Donnerstag, August 09, 2007

Tante Fanny, Datschi und Zwetschgengeschichten




Zwetschgen oder Pflaumen ? Das ist beinahe ebenso eine Glaubensfrage, an der sich die Geister scheiden, wie die, ob Zwetschgendatschi oder doch Pflaumenkuchen leckerer seien. Für mich gilt hier die klassische Regel: das Eine tun und das Andere nicht lassen. Schliesslich gehören beide Früchte zur selben Familie der Pflaumen und Rosengewächse. Die Zwetschge ist weniger rundlich, dunkler und meist auch etwas fester, als die Pflaume; oft wird gesagt, sie sei säuerlicher als Pflaumen. Ich mag bei manchen Rezepten aber gerade diese fruchtige Säure sehr gern. In manchen Gebieten heisst sie auch Zwetsche oder Quetsche und manche Rezepte finden sich daher auch unter dem Begriff des Quetschekuchens. In Österreich wird Pflaumenmus meist Powidl genannt, was begrifflich auf das tschechische povidlo zurückgeht. Die berühmten Powidldatschgerl werden mit diesem Pflaumenmus zubereitet.

In diesem Jahr scheinen die Früchte bereits eher zu bekommen zu sein, noch bin ich allerdings ein wenig enttäuscht von ihrem Geschmack, sie sind mir beide noch nicht wirklich fruchtigsüss genug bei den kleinen Stichproben. Zwetschgen gehören nicht zu den nachreifenden Früchten, so dass man sie frisch verwenden sollte. Sie sind aber auch prima geeignet, um sie einzufrieren oder einzumachen. Oder zu Marmelade und Pflaumenmus zu verarbeiten. Zwetschgen gehören zu dem Obst, das in meiner Kindheit hauptsächlich eingemacht wurde. Der Grund dafür war neben der Eignung, sie zu Marmelade zu kochen oder entkernt und geviertelt einzumachen, um beides später im Winter zu den Mehlspeisentagen zu Griesbrei, Milchreis, Rohrnudeln und Pfannkuchen zu servieren und auf das Frühstücksbrot zu streichen, wohl auch der günstige Preis der Zwetschgen - ebenso wie Äpfeln - im Vergleich zu anderem Obst. Hinzu kam, dass meine Grosstante Fanny, die eigentlich Franziska hiess, in Pasing eine jener alten Villen besaß, in denen nach vorne zur Strasse hin der „Schmuckgarten“ und hinter dem Haus von der Küche und von einem Kelleraufgang aus der sog,. Küchengarten ging. Im vorderen Garten war der Rasen frisch, zart und gepflegt, eingesäumt von Rabatten mit Rosen und einigen anderen schönen Blumen und besass zwei grosse alte Bäume, darunter eine Birke. Den Blick in diesen Garten genoss man entweder vom Wohnzimmer oder der Terrasse davor aus. Oder von einem richtig geräumigen schönen Wintergarten aus, der leicht nach vorne versetzt seitlich an die Terrasse anschloss und im oberen Stockwerk zugleich einen offenen Balkon barg. In diesem Wintergarten war ich am liebsten. Nicht nur weil dort stapelweise die Superman, Batman, MAD- und Asterix-Hefte lagen, die mein Cousin besass und die ich dann durchschmökern konnte, sondern weil der Wintergarten mit den Fenstern auf drei Seiten in meinen Augen der schönste Platz im Haus war mit all den schönen Pflanzen darin. Meist hatte ich dort auch Gesellschaft von Cäsar, einem Setter, der schon einige Jahre bei meiner Grosstante lebte, aber noch recht temperamentvoll war. Man gelangte in den Wintergarten mit seinen beiden gemütlichen, wenn auch ein wenig „tiefgesessenen“ Sofas nicht vom Wohnzimmer oder der Terrasse aus, sondern von einem weiteren grossen Raum. In diesem