Sonntag, Oktober 07, 2007

Scones

Was gibt es Schöneres, als frühmorgens Frühstücksdüfte ?
Was Verlockenderes, als den frischen Duft von Sonntagsbrötchen ganz frühmorgens ?



[Hmm.....ja, gewiss, da gibt es noch etwas, aber bleiben wir doch bitte mal in diesem Zusammenhang bei den kulinarischen der Versuchungen, einverstanden ? ;-) ]
.....Richtig - den aromatischen Duft von Koffein ! ;-) Noch besser: am besten, nämlich - beides (alles ?) zusammen ! Es gibt eine Reihe von beruflichen Terminen, die ich auch im Ausland für die einen oder anderen Kongresse und Vortragstermine wahrzunehmen hatte, die sich (meist) durch sehr gute Küche zum Lunch und zum Dinner auszeichneten. Gar keine Frage. Und bei den meisten erinnere ich mich auch sehr genau an die jeweiligen Menüs und das, was ihre Küche auf den Tisch und den Teller brachte - und in den Frühstückskorb.



Ich erinnere mich nicht nur an die excellent und atemberaubend schon von der Kulisse inszenierten, wie das Dinner anlässlich eines medizinischen internationalen Kongresses mit mehreren tausend Teilnehmern, welches am Abend an stilvoll und edel eingedeckten runden Tischen (für jeweils 10 Personen pro Tisch) auf der Piazza Navona stattfand. Bei fantastischem Sternenhimmel, mit 4 grossleinwandig an 4 Positionen der Piazza stimmungsvoll unterstüzenden Lichtbildinszenierungen und romantischen Windlichtern auf sämtlichen Tischen. ein Dinner, das allein schon wegen der Zahl der Gäste eine faszinierend perfekte logistische Leistung der Küche und der Servicemannschaft war, um alle Gänge des Menüs nahezu zeitgleich auf den Tisch zu bringen. Una notte italiana veramente incomparibile. Als hätte Fellini die Finger im Drehbuch gehabt. Nur nicht als SW-cineastisches Ereignis, pardon : in BN (bianco nero), sondern eben in Farbe. In den geradezu fantastischen Farben einer italienischen Nacht - dolce vita im Milleniumsjahr. Eine der italienischen Nächte, die dann bei Espresso nero come la notte und Grappa enden und völlig unwidersprüchlich irgendwie endlos bis in die Nacht bei Gesprächen in kleineren Runden an einem der Tische am Rande der Piazza dauern, chiacchierare,.... wie es im Italienischen so charmant heisst....und was man am ehesten mit plaudern, quatschen, und..ja ein bisschen "klatschen" übersetzen könnte. Dass ich nach jenem Abend und einem Gespräch mit einem der netten anderen Kongressteilnehmer dann wenige Wochen später unvermutet und überraschend ein kleines Päckchen mit Loriots Version von Wagners Ring der Nibelungen in meinem Kanzleipostkasten mit einigen netten Zeilen vorfand, ist eine andere Geschichte. Aber auch solche Neben- und Langzeitwirkungen für ein heiteres Augenschmunzeln lange nach dem Rückflug kann "chiacchierare" bei medizinischen und pharmazeutischen Kongressen eben manchmal haben.... medizinisch unbedenklich.

Nicht nur an Abende wie solche und deren Menüs erinnere ich mich natürlich. Oder auch an einen in Lissabon, an den und dessen elegant-stilvolles Menü des bei solchen Kongressen üblichen Festabends noch eine der portugiesischen Azulejos (Kacheln) erinnert, die jedem Gast als Gastgeschenk zur Menükarte gelegt worden war und die ihren Platz noch immer bei mir hat..... auf dem Schreibtisch.

