Donnerstag, Februar 08, 2007

Das perfekte Dinner


















"Granat"© Liz Collet
*
Das perfekte Dinner
.
Das perfekte Dinner ist für mich zB Granat........ein paar Bratkartoffeln, Gurke, Tomate, etwas Zitrone und grob gemahlenen Pfeffer...und vielleicht ein Klacks sauren Rahmmehr is gar nicht nötig, um ein "perfektes Dinner" zu haben.
.
Wann ist ein Dinner perfekt ?
.
Für mich nicht nur dann, wenn ich in einem der 5*Hotels oder Kochhäubchen- und Goldene Kochlöffel-dekorierten Sterne-Restaurants speise, die zweifellos oft einen excellenten Genuss vermittelten und vermitteln, wenn ich beruflich im In- und Ausland unterwegs bin.
Für mich kann ein perfektes Dinner schon dann gegeben sein, wenn ich aus frischen, jahreszeitlich verfügbaren guten Zutaten diese so zubereite, kombiniere oder auch als Solisten in ein Rezept füge, dass es eine Genussfreude ist, sie nach ihrem Geschmack optimal wahrzunehmen, in Konsistenz, Farbe, Präsentation und Geschmack. Unverfälscht, nur optimiert in ihrer jeweiligen Eigenart.
.
Das können einfach nur perfekt zubereitete Pellkartoffeln mit einem frischen Stück Butter und einem leckeren knackigen Salat sein.......
Oder perfekt zubereitete Bratkartoffeln.
.
Oder Granat frisch aus dem Fang. Frisch gepult und pur aus der Hand frisch nach dem Fang, wenn die Krabbenkutter in Neuharlingersiel am Nachmittag einlaufen und Granat mitbringen.
Auch sie müssen - und nicht etwa, weil sie inzwischen selten genug geworden und damit kein preiswertes Essen mehr sind, sondern einfach wegen ihres unvergleichlichen Geschmacks wegen - keinen Vergleich scheuen mit dem, was seit 2006 von mehr oder minder geschmackssicheren Hobbyköchen nach eigener Ansichtssache und mehr Selbstüberschätzungals zur Überzeugung anderer als ihr "Perfektes Dinner" an- und zur Schau für Zuschauer geboten wird.
.
.
In der aktuellen Wochenstaffel gibt sich ein Fotograf als erster der Woche mit einer Altkleidersuppe - "Sopa de las ropas viejas", Rinderfilet mit Rosinengemüse in Rum - "Ganados cubanos con pasas" und Flambierte Mangos - "Mangos flameados" der Illusion hin, ein perfektes Dinner zu bieten. Die Altkleidersuppe aber sieht genau so aus, wie sie heisst und wenngleich nichts gegen einen Eintopf aus Gemüsen und Rindfleisch zu sagen wäre - aber als Beitrag für ein perfektes Dinner liegt man damit daneben, wenn es nicht geschmacklich und ästhetisch weit über das hinaus geht, was ein Eintopf dann üblicherweise und auch hier dem Gaumen bietet.
Das Hauptgericht hatte den ästhetischen Charme eines durchschnittlichen Restaurants und beweist, dass perfekte Köche [und mit solchen sind nicht etwa automatisch Starköche gemeint] aus den preiswertesten Zutaten kulinarische Gaumenfreuden erster Güte zu zaubern vermögen und auch aus teurem Fleisch ein allenfalls zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden kann, wenn Selbstüberschätzung den Koch gibt.
Das Dessert hätte ein optimaleres Ergebnis bieten können, wenn das Flambieren nicht jenseits der Blicke der Gäste sondern gekonnt am Tisch erfolgt und die Mango dekorativer und für den Verzehr gastfreundlicher zB in Fächer geschnitten serviert worden wäre. Und dass man sich gerade von einem Fotografen ein geschulteres Auge für ästhetische Präsentation eines perfekten Dinners wünschen würde, als man es vielleicht von anderen erwartet, ist vielleicht nicht zu viel verlangt.