führte meine Tante eine Versicherungsagentur eines namhaften Versicherungsunternehmens weiter, nachdem ihr Mann sie als Witwe mit 4 Kindern sehr früh allein zurückgelassen hatte. Sie war eine patente, geschäftstüchtige Frau, der es gelang, nicht nur ihre 4 Kinder in dieser Zeit zu prima Menschen gross zu ziehen, sondern auch diese Agentur erfolgreich weiterzuführen und den Haushalt nebenbei zu managen, ohne Hilfe ins Haus zu nehmen. Wenn wir sie besuchten, dann duftete es immer nach frisch gebackenem Kuchen im Haus und davon waren immer 2 oder 3 verschiedene vorhanden. Und sie kochte vorzüglich. In ihrem Haushalt lernte ich Gerichte kennen, die bei uns daheim oder in der übrigen Familie völlig jenseits des Einkaufszettels gelegen hätten, wie zB Täubchen, Wachteln, Rehbraten, Wildschweingulasch und anderes mehr. Sie hätte es sich sicher auch leisten können, ihre etwas altmodisch zusammengestellte Küche funktioneller und komplett neu einzurichten, aber ich glaube, das war ihr einfach nicht wichtig. Allerdings hat jedes ihrer vier Kinder von ihr genug bekommen, um sich jeweils ein eigenes Haus bauen oder erwerben zu können und vielleicht lag ihr mehr daran. In ihrer Küche standen einige einzelne Schränke, Hängeschränke, ein alter Küchentisch in der Mitte des Raumes und die üblichen Geräte wie Kühlschrank und Gasherd. Sie genügten ihr anscheinend vollauf, auf Schnickschnack konnte sie bei der Einrichtung der Küche gut verzichten, zauberte aber die leckersten Dinge in ihr und nutzte dabei auch den hinteren Garten für einige Zutaten. Dieser rückwärtige Garten war für mich ein Paradies, denn dort gab es Sträucher mit Johannisbeeren, Himbeeren, ein paar Erdbeerpflanzen, Küchenkräuter und einige Obstbäume, Äpfel, Birne und mehrere Zwetschgenbäume. Und wenn wir und ihre Kinder und deren schon vorhandene Kinder zu Besuch kamen, dann wurden einfach mehrere Gartentische zusammengestellt, meterweise Tischwäsche darübergelegt und Kuchen aufgetan, die sie zwischendrin gebacken hatte. Sie gab immer grossherzig und was nicht an Kuchen aufgegessen wurde, wanderte verpackt und verteilt auf ihre Besucher mit diesen nach Hause. Und sie gab immer reichlich Obst der Obstbäume mit. Man musste sie dann zügig weiterverwenden, denn gespritzt wurde bei meiner Tante nicht. Zwetschgen hielten sich ohnehin nicht lange. Und so wurden oftmals dann nach solchen Samstagsbesuchen bei ihr am Tag darauf sonntags bei uns daheim Marmelade gekocht oder Zwetschgen in Einmachgläsern winterfest gezaubert. Die Gläser mit Marmelade wurden mit dieser hauchfeinen Zellophanfolie verschlossen, die sich nach dem Abkühlen nach innen zog und bei der man immer höchst vorsichtig darauf achten musste, dass man nicht daran kam, weil sie sonst aufplatzte, wenn sie nach dem Abkühlen in die Regale in unserem Keller gewandert war. Dort harrten sie dann neben den 1 l Weck-Gläsern mit den roten Einmachgummis, in denen eingemachte Zwetschgen ihrem Einsatz als Kompott ebenso entgegen, wie die (leider zu wenigen, da ich sie besonders mochte) eingemachten Kirschen, Mirabellen und die Aprikosenmarmeladegläser und Erdbeermarmeladen. Sie alle überwinterten Glas für Glas nur beinahe, denn sie wurden nach und nach verwendet für Mehlspeisen, Biksuitrollen, Strudel und anderes.


