Sonntag, September 23, 2007

Die ersten Spuren.....

"Beg. Juli 1979"







.....steht in der 2. Zeile auf dem Namensschildchen, "REZEPTE I" in der ersten Zeile des dicken karierten Herlitz-Schulhefts, das "mein erstes eigenes Rezeptbüchl" wurde.

Selbst heute greife ich auf manches der Rezepte darin manchmal noch zurück, manchmal unverändert, wie bei diesem Nusskranz. Der wird mit einem sehr leckerem Mürbeteig hergestellt, der eigentlich ab dem 2. Tag dann besser schmeckt, als direkt frisch aus dem Ofen. Zur Zeit scheiden solche Backrezepte ja leider aus (auch Henry II, der sich als sehr emsig mit mir in der Cucina erweist, hat nun mal seine Grenzen, nicht nur raumgreifend). Aber Resultat des Rezeptes - zum Vergleich mit dem kleinen Bild im Rezeptbüchl - zeigt, dass das Rezept für den Haselnusskranz nach wie vor auf dem Kaffeetisch einen Platz wert ist. Oft nutze ich die alten, allerersten Rezepte aus dem Büchl heute als Basics, um sie weiter zu entwickeln. Wie z.B. bei den Kipferl im Vanilletraum oder den vielen, vielen Dutzend Variationen meines geliebten Guglhupf-Grundrezeptes von damals, der - selbst in Schieflagen des Lebens - neverever bei meinem Geburtstag fehlen darf.

Das Bildchen, mit dem ich das Rezept oben so "illustriert" hatte, stammte von einem der Tütchen für Vanillin. Wie manche andere Bilder in dem Rezeptbüchl von diesen Tütchen oder aus Heften der Bäckerblume, die ich immer beim Einkauf mit meinen Grosseltern während meiner Ferien bei ihnen, in den kleinen Bäckereien mitnehmen durfte, oder aus anderen Zeitschriften und ähnlichen "Quellen".

Man lernt immer auch erst mal viel von anderen, vom Lesen und Zukucken. Schon damals auch von Rezepten, die ich bei TV-Sendungen mitkritzelte. Zwar durfte ich sie anfangs nicht selbst ausprobieren. Daheim hiess es "Lern vom Zuschauen" und "Hilf lieber" - und letzteres beschränkte sich [neben anderen Arbeiten im Haushalt] in der Küche auf Spülen, Zuarbeiten, wie Abmessen der Zutaten, Schälen, Putzen, Waschen von Zutaten beim Kochen, "Laufgriffe", angefangen vom täglichen Einkauf bis zum Heranreichen der Zutaten, Geschirre, Handwerkszeuge in der Küche für meine Mutter. Allenfalls einfache Dinge auch kochen. Höchste Penibilität war da gefordert - Salat 3 x zu waschen steckt noch immer im Hinterkopf, ebenso präzisestes Abmessen, Abwiegen Schneiden von Zutaten. Ebenso alles erst herzurichten, dann mit der Zubereitung zu beginnen. Mise en place, wie man es in der Gastronomie nennt. Systematisch Arbeiten - nannte es meine Mutter. Und selbst kochen oder backen, durfte ich nicht. Ich gestehe - ich bin ähnlich eigen in meiner Cucina. Und wehe, es kommt mir jemand von hinten nahe, wenn ich mit Messern oder heissen Zutaten hantiere. Da werden sanfte Brisen zu mittleren kleinen Orkanen und beweisen, dass sie weit mehr Temperament besitzen, als die sonstige Ausgeglichenheit selbst in Stresszeiten auch nur erahnen lassen würde. So war das eben auch in meiner Mutter's Küche. Sie war die Chefin ;-)

Bis ich in der Kollegstufe den Teiglöffel zuhause energisch an mich nahm - und behielt. Das geschah mit einer so (eigentlich auch für mich selbst) überraschend energischen Anwandlung, dass meine sonst sehr sehr rigorosstrenge Mama vermutlich einfach überrumpelt war [anderenfalls hätte sie auf so ein energisches Auftreten sicher sehr strikt reagiert). Wir waren in der 12. Jahrgangsstufe rund 140 Mädels auf DEM ersten Münchner reinem Mädchen-Gymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Zweig und bekamen erst in der 12. von extern 4 (jaha !!) ..in Worten : VIER - Kollegiaten dazu, von denen einer es allerdings nicht über diese 12. Stufe hinaus bei uns durchhielt [An uns lag das nicht - er hatte einfach zu viele unentschuldigte Fehlstunden,....und NEIN, auch DIE lagen nicht an der weiblichen Übermacht]. Von den drei übrigen feierte eines Tages einer seinen Geburtstag und brachte drei hausgebackene Kuchen mit, die jeder einfach klasse waren. Ich hatte alle drei probiert, lobte sie und bat ihn, seiner Mutter ein Kompliment dafür zu machen, besonders für den Marmorkuchen, der an Lockerheit und Leichtigkeit wirklich nicht zu überbieten war. Und dennoch blieb mir fast einer seiner Krümel im Hals stecken, als jener Kollegiat meinte "Wieso meiner Mutter - den hab ich gemacht, die anderen beiden auch."