Dass er im Auftreten die merkwürdig karikatureske Assoziation eines Wigald Boning weckt, wäre verzeihlich. Dass er aber ungeniert und ohne Gewissensbisse "SEIN" perfektes Dinner nicht ohne die durchgängige Unterstützung seiner Lebensgefährtin absolviert, hingegen ist ein gravierender Fauxpas gegen die Regeln des Wettbewerbs, den man in der letztendlichen Bewertung seines Dinners mit nur 28 Punkten durch die anderen der Runde befriedigt zur Kenntnis nimmt, auch wenn das noch zuviel der Güte an Punkten ist, weil die Mitspieler von der Zubereitung des Dinners zu zweit nichts erfahren haben.
Wenn er am dritten Tag dann blanke Ahnungslosigkeit beweist, was man sich unter einer Saltimboca vorstellen kann, ist dies nur eines der vielen kleinen Zeichen, bei denen man sich wieder mal fragt:
.
Was bringt manche dazu, sich selbst für den Koch eines perfekten Dinners zu halten ?
.
.
Auch bei der zweiten Kandidatin ist man versucht, sich das heimlich zu fragen. Aber sie weckt uneingeschränkte Sympathie in ihrer offenen, freundlichen und aufmerksamen Art ihren Gästen gegenüber und beweist damit liebenswürdige Gastgeberqualität im Umgang mit ihren Gästen, die mancher der Vorwochen vermissen liess, der sich allein darauf kaprizierte ein hochspezialisiertes Dinner zu kreiieren, das ihn völlig zeitlich überforderte, sich auch mal bei seinen Gästen sehen zu lassen.Die unübersehbare Vorliebe für dickhäutige Rüsselgrautiere am Tisch und in der Wohnung KANN man vielleicht wie einer der Gäste mit einem "weniger ist manchmal mehr" kommentieren. Aber als perfekter Gast - der ebenfalls zu einem perfekten Dinner gehört - MUSS man das nicht. Und man SOLLTE es vor allem dann nicht, wenn man sich justament nur einen Tag später - für ihn selbst vorhersehbar - als nahezu fetischistischer Sammler von Figuren und Souvenirartikeln unzähliger cineastischer Werke entlarvt sehen wird, über die sich mindestens so trefflich diskutieren liesse, wie darüber, ob Sammlerstücke wie Wendelin (jaja...eben der aus dem Grossen Preis, Sie wissen schon,....) jedermanns Geschmack treffen. Die Toleranz eines guten Gastes würde es aber auszeichnen, derlei nicht herablassend zu belächeln.
.
.
Da waren die reichlich elefantösen Dekostücke der zweiten Kandidatin bei Wuppertal mit TUFFI als einem der Wahrzeichen der Stadt im Tal der Wupper und ihrer elefantengetesteten Schwebebahn in jedem Fall im Motto ihres Dinners passend und konsequent. Auch der leckerste rote Heringssalat, ein noch so gelungenes Gulasch samt Schwebebahnnudeln und auch ein noch so fein nach Hausfrauenart - oder hier nach Omas Art - serviertes bergisches Puffertsplätzchen machen aus Hausmannskost kein perfektes Dinner. Sie machen ein perfektes Essen für eine nette Runde unter Freunden oder in der Familie. Und als Gast würde man sich dort sicher gut und gastfreundlich aufgehoben fühlen. Und wer - wie ich selbst - Hausmannskost süss wie deftig herzlich gern geniesst und ein richtig gutes Gulasch liebt, spricht mit diesem Urteil keine Verächtlichmachung von regionaler oder Hausmannsküche aus.
Doch der Maßstab eines perfekten Dinners ist ein anderer. So tut es einem bei der zweiten Kandidatin eigentlich leid, dass sie mit ihrer ehrlichen und gutbürgerlich bergischen Rezeptur für das Dinner hinter dem Anspruch mit 26 Punkten derzeit das Schlusslicht in der Bewertung einnimmt. Denn an Sympathiepunkten würde man ihr allzugern viele mehr vergeben, wobei auch ihre freundliche, faire Art in der Bewertung und Einschätzung ihrer Mitspieler und deren Menüpunkten in die Bewertung nur zu gerne einfliessen würden. Dennoch: DAS ist nicht das Ziel des Wettbewerbs und täuscht auch nicht darüber hinweg, dass die netteste patente Hausfrau und Köchin zB zum gereichten Valpolicella wissen sollte, dass er seinen Namen nicht von einer Valpolicellatraube hat.
