Freitag, September 21, 2007

Finocchio und S-t-eife Brisen

So allmählich merkt man - im Voralpenland ebenso wie auch an der Küste gleichermassen - schon wieder deutlich den Herbst und wenn auch tagsüber noch manche warmen Genussmomente in der Sonne drin sind, so werden die Abende bereits frischer und wecken die Lust, sich mit etwas innerlich aufwärmenden Gerichten lecker auf die zu stärkende Immunabwehr Kurs zu nehmen. Die Zeit Anfang bis Mitte September ist auch bei meinen Segeltörns immer schon sehr spürbar mit manchmal nasskühlen Tagen, aber vor allem manchmal recht ungemütlich naßstürmischen Abenden verbunden gewesen, man sehnte sich dann schon sehr nach dem kuschelwarmen Schlafsack und ist froh, wenn man in einer der seit einiger Zeit endlich sehr schön neu sanierten Hafenduschen wirklich warmes Wasser bekommt, um sich nach dem nassen Ritt im Wattenmeer und dem Anlegemanöver im Sportboothafen ein wenig äusserlich aufzuwärmen und - entweder an Bord mit einer deftigen Gemüseratatouille auf dem Spirituskocher oder etwa auf Norderney bei "Jochen" in seinem Restaurant in der Alten Mühle bei einem von seinen berüchtigten und leckeren "Grüßen vom Koch" - dann auch innerlich kulinarisch. Bevor man dann den Weg zurück von der Mühle - womöglich mit einem ebenso wie dem 3. Mann an Bord tüchtig mit Hochprozentigem dann auch noch innerlich angeheiztem Skipper zur Rechten und zur Linken untergehakt zum Boot zurückkehrt. Aus Erfahrung in solchen Fällen gilt mein Tip: Besser nicht unbedingt an der Hafenanlage noch entlang gehen - mit je einem zur einen wie zur anderen Seite und entsprechendem "Seegang" beider kann es zu diffizilen Steuerungsmanövern kommen, wenn keiner von beiden über den Schotter der Hafenbefestigung Richtung Wasserlinie "abstürzen und abtauchen", sondern wohlbehalten mit kleinen rauhen Brisen zwischen ihnen an Bord ankommen sollen. Es kann zudem erschwerende (Schlangenlinien) Lenkmanöver zur Folge haben, wenn man [besser gesagt : Frau ;-) ] zuvor nach Jochens Deftigem und Hochprozentigem noch morgens um 2 Uhr und nach der "Sperrstunde" in der Alten Mühle Unterricht mit dessen Trompete erhält. Das ist ein enormer Spass - aber den haben der 3. Mann und der Skipper dann noch auf dem Heimweg damit und ihre damit ausgelösten Heiterkeitsausbrüche machen ihre Motorik und Kursrichtung noch um ein paar (hoch)prozentuale Punkte schwieriger. Aber das ist eine andere Geschichte.





So kalt und windig es dann ist, ich liebe gerade das und - neben der Tatsache, dass ich dann die Inseln und meine Lieblingsplätze nahezu für mich allein habe, weil das Saisonvolk wieder in seine Heimatorte zurückreist ist - besonders, die Nase in den Wind zu halten, stundenlang auf dem Wasser oder am Strand und am Deich unterwegs zu sein und bei s-t-eifer Brise mal wieder richtig tief durchatmen zu können.

Auch in meiner Dachgartenlaube verabschieden sich die letzten grünen Sommergäste, die Kräutertöpfe haben ihre Pflicht fast vollständig getan und mit den letzten Resten ihrer verbliebenen Blättchen und Zweigerl schauen Estragon, Basilikum, Rosmarin und Thymian und der letzte zarte Rest vom Kerbel




schon recht nach "tschüs" aus. Dafür rückt bereits mit der Ernte das erste zarte Wintergrün nach und so hat der Gefrierschrank sich schon ein wenig Beute am letzten Wochenende verschafft, an dem ich rund 20 kg Wurzelgemüse, Spitzkohl


vom Bauern mitgebracht, geputzt, geschnibbelt und portioniert und gefrostet oder - u.a. zu doppelt gewickeltem Genuss - verarbeitet und gefrostet habe. Eine sehr meditativ erholsame Tätigkeit übrigens......
Unter anderem kann man dabei wunderbar über das Interview und das neue Buch von oder besser: über Horst Lichter nachdenken, das Markus Lanz unter dem Titel "Horst Lichter - Und plötzlich guckst Du bis zum lieben Gott" veröffentlicht hat und das seit dieser Woche nun im Handel ist und über manche Fragen, die sich einem da so in den Sinn drängen.


