Sonntag, Juli 01, 2007

Multifunktionale Espressotässchen














Es gibt so Tage, da brauche ich einfach den Geschmack und den Genuss einer Mehlspeise. Früher gab es im Laufe der Küchenwoche einen regelmässigen Rhythmus, der viel von dem widerspiegelte, wie das Leben der Menschen aussah und auch von äusseren Umständen geprägt wurde. Klassisch natürlich der Freitag, an welchem aus religiösen Gründen des katholischen Glaubens kein Fleisch auf den Tisch kommt. Doch auch in einem nichtkatholischen Haushalt ist das oftmals überlieferte Gewohnheit. Aber auch Fisch ist dann entweder nicht jedermanns Sache, Geschmack oder nach dem Geldbeutel erschwinglich und so haben oft auch am Freitag Mehlspeisen ihren Platz gefunden.


Wenn ich an die Küchen zurückdenke, die mich in meiner Kindheit begleiteten oder in die ich so spitzte, dann sind mir aber auch andere Rhythmen in den Wochenabläufen präsent.

Manche hingen und hängen noch immer traditionell von den Schlachttagen der Metzger ab, andere von guten hauswirtschaftlich ökonomischen und effektiven Arbeitsweisen der Hausfrau.

Und sie folgten den Warenangeboten der Metzgereien und anderen Läden, nicht nur nach jeweiligen Sonderangeboten, sonder beispielsweise auch den Tagen, wann Schlachttag war und wann an diesen oder darauffolgenden Tagen jeweils Waren frisch angeboten oder am besten zu verwenden waren. Klassische Schlachttage sind Dienstag oder Mittwoch gewesen.

Der Montag war - so auch in meiner Kindheit - ein klassischer "Resterlessen"-Tag. Mit Montagen verbindet sich für mich ein Speisezettel, auf dem sich Gerichte finden wie z.B. ab'bräunte Kartoffelknödl oder ab'bräunte Semmelknödl, mal mit gewürfeltem Speck und darübergegossenen verquirlten Rühreiern, mal mit Sauce von Schwammerln mit Petersilie und Zwiebeln. Oder Bratkartoffeln mit Rührei und Speck. Gern gab es auch Tiroler G'röstl, ein Gericht, bei dem Kartoffeln und Zwiebeln in der Pfanne mit gewürfelten Bratenresterln angebräunt und dann mit Rührei übergossen und mit Schnittlauch oder Petersilie, Salz und Pfeffer gewürzt serviert werden. Auch beliebtes Montagsessen war Hühnerfrikassee von den Resten des Brathendls vom Sonntag, die in Stücke geschnitten werden, während in einem Topf in etwas Butter (oder Schmalz / Öl etc) gewürfelte Zwiebeln anglasieren, mit etwas Mehl eine klassische helle Mehlschwitze bereitet und mit Brühe abgelöscht, aufgekocht und dann mit dem Geflügelfleisch vermengt, Salz und Pfeffer abgeschmeckt und mit frischen Kräutern gewürzt werden und mit Salzkartoffeln oder Nudeln auf den Tisch kommen.

Andere Gerichte waren die Sulz vom kalten Braten, die mit Essigurke, gekochtem Ei und Tomatenscheiben besonders im Sommer entweder mit frischem Bauernbrot, Brezen, Semmeln oder wintertags zu Bratkartoffeln nutzten, was vom Wochenende übrig geblieben war.

Dienstag aber war dann oft ein Tag der fleischlosen Gerichte - wie beispielsweise die "Nudeln mit Käs' ", bei denen gekochte Nudeln auf den Teller gegeben und einfach mit geraspeltem Käse (meist Allgäuer Emmentaler) reichlich bestreut wurden oder am Vortag gekochte und übriggeblieben Nudeln in der Pfanne mit etwas Butter angebraten und dann in gleicher Weise mit Käse serviert wurden, eine meiner Leibspeisen.
Ein weiteres waren Pellkartoffeln mit Butter oder Quark. Oder Reibedatschi mit Apfelmus.
Diese Gerichte hatten einen weiteren Vorteil - sie waren schnell zuzubereiten, denn der Dienstag war immer auch der Hauptwaschtag meiner Grossmütter und meiner Mutter in der Woche gewesen, an denen sie gern eine schnelle und unkomplizierte Kocherei zwischen die noch umständlichen und zeitintensiven Arbeiten schoben und zwischen Wohnung, Waschküche und Trockenräumen im Keller oder den Dachböden zugange waren.

Oder eben der "echten Mehlspeisen", angefangen vom Apfelstrudel, Rohrnudeln, Dampfnudeln, 10-Minuten-Nudeln (eine Art Biskuitteig, der löffelweise in die entweder mit einer Prise Zucker oder Salz aromatisierter Pfanne zu zerlassener heisser, aber nicht brauner Butter gegeben und sofort mit etwas Milch angegossen und bei geschlossenem Deckel gegart wird, bis es in der Pfanne zu knistern und lecker zu duften beginnt - ...ca 10 Minuten eben). Dazu gab es gern die Vanillesauce. Andere Dienstagsgericht waren Pfannkuchen mit Marmelade, Griesbrei mit Kompott aus Zwetschgen, Kirschen, Birnen, Äpfeln, Rhabarber (die aus grossen Einmachgläsern auf den Tisch kamen, die im Sommer zuvor eingekocht worden waren) oder mit Apfelmus oder mit einem Ring aus Himbeersirup entlang des Tellerrandes des Griesbreis und anderes mehr.











