehr gut passt sie (wie auch manche andere kleine Desserts - zu dem einen oder anderen Hörgenuss - oder wann habt Ihr zuletzt ein Hörbuch in der Hand und im Ohr gehabt ?
Dort ist im aktuellen Post zu zwei Hörbuchrezensionen von Mulisch und Mankell auch eine (anonyme) Umfrage mit Mehrfachnennungen im Menü zu diesem Thema eingefügt - bitte teilnehmen !!!
Oder kommt Ihr alle immer nur zum Rezepte-Kiebitzen hier hereinblinzeln ??????

Heiteren Tag !!




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Lavendel
Lizchens Lavendelmousse an herbstlichen Früchtchen
Lavendelmousse an Fruchtigem vom Herbst
Mousse an beschwipsten Herbstfrüchtchen
Mousse de Lavende mit Pistazien
Joghurtmousse de Lavende



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