Von Zwetschgen muss ich in der Zeit irgendwann mal zuviel bekommen haben, denn eine Zeitlang haben sie in meine späteren Küchenzeiten sträfliche Vernachlässigung erfahren. Dazu mag auch beigetragen haben, dass die Zwetschgenzeit für mich immer auch verbunden ist mit dem Backen von Zwetschgendatschi und Datschizeit ist immer auch Wespenzeit. Und diese (von mir verhassten) kleinen Biester tummelten sich mit Vorliebe dann dutzendweise in Küche und Wohnung, weil sie Zwetschgen eben besonders lieben. Was auch der Grund war, dass diese Jahreszeit die einzige Zeit war, in welcher ich Jahr für Jahr in meiner Zeit in den Bäckereien arbeitete, um mein Studium zu finanzieren, ziemlich geplagt war. Man kann um diese Jahreszeit schlicht nicht verhindern, dass zeitweise 5-6 Dutzend Wespen sich genau dort in der Auslage und um einen herum im Laden tummeln.

Dennoch liebe ich Zwetschgendatschi und auch andere Rezepte mit Zwetschgen und Pflaumen und beide sind längst wieder Bestandteil im Küchenkalender. Die Lust an diesen Früchten kam – ganz nebenbei gesagt – über einen Umweg wieder, als ich mit der Entdeckung der chinesischen Küche Anfang der 90er dabei unter anderem ein Rezept für einen süss-saure Pflaumensauce entdeckte, die einfach fantastisch ist. Und für die es sich empfiehlt, einen Reservevorrat entkernter und geviertelter Zwetschgen oder Pflaumen im Gefrierfach zu haben.

Die Augsburger nehmen ja bekanntlich nicht nur für sich in Anspruch, die Weisswurst erfunden haben zu wollen, sondern vor allem auch, dass sie den Zwetschgendatschi erfunden hätten. Die Augsburger dürfen es gerne glauben (wenn’s selig macht, wir wissen es bessr ) – dafür haben sie schon vor langer Zeit den Spitznamen „Datschiburger“ abbekommen, den man allerdings nicht in ihrer Nähe aussprechen sollte, wie mir mein Grossvater bereits beibrachte, wenn ich mit ihm in seinem bordeauxroten R4 sass und mit ihm über die Dörfer fuhr. Mein Grossvater kaufte selten, wenn überhaupt in Supermärkten ein. Er wusste genau, in welchem Dorf im Allgäu er den besten Käse, bei welchem Bauern die besten Kartoffeln, Gemüse und bei welchem Metzger das beste G’räucherte, die besten Landjäger und die beste Hartwurst bekam. Und wo wann Schlachttage waren, damit er schlachtfrische Zutaten bekam, aus denen er dann daheim selbst Pressack herstellte. Und er wusste, wo er das beste Obst bekam, weil er schon lange bevor ein Begriff in aller Öko-Munde wurde, wusste, dass er kein „gespritztes Zeug“ essen mochte. Auf diesen Fahrten fand sich immer irgendein Fahrzeug vor uns ein, das sich auffallend hinderlich auf den Landstrassen bewegte – erstaunlicherweise immer Fahrzeuge mit dem „A“ im Kennzeichen,... mein Grossvater nahm es gelassen, quittierte es aber stets mit den Worten BIO„Ein Datschiburger halt, da kannst nix anderes erwarten, Deandl und einen Datschi können’s trotzdem keinen g’scheiten – aber sag das nie laut, wenn einer das Autofenster offen hat“ ;-)







Für mich können die Augsburger nicht nur deswegen keinen g’scheiten Datschi backen, weil sie ihn mit Hefeteig backen, der fast immer entweder zu dick (und daher trocken) oder zu dünn und daher zu durchgeweicht auf den Teller kommt.

Bisher hat kein Exemplar, das ich in Augsburg auf den Kaffeetisch bekam mich eines Besseren belehren können.


Vor ein paar Tagen fragte mich ein Freund nach einem Zwetschgendatschi nach dem Rezept und da ich meinen Datschi eigentlich schon lange nicht mehr mit Hefeteig, sondern mit Mürbeteig backe, musste ich erst mal in meinen alten Rezeptbüchern suchen, welches ich ihm am besten raten könnte. Am Ende bekam er zwei Hefeteig-Rezepte von mir, von denen ich eines irgendwann mal bei Schuhbeck stibizt und für meinen Bedarf leicht variiert habe. Dabei kamen wir über dem Blättern in den Rezepten darauf, dass und wie viele Verwendungsmöglichkeiten für Zwetschgen sich eigentlich in meinem Fundus schon erprobt ergeben und inzwischen bei mir angesammelt haben.

Höchste Zeit und mit der in den nächsten Tagen nun richtig fruchtigintensiv auf den Markt kommenden späteren Früchten auch zugleich die beste Gelegenheit, einige Rezepte mit Zwetschgen einmal wieder auszuprobieren und vielleicht ein wenig neu zu komponieren oder zu verfeinern.
Der Genauigkeit meines Sternzeichens Tribut zollend, war es nur naheliegend, diese Gelegenheit auch zu nutzen, um ein bisserl in neuerer und klassischer Literatur zu blättern, in erster Linie Backbücher, aber nicht nur beim Backen. Dazu dann etwas später.
Dass ich bei meiner Recherche dann auch auf eine Zwetschgendatschi-Regatta stiess, überraschte dann doch. Leider war es nicht näher klärbar, ob die Namensgebung für diese am Bodensee bevorstehende Segelregatta auf persönlichen Vorlieben eines Vorstandsmitliedes des Vereins beruht oder auf einer Belohnung der Teilnehmer mit dem Kuchen. Vielleicht war die Telefonverbindung ja nur nicht zustandegekommen, weil man gerade bei der Zwetschgenernte war ?
Interessante Rezepte mit Zwetschgen oder Pflaumen fand ich dagegen mit der Pflaumentorte mit Haselnusskrokant unter den Torten aus dem Kühlschrank : Dabei wird ein karamellisierter Boden aus Butter, Zucker, gehackten und gehobelten Haselnusskernen und Sahne gezaubert, auf den Pflaumen aus dem Glas und eine Sahnecreme aus Mascarpone, Schmand, Zucker, Schlagsahen und Gelatine gebracht und die Torte am Ende mit Zimt bestäubt wird.

Schlemmerparadiesisch ist der einzige Name, der mir einfällt bei den Torten, die sich in der Sammlung der Rezepte Backen auf dem Lande unter den Namen "Eierlikör-Pflaumen-Torte", "Pflaumentarte mit Crème-fraîche-Guss", "Pflaumen-Rosetten-Kuchen", "Französischer Zwetschenkuchen" oder "Zwetschenkuchen Lübckecker Art" verbergen. Dazu dann später noch, sowie zu einigen Rezepten aus dem Elsaß. Zunächst aber noch ein paar Klassiker. Auf geht’s !

1. Herzhafte Zwetschgen- und Pflaumenleckerchen:

Zu diesen Rezepten gehören auch einige herzhafte Rezepte mit Zwetschgen oder Pflaumen.
Beispielsweise die bereits erwähnte süss-saure Pflaumensauce, die nicht nur zu asiatischen Gerichten fantastisch schmeckt. Sie ist auch sehr lecker zu verschiedenen Grill-Leckereien und lohnt deswegen derzeit einen Versuch und in jedem Fall, einen kleinen Reserveposten im Gefrierfach anzulegen. Dazu die Früchte waschen, abtupfen, entkernen und vierteln; dann erst auf einem Bleck oder Alufolie nebeneinander liegend in das Gefrierfach geben und ca 1-2 Stunden frosten; danach kann man sie prima umpacken in eine Vorratsdose, Gefrierbeutel oder ähnliches und bei Bedarf eine gewisse Anzahl herausnehmen.

Süss-saure Pflaumensauce:
Das ursprüngliche Rezept habe ich in dem Bildband "Asiatische Küche" von Heidemarie Freund entdeckt, der 1989 im VEBU Verlag herausgegeben worden ist. Dort werden 2-3 Dörrpflaumen verwendet, mit denen das Rezept auch lecker zuzubereiten ist. Aber fruchtiger finde ich dann doch mit frischen Zwetschgen oder Pflaumen. Dafür nehme ich ca 6 frische oder tiefgefrorene Früchte, die in feine Streifen geschnitten und mit 1 EL Rosinen oder Sultaninen in einen Topf gegeben werden. 2 cm frischen Ingwers schälen, sehr fein hacken oder reiben und hinzufügen. 220 ml Wasser dazugeben, sowie 2 EL Sojasauce und 2 EL Mirin oder trockenen Sherry, sowie 2 TL Essig dazu geben, 1 TL Zucker unterrühren und alles zusammen 2-3 Minuten köcheln lassen. 1/2 TL Speisestärke in wenig kaltem Wasser glatt anrühren und die Sauce damit binden. Nach Wunsch und Geschmack mit Chilisauce scharf abschmecken und die Sauce kalt servieren.

Alternative:
Das Rezept funktioniert auch gut mit 2-3 getrockneten Aprikosen oder 5-6 frischen Aprikosen sehr gut.

Ein weiteres herzhaftes Rezept sind

Variationen von Speckpflaumen:
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Ob man sie als kleinen Snack mag oder als eines der Leckerchen eines Sommerfestes, Buffets, als Food to Go - sie sind schnell und leicht gemacht.
Backofen auf 220 ° vorheizen.
Man nimmt pro getrockneter Pflaume einen halben Streifen Bacon, bestreut diesen - wenn man mag - mit sehr fein gehacktem frischem Rosmarin oder Thymian, legt eine Pflaume darauf und rollt diese mit dem Speck auf. Mit Spiesschen (Zahnstocher) fixieren, auf Backblech legen.

Die Pflaume kann vor dem Einrollen auch längs mit einem Messer eingeritzt und mit etwas Ziegen-oder Schafskäse oder (Ziegen-/Schafs-)Frischkäse gefüllt werden. Dazu passen gut Schafskäse im Specktäschchen und gratinierte Partytomaten

Anstelle der Pflaumen lassen sich auch getrocknete Aprikosen verwenden. Sehr lecker ist auch eine Verwendung beider.

Eine Variante mit gefüllten Pflaumen habe ich bei Fingerfood (siehe auch Menüpunkt "Dauerbrenner in meiner Cucina" unten) entdeckt: Dort werden für 4 Portionen (24 Pflaumen) folgende Varianten zubereitet:
Für die ersten 8 Pflaumen werden 100 g Manchego in Stücke geschnitten und diesen in die Pflaumen füllen;
50 g Frischkäse werden verrührt und in weitere 8 Pflaumen gefüllt;
die verbliebenen 8 Pflaumen werden mit ca 75 g feiner Leberpastete gefüllt.
24 hauchdünne Scheiben Serranoschinken werden dann verwendet, um je eine gefüllte Pflaume einzuwickeln und mit einem Holsspießchen festzustecken. Sie werden auf ein Backblech gesetzt und ca 15 Minuten gebacken und anschliessend warm oder kalt serviert.