Nein, ganz entscheidend bei all diesen eben oft beruflich bedingten Reisen ist für mich immer das Frühstück, la prima colazione, le petit déjeuner. Und so verbindet sich für mich mit jedem meiner Hotels immer eine sehr bildliche Erinnerung an das jeweilige Frühstück. Weil ich eine (zugegeben: extreme) Frühaufsteherin bin. Zuhause noch früher, als bei solchen Terminen. Weil aber ohne meinen geliebten "Fünfstöckigen" bei mir morgens nicht mal eines meiner beiden Augenlider richtig willig ist, den Tag anzufangen. Ich brauche das einfach, mein ganz spezielles "Powerfrühstück". Und weil es schlicht bei solchen Vortrags- und Kongressterminen vor allem wichtig ist, ein gutes Frühstück zu bekommen mit gutem Espresso oder wenigstens Kaffee und etwas, das für lange dauernde Sessions über den Tag eine gute Grundlage ist. Denn beim Lunch greife ich ungern richtig zu, um den "toten Punkt" in den anschliessenden Sessions für die Konzentration zu vermeiden, der bei dem einen oder anderen Kongressbesucher zu leichter Liderschwere führt....vernehmliches Schnarchen kann auch unter Medizinern dort nicht wirklich überzeugend mit einer OP in der Nacht zuvor erklärt werden, .......
Ausserdem hat man beim Mittagessen dort selten wirklich Ruhe, weil diese Lunch-"Pausen" kaum welche sind - sie dienen ungezählten Gesprächen und der (sicher auch mit vielen: netten, aber eben auch der beruflichen ) Kontaktpflege bei solchen Terminen. Aber gerade smalltalk ist keine wirklich erholsame Übung. Wenigstens beim Frühstück will und muss ich dann meine gepflegte und ungestörte Ruhe haben. Gerade um dann die nächsten rund 14 Stunden nonstop ansprechbar und ansprechend zu sein ;-)



Wenn man - geht nicht immer, aber wann immer möglich - also nicht auf andere, als die Kongresshotels ausweichen kann für Übernachtung und Frühstück, hilft nur eins: früher als alle anderen beim Frühstück zu sein ..... Ich kenne daher ungezählte Hotels und wie sie sehr sehr frühmorgens "funktionieren" - nicht alle perfekt, aber doch überwiegend mehr oder minder nahe daran. Und wenn ich den ungestörten Genuss meines Frühstücks hinter mir habe, trudeln die anderen erst ein und mir bleibt Zeit genug vor dem "Step to Sessions" . Bei manchen Hotels hat dieses frühe Aufstehen auch einen netten Nebeneffekt, wenn noch alles im gemütlichen warmen und sanften Morgenlicht liegt, einschliesslich dieser wunderbaren leichten lockeren Mandelcroissants oder diese wunderbaren Dolci mit Puddingvanillecreme in der spiralförmigen Gebäckvariante. Der Nebeneffekt ? Die Chance des Blicks in die Küche, auf eine Plauderei mit denen, die hinter den Kulissen für die Abläufe sorgen und - fast immer - auf die Erfüllung aller Frühstückswünsche, weil um diese Tageszeit die "Sympathie der augenzwinkernden Solidarität" der Frühaufsteher auf beiden Seiten der Serviceleistung - auf der des Gastes und der des Servicepersonals - einfach ungefragt jeden - noch nicht mal formulierten Wunsch erfüllt. Zumindest nach meiner Erfahrung. Egal, ob das in Lisboa (wo man einen fantastischen Blick über die Stadt hat, wenn man das Zimmer zur richtigen Seite hin bucht"), Dublin, Cork, Milano, Bologna, Paris, Rom, Helsinki, Maastricht, Brüssel, Strasbourg, Barcelona oder in Berlin, Hamburg, Köln und zig anderen Orten ist. Wie etwa in Lisboa, wo mir frühmorgens Maria wieder begegnete, die ich am Abend zuvor in einem der versteckten kleinen Restaurants schon kennengelernt hatte und die im Hotel zusätzlich aushalf. Und die es so überraschend und amüsant fand, dass "Signora Advogado" genauso früh wie sie selbst unterwegs war, dass sie mir noch zwei Insidertips für nette Restaurants und ein paar besonders schöne kleine Gassen in Lisboa und ein Restaurant an der Küste Richtung Norden mitgab. Gute Tips, denn ich habe sie ausprobiert.
Derlei Plaudereien morgens sind dann die Zeiten und Gelegenheiten, in denen man auch mal eines der kleinen Küchengeheimnisse erfährt - das man mitnimmt, ausprobiert und ....eben selbst weiterentwickelt und wie zum Beispiel zu einer besonders leckeren Torte aus Milano.