Allein der Gedanke, dass ein "Junge" [!!] einen solchen Kuchen zustandebrachte und ich daheim nicht mal über Hilfsarbeiten hinaus an den Herd durfte, ärgerte mich so dermassen, dass ich beim Heimkommen kaum die Tür hinter mir zu hatte und nicht mal ein "Hallo, bin da" , sondern nur ein "Hast Du heute schon gebacken ? - Heute backe ich !!!" zu meiner Mutter in die Küche krähte. Es war Freitag und freitags wurde bei uns immer gebacken. Mit Kuchen und Kaffee, wenn mein Vater freitags etwas eher als an den anderen Tagen nach Hause kam, läuteten meine Eltern immer gern das Wochenende ein. An diesem Tag gab es - nach dem Blick in den Vorratsschrank - meinen ersten selbstgebackenen Guglhupf. Er war perfekt. Zum Glück. Sonst hätte ich mir sicher eher eine "Back-Pfeife" verdient, als mir meine keine Diskussion zulassenden Feststellung "Ab jetzt backe immer ich freitags" erlauben zu können, auf die meine sehr strenge Mama dann garantiert anders als mit einem "Na, dann mach mal" reagiert hätte.
Und es blieb dabei. Und nicht nur an Freitagen. Backen war ab da meine Sache.
Im Jahr darauf fing ich an, in einer Bäckerei zu jobben, erst für den Führerschein, dann für das Geld für's Studium. Ich hab mir sozusagen mein tägliches Brot im Studium verdient. Und auch dort die Augen offengehalten. Es war Zufall, dass es eine Bäckerei war. Aber das Leben besteht nun mal aus solchen Puzzlestücken. Am Ende werden Strickmuster daraus. Oder Backrezepte. Eigene.

Und manchmal auch ...neue Kochbücher. ;-)
Denn beim Backen allein..... bleibt es nicht. Auch wenn aus der Handschrift heute eine andere Schrift wird, meist Georgia, Arial oder Times. Times are changin', but You keep Your passions.



















Wie bei allem, das zur Passion wird.
"Beg. Juli 1979"....
begonnen........

die Zeile darunter hiess:
"beendet: ................ "

Da steht bis heute kein Datum drin. Obwohl das Heft voll ist. Aber im Grunde ist es richtig so. Denn: Eigentlich endet es nie......

Inzwischen genügt für die handschriftlichen Kritzeleien allerdings eine DIN A 6-Kladde...in der ich alles notiere, was mir grade im Stehen und Gehen einfällt ...von Fotoideen, Ideen für meine beruflichen Vorträge und Veröffentlichungen und eben auch Rezeptideen, Buchtitel von Büchern, die ich mir ansehen oder rezensieren will und aller mögliche andere.
Darin auch die Idee für eine neue Tarte-Rezeptur. Aus der schon die eine oder andere Variation entstand, die dann den Weg in die Sammlung im Leitzordner finden. Mit Rezepten auf DIN A 4 und in Prospekthüllen - küchentauglich.
Heute waren's übrigens verschiedene Tartes und Crumbles. Aber dazu dann mehr nach den nächsten Fotoshoots am heutigen Sonntag.




© Copyright by Liz Collet

Kommentare:

Andrea hat gesagt…

Der Kuchen sieht ja hervorragend aus. Mhm! Davon hätte ich gern das Rezept.
lg andrea

Liz Collet SmoothBreeze7 ArtPhoto hat gesagt…

@Andrea ..... danke !
Zu welchem der Kuchen ?
Nusskranz ?
oder zur (halben) Apfel-Minitarte ?

Andrea hat gesagt…

Das Rezept von dem das leckere Foto auf der Seite ist. Mhm.
lg Andrea