2. Süsse Zwetschgen- und Pflaumentage


Zwetschgentäschchen
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Für 4 Personen

1 Portion Nudelteig aus 250 g Mehl, 2 Eiern, 1 Eigelb, einer Prise Salz und etwas Wasser bereiten und in Folie verpackt ruhen lassen (ca 1 Stunde)

1kg Zwetschgen, entsteint, in schmale Streifen schneiden, mit 1/2 TL Zimt mischen; 3 gehäufte EL Zucker, 3 EL Butter oder Margarine, 3 gehäufte EL Semmelbrösel in einer Pfanne rösten, Zwetschgen hinzufügen, einige Minuten köcheln lassen, bis sie weich sind und die Flüssigkeit nahezu verdampft ist. Vollständig abkühlen lassen.

Den Teig zu einem Rechteck ausrollen, jeweils einen Klecks der Füllung in Abständen auftragen und die leere Teigfläche mit 1 Eiweiss auspinseln, über die Häufchen klappen, rund um die Füllung vorsichtig festdrücken, mit Teigrädchen ausradeln.

Die Zwetschgentaschen in leise siedendem Salzwasser vorsichtig ca 5 Minuten garziehen lassen, bis sie oben schwimmen, dann mit Schaumkelle herausheben und gut abtropfen lassen. Mit etwas (ca 50-70 g) brauner Butter beträufeln und mit den in der restlichen ca 180-200 g Butter gerösteten 150 g Semmelbröseln bestreut servieren.


Schlosserbuben
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Für 4 Portionen:

120 g Mehl, 1/8 l Bier, 2 Eier, 50 g zerlassene Butter oder Margarine, 1 EL Zucker, Zimt, 24 schöne reife Zwetschgen, 24 geschälte Mandeln, Butterschmalz zum Ausbacken, Puderzucker zum Bestäuben

Mehl, Bier, Eier, zerlassene Butter oder Margarine, Zucker, Zimt miteinander verquirlen, 30 Minuten quellen und ruhen lassen.
Zwetschgen entsteinen, je einen Mandelkern hineinstecken, Zwetschgen einzeln durch den Teig ziehen und im erhitzten Butterschmalz schwimmend herausbacken, bis sie goldbraun sind. Dann auf Küchenkrepp/tuch abtropfen lassen und sofort mit Puderzucker bestreut servieren. Sehr gut passt dazu Vanillesauce oder etwas säuerliches Kompott oder Chantilly Cream.







Zwetschgendatschi mit Mürbeteig:
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Es bleibt ungeklärt, woher das Wort "Datschi" letztlich kommt, vermutlich von dem Begriff "detschen" oder "datschen" für "flach drücken". Sehr interessant und umfassend kann man dagegen nachlesen, dass der Ursprung der "Urpflaume" und damit auch der heutigen Zwetschgen in die Gegend zwischen dem Kaukasus und dem Kaspischen Meer zurückgeführt wird, von wo aus die Verbreitung dann zunächst nach Griechenland und von dort aus von den Römern ca 100 n.Chr. über die Alpen weiter gebracht wurde.

Meine beiden Lieblingsvarianten vom Zwetschgendatschi basieren letztlich beide auf einem Mürbeteig.


Mürbeteig:
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375 g Mehl, 4 gestrichene TL Backpulver, 75 g Zucker, 1 P. Vanillinzucker, 1 Ei, 5 EL Milch, 150 kalte Butter zügig zu einem glatten Mürbeteig verarbeiten, eingewickelt etwas ruhen lassen.
Die Portion Teig reicht für 1 Backblech oder 2 Springformen à 24-26 cm.