Ich kenne und mag die Bücher und den feinen, stets kränkungsfreien Humor, den er auch bei den Frotzeleien mit Lafer vice versa hinlegt ja besonders unter den TV-Köchen. Die Menschen lieben es, wenn einer schwere Hürden nimmt und die auch schafft. Dann schmunzelt es sich auch - hinterher - leicht mit, wenn jener augenzwinkernd über die genommenen Klippen rückblickend erzählen, wenn auch (nach eigenem Bekunden) noch nicht alles selber im Buch lesen kann, weil vieles offenbar noch verdrängt, unbekannt und damit unverarbeitet ist, dabei an die Oberfläche kommt und nun der Verarbeitung auch Tribut, es zu verdauen abverlangt. Letzteres kann ich sogar sehr gut nachvollziehen. Mir aber liegt dann doch die ungestellte Frage auf der Zunge: Waren die, welche heute mitschmunzeln auch neben ihm und hinter ihm gestanden, als es alles andere als leicht und (wie er gestern erzählte) der Gerichtsvollzieher öfter bei ihm war, als die ersten Gäste ? Noch habe ich das Buch nicht gelesen, vielleicht aber bin ich damit noch eher durch als Horst Lichter.... der zu recht dafür sicher Zeit braucht und sie sich nehmen darf....und sicher sollte. Es gibt Hürden, die brauchen ihre Zeit, sie zu nehmen, sie zu verdauen.
Und er möge bitte weiter schmunzeln .... das macht das Kochen "mit ihm" in den Sendungen und auch den Büchern so besonders nett.

Zu den Gemüsen, die ich mir gerade jetzt auch wieder sehr gern in meine "Bordküche" - nämlich jener meiner Wohnung hier unter dem Dach in einem der alten Münchner Viertel - hole, gehört auch der Fenchel.
Lange Zeit habe ich diesem feinen Gemüse keine Aufmerksamkeit geschenkt, inzwischen mag ich es auf vielerlei Art. Erobert hat Finocchio mein Küchenherz in einem Ratatouille an Bord während eines Segeltörns mit der "Jever Pils", einem knapp 12 m langem Schiff, auf dem ich mit drei Seebären die Erfahrung mit 8-9 Beaufort mehr als nur s-t-eife Brisen zu bezeichnende Windstärken in der Oktober-Wetterlage der Nordsee erlebte und im Hafen von Wangerooge auch 2 Tage bei Sturm nicht mal, bzw. nur von Bord kam, wenn ich auf dem Mittelquerholz des Steggeländers entlang balancierte, weil der Steg selbst völlig unter Wasser lag.
Ein richtig deftiger Gemüseeintopf mit Auberginen, Zucchini, Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten und - ja, eben ! - Fenchel aus der Bordküche wärmt bei solcher Wetterlage bestens. [Und offen gestanden war ich froh, dass ich das einzig weibliche Crew-Mitglied war, nachdem ich ein paar Jahre zuvor bei einem Binnenwasser-Segeltörn am Ammersee bei auftretendem Sturm erlebte, wie die andere weibliche Mitseglerin so hysterisch wurde, dass es gefährlich in den Fingern juckte, mit ihr so zu verfahren, wie man es immer so "nett" und durchschlagend wirksam in Filmen sieht..... ;-) .....aber im realen Leben natürlich nicht tut.... aber für solche Hysterie fehlt mir das letzte Stück Geduldsfaden, um es länger als einen überschaubaren Zeitraum hinnehmen zu wollen.... Männer sind da im Regelfall "nervenstabiler"als solche Mitseglerinnen ]

Auch in meiner heimischen Cucina hat aber der Finocchio nach dem Törn mit der "Jever Pils" daraufhin seinen Platz erhalten und wird immer wieder gern in neuen Variationen eingesetzt.

Diesmal war mir nach einer sehr schnelle Variante als leichter Tarte mit Speck und Fenchel.










Die Fenchelspitzen in feine Scheiben schneiden, waschen, leicht in der Pfanne andünsten, mit fein geschnittenem, mit in der Pfanne angebrutzeltem Speck auf einer Schmand-Crème fraîche-Mischung (die mit etwas Cayenne, Salz und Pfeffer vermengt und auf den in Tarteförmchen ausgelegten Blätterteig gestrichen wird) verteilen und im Ofen knusprig backen.
Mit oder ohne leichten Salat dazu ist diese Tarte Finocchio ein herrlich leichtes Gericht.



Wer dennoch partout keinen Fenchel mag, kann ihn auch durch Ringe von Frühlingszwiebeln oder feinst gewürfelte und mit angebratene Zwiebeln ersetzen.





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Interessante Links darüberhinaus auch:
Horst Lichter

Horst Lichter - bei Wikipedia

1 Kommentar:

Andrea hat gesagt…

Ich fahre Ende Oktober nach Norderney und lasse mir dort den Wind um die Nase wehen. lg Andrea