Und eines dieser Gerichte war auch der Milchreis. Ein wenig habe ich ihn seit den Rezepten, die ich in der Kindheit ass, abgewandelt und anstelle Kompott kommt bei mir nicht selten lieber frisches Obst auf den Tisch. Der Milchbrei meiner Kindheit wurde heiss serviert und heiss gegessen und neben dem Kompott wurde der Milchreis oder der Griesbrei immer mit Zimtzucker bestreut. So mag ich ihn zwar auch und manchmal immer noch - aber ebenso liebe ich ihn inzwischen auch ohne den Zimtzucker und später am Tag noch kalt als Dessert, oder auch als Frühstück oder als kleines Mittagsgericht am darauffolgenden Tag.

Dementsprechend wird der Milchreis bei mir heute immer gleich in einer "grösseren" Menge zubereitet.

Grundrezept:

In einem hohen Topf wird 3/4 l Milch mit dem Mark von mindestens 2 Vanilleschoten und diesen aufgeschnittenen und ausgeschabten Schoten, sowie einer Prise Salz und einem Stück (ca 1 EL) Butter zum Kochen gebracht. Dann wird (in der Regel nach Gefühl für die Menge, aber ca 1 - 1 1/2 Henkeltassen voll) der Milchreis unter Rühren in die heisse Milch gerührt. Herdplatte dann auf niedrigste Stufe herunterdrehen und den Milchreis sacht köcheln und in kurzen Abständen wiederholtem Rühren (damit er nicht am Topfboden anliegt oder anbrennt garen. Nach und nach gebe ich dann weitere Milch zum Milchreis, so dass in der Regel ca 1- 1 1/4 l Milch für den Milchreis verbraucht werden.

Dieses Grundrezept wird aber meist in einer etwas veredelten Rezeptur von mir zubereitet. Dazu erhitze ich 1 Becher Sahne bei kleinster Temperatur auf der Herdplatte mit mehreren aufgeschnittenen Vanilleschoten und deren dort ausgeschabtem Vanillemark. Die Sahne reduziert sich dabei und wird zu einer leicht angedickten Creme, die Schoten werden entnommen und mit der Milch in dem gesonderten Topf wie im Grundrezept beschrieben ein zweites Mal verwendet und vor dem Einrieseln des Reises entnommen. Die Zubereitung des Milchreises erfolgt dann wie bereits beschrieben. Am Ende wird von der Vanillesahnecreme ein Teelöffel unter den fertigen Milchreis gerührt. Er wird dann unbeschreiblich vanillecremig und so fein im Aroma, dass ich ihn völlig ohne Zucker geniesse. Dazu nur ein paar frische Früchte und wer ihn noch zusätzlich süßen möchte, gibt entweder nur etwas fein gesiebten Zimtpuderzucker oder - noch besser - nur etwas Akazien- oder Lavendelhonig darüber, die sich beide wegen ihrer feinen, weichen Konsistenz am besten mit dem Milchreis vermischen lassen.










Wer es ganz besonders üppig mag, kann am Ende oder anderntags auch noch ein wenig (ein paar EL ) flüssige Sahne unter den Milchreis mischen.

Sollte der Milchreis durch's Nachziehen ein wenig zu fest (zB bis zum darauffolgenden Tag) werden, hilft ebenfalls ein wenig Milch oder Sahne nochmal unter den Milchreis zu mischen.

Übriggebliebener Milchreis lässt sich zudem auch wunderbar als Reisauflauf oder im Ofen gebackene Reisschnitten für den darauffolgenden Tag verwenden. Eigelbe unter den Milchreis mischen, steifgeschlagenes Eiweiss unterheben, die Masse in einer Auflaufform oder auf einem kleinen Blech oder in einer gebutterten Tarteform mit Mandelblättchen bestreut backen. Letztere nach dem Backen in Schnitten zerteilen. Beide Varianten werden lauwarm serviert und mit Zimtzucker bestreut. Dazu passen entweder Kompott, frische Früchte (besonders säuerliche Früchte wie Himbeeren, Sauerkirschen, Johannisbeeren), Schlagsahne oder Vanillesauce oder auch Chantilly Cream. Diesmal habe ich den Milchreis in Espressotässchen serviert und mit frischen Himbeeren, Johannisbeeren und Aprikosenwürfelchen dekoriert. Mit einer bunt gemischten Menge von Espressolöffelchen ist dies eine ideale Möglichkeit, ein klassisches Mehlspeisenrezept als Dessert für Fingerfoodparties, Buffet, Geburtstags- oder Sommer- und Gartenfeste in einer halben und daher sommerleichten Portion festlich partyfähig zu machen.


Was es an Donnerstagen, Freitagen, Samstagen dann so gab ?
Nun, dazu dann an anderer Stelle ............ ;-)




****************************************************

©Copyright by Liz Collet/all rights reserved

Bildnachweis, Print, Leinwand + more

http://www.digitalstock.de/detail.php?bildnummer=425829&ka_suche=%&seite=1&uid=1219&abilder=8&text=

http://www.digitalstock.de/detail.php?bildnummer=425850&ka_suche=%&seite=1&uid=1219&abilder=8&text=

http://www.digitalstock.de/detail.php?bildnummer=425859&ka_suche=%&seite=1&uid=1219&abilder=8&text=

Kommentare:

Sylvain hat gesagt…

Ca mets l'eau à la bouche! :) Miam! Vivement les blogs où on pourra goûter autrement qu'avec les yeux!
à bientôt!

Sylvain

http://tempsdepause.canalblog.com

Liz Collet SmoothBreeze7 ArtPhoto hat gesagt…

Bonjour Sylvain et bienvenue ici - c'est agréable de te revoir ici !
Merci pour ce comment !
à bientôt