Auch (oder erst recht ?) in den entlegensten kleinen Winkeln wie Hinterzarten, im Münstertal (da, wo nicht nur die Hasen, sondern vor allem der Fuchs einem noch besonders nett und persönlich gute Nacht wünschen) oder in nahe Innsbruck gelegenen kleinen Talwinkeln, ebenso wie an idyllisch gelegenen Fleckerln im Werratal bei Hann. Münden. Und so wie ich es dort liebe, wenn es morgens mit dem richtigen verlockenden Duft nach Gebäck und Koffein beginnt [auch wenn ich ebenso regionale und am liebsten hausgemachte Leckereien oder - vor allem in Skandinavien - Fisch in vielerlei Arten zum Frühstück mag ], weil ich am allerliebsten diese italienischen Dolci zum "prima colazione" liebe, diese Cornetti mit einer leichten und cremigen Vanillefüllung oder die Pâtes aus einem wunderbar mürbem Teig mit Vanillecreme oder Früchtchen und dazu einen "espresso dobbio dobbio dobbio", den ich ab dem zweiten Tag meines jeweiligen Aufenthalts dann schon automatisch augenschmunzelnd vom Service hingestellt bekomme - genau so liebe ich auch morgens zuhause, vor allem an Sonntagen die ganz frühe Stunde. Wochentags ist es selten mehr als der Espresso²x²x² und eine Kleinigkeit, aber an Sonntagen oder im Urlaub liebe ich den Duft aus dem Ofen mit frisch Gebackenem. Wie den von Muffins.



Und dazu eben in den frühen, noch in der Dämmerung liegenden Stunden, den Teig anzurühren für die ersten Muffins in der Backstube, für einen Mokkamuffin zum Frühstückskaffee, der schon wenige Minuten später verlockend warm in Versuchung führt, für Vanillemuffins oder den Teig weiter zu verarbeiten, der wie Hefeteig am Vorabend vorbereitet wird. Das mag ich so sehr, dass ich selbst in den Wochen, die ich im Urlaub gern - fern von erreichbaren Telefonen höchst erholsam ! - im "Blauen Land"



verbracht habe, zu den Lieblingsdingen gehörte, gemeinsam mit dem "Herbergsvater" meiner Ferienwohnung, die am Hang hoch über dem See lag, in dem von ihm und seiner Familie direkt unten am See ebenfalls geführten Gästehaus in einem winzigen Raum im dortigen Keller Frühstückssemmeln, Brezen, Kornspitzerln und Gewürzsemmeln und Hörnchen zu backen. In diesem winzigen Raum hatte er - ein gelernter Bäcker, der seine Bäckerei aufgegeben hatte und mit seiner Frau und Tochter Gästehaus und Ferienwohnungen baute, nachdem sein Sohn nach dem Abschluss seiner Meisterprüfung bei einem Verkehrsunfall und durch das Verschulden eines Verkehrsrowdies tödlich verletzt worden war - sich (weil man eben Bäcker bleibt, irgendwie,.... wenn man es einmal ist) einen Backofen und einen kleinen Backarbeitsplatz eingerichtet. Und verwöhnte seine Hausgäste mit Frischgebackenem zum Frühstück. Bis zur Ferienwohnung bei mir am Hang brachte er anschliessend das Gebäck, das - zu meiner Überraschung - an einem meiner ersten Tage in der Ferienwohnung an der Türklinke aussen in einer Tüte hing...knusprig und duftend. Leise hingehängt an die Klinke, während ich noch schlief. So erfuhr ich - als ich mich später am Tag dafür bedankte - die Geschichte dann "hinter der Geschichte"der Familie...und zwei Tage später