Oder:

sog. Zuckerteig:
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Das Rezept zum Zuckerteig habe ich in einem meiner Lieblingskochbücher gefunden, das ich vor einigen Jahren bei einem Besuch in seinem Kurhausstüberl am Waginger See nach einem 8-Gänge-Menü [ein Geschenk zu meinem 30. Geburtstag] vom Küchenchef bekam. Über dieses Menü liesse sich allein schin manches sagen, wie z-B. dass es schuld daran ist, das Holler eine völlig neue Komponente in meine Küche getragen hat, seit die Hollerbeeren in einem der Menüpunkte des Abends dies Früchterl in einem völlig neuen Licht erscheinen liessen, als die bis dahin nur verwendeten Hollerblüten, die mein Großvater stets durch eine Teig gezogen herausbuk. Das Kochbuch ist ebenfalls bis heute immer wieder unerschöpfliche Inspiration für mich - es handelt sich um Das neue Bayerische Kochbuch von Alfons Schuhbeck, das im Zabert Sandmann Verlag erschienen ist. Einige der ganz klassischen Rezepte, die ich aus den Küchen meiner Grossmütter kenne, finden sich dort in elegant verfeinerter Rezeptentwicklung wieder, die ich meinerseits dann wieder gerne weiter entwickle oder variiere, weil Rezepte (in meinen Augen) immer nur ein Vorschlag sind, dem man folgen oder den man ändern kann. Aus diesem Grunde folge ich auch nicht dem ebnfalls im Buch enthaltenen Rezept für den Zwetschgendatschi, bei welchem Hefeteig verwendet wird, sondern verwende den Zuckerteig, der sich auch für viele andere Früchte nutzen lässt.

Für 4 Springformen à 24 cm Durchmesser oder 2 Backbleche:

500 g Mehl und 200 g Puderzucker, jeweils getrennt gesiebt. Der Puderzucker wird mit 3 Eigelb, 1 Prise Salz, sowie dem Mark einer Vanilleschote mit dem Schneebesen hellschaumig geschlagen, dann werden 275 g weiche Butter untergemischt. Dann wird mit den Händen das gesiebte Mehl untergearbeitet. Das sollte zügig geschehen, damit sich die Butter gut mit dem Teig verbindet. Den Teig dann 1-2 Stunden eingepackt kühl stellen.

Nach der Rezepterläuterung soll der Teig gut einzufrieren sein oder auch bis zu 1 Woche im Kühlschrank haltbar. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen: bei mir ist er in nullkommanullnix weggebacken und verschnabuliert.

Egal welches der beiden Rezepte man nun als Basic verwendet: Nach dem Kühlen und Ruhen des Teiges wird er ausgerollt und auf ein gefettetes Backblech ausgelegt.
Dann die inzwischen gewaschenen, entkernten und geviertelten Zwetschgen ziegelartig geschichtet auf dem Teig in Reihe legen ( wenn Springformen verwendet werden : im Kreis von aussen nach innen).

Danach kann man den Kuchen mit Hagelzucker bestreuen und backen oder ohne Hagelzucker backen und 10 Minuten vor Ende der Backzeit mit steifgeschlagenem gezuckertem Eischnee als Baiser zu Ende backen.
Mein persönlicher Lieblingsdatschi hat aber Streusel:
200 g Butter zerlassen, 300 g Mehl mit 150 g Zucker mischen und mit der zerlassenen Butter zu Streuseln vrarbeiten und diese über den Datschi verteilen.

Bei 175 ° (150 ° Umluft) backen, bis die Streusel goldbraun sind.
Den Datschi dann in Stücke schneiden, mit etwas Puderzucker stäuben und warm oder kalt mit Chantilly Cream oder Schlagrahm servieren .


Ein weiteres Rezept sind Zwetschgen mit einem Rührkuchen auf dem Blech, sowie die Zwetschgennudeln. Aber auch die Zwetschgenknödl verdienen Erwähnung. Dazu und einigen anderen Beispielen, wie man Pflaumen richtig lecker eine reindatschen kann, dann in ein paar Tagen mehr, wenn auch ein paar Worte über Aprikosen, Marillen und Renekloden zu verlieren sein werden.

Wie man anderen Pflaumen eine reinditscht,....nunja.... das ist dann allerdings eher ein nonkulinarischer Tip....... Nicht umsonst bekommen manche im Nachbarland ja einen Schlagobers dazu - wenn's versteh'n was ich meine .... ;-)








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