Auch Gebäck als Dessert aus der bergischen Küche kann man durchaus traditionell servieren, aber bergische Waffeln mit Sahne und Kirschen einmal originell und anders zu präsentieren hätte beispielsweise eine interessante Herausforderung darstellen können, die individuell und creativ im Sinne des Anspruches an ein perfektes Dinner ein Highlight sein kann - auch bei regionaler, bergischer Küche ist derlei möglich. [WIE das mit den "Bergischen Waffeln" gehen könnte, ist eine Herausforderung, die mich übrigens nun für ein paar Rezeptideen angestachelt hat, aber das dann an anderer Stelle im Label "AnwaltsRezept" ]
.
Der "im Prinzip" zunächst scheinbar senkrecht über seine beiden Vorgänger in der Woche hinausschiessende Sozialwissenschaftler am Herd macht mit der penetrant jeden Satz begleitenden "Im Prinzip"-ienreiterei mühselig seinen Erläuterungen zu folgen, was und wie er dieses und jenes zubereite. Auch das vernebelt den Blick aber nicht für die zwar "im Prinzip" interessante Idee einer Ouvertüre mit Thunfischcarpaccio an Feldsalat auf Ziegenkäsedressing mit Kirschtomaten. Deren Manko wird aber schon daran sichtbar, dass ´das Carpaccio nicht sachgerecht gut gekühlt (geeist) geschnitten und ausreichend mariniert wird, um nicht unter der intensiven Note des Ziegenkäsedressings am Feldsalat unterzugehen.
Die Goldene Regel, dass die einfachsten Zutaten ein perfektes Dinner bieten können, wenn sie nicht vernachlässigt behandelt werden, brach er dann nicht nur bei den zweifarbigen Spaghetti, die offenkundig totgegart auf dem Backpapier serviert wurden und der Freude am gelungeneren Pangasius zunichte machten. Es kommt vor, dass selbst in Nobelrestaurants zB Fisch im Pergamentpapier gegart und darin serviert werden, doch sollte dies noch ästethisch appetitanregend geschehen. Die an Altpapier erinnernden Überreste des braunen Backpapiers unter Spaghetti und Pangasius rückten diesen Menüpunkt unter "ferner liefen" weit von dem ab, was man als perfektes Dinner rangieren lassen möchte.Auch das etwas ideenreicher hergestellte Dessert - die Amarettini-Eisrolle - gleicht einen solchen grenzwertigen Hauptgang nicht mehr wirklich aus.
.
"Im Prinzip" also gut gemeint, aber eben nicht wirklich gut, geschweige denn perfekt gemacht.
Was die Vierte in der Runde anderntags nun als perfektes Dinner anbieten wird, bleibt abzuwarten. Sie wird sich nicht zuletzt auch daran messen lassen müssen, dass sie sich zu den schwierigsten und kaum zufriedenzustellenden Gästen einer solchen Runde zählen lassen muss, nachdem sie als Vegetarierin von vornherein eine Reihe von Zutaten der Menüs ihrer Mitstreiter ausscheiden lässt und mindestens 50 % der dann noch möglichen verwendbaren Zutaten als solche disqualifiziert, die sie ganz und gar nicht mag. So mochte sie - in der Einzelbewertung geäussert - den Mozzarella des ersten Abends im Hauptgericht nicht, äusserte aber dies nicht in der Runde und liess damit den Kandidat des dritten Tages regelrecht ebenfalls ins Käsemesser laufen, der es nichtsahnend mit geräuchertem Mozzarella als Alternative zum Thunfischcarpaccio für sie versuchte.
.
Fairplay ist etwas anderes, als dann in der einzeln erfolgten Befragung und Bewertung dieses Menü als so schlecht zu bezeichnen, dass es ihr Würgereiz verursacht habe.
Stil und Geschmack eines perfekten Dinners sind nicht nur eine Frage der GastGEBERqualitäten. Sie zeichnen auch gute Gäste aus.
.
Nicht alle in dieser Woche, allerdings. Und ob dann auch der Fünfte in der Runde dies dann vermag, wird man Freitag sehen.;-))
.
.
"Das perfekte Dinner"© Copyright by Liz Collet
******************************************************

Keine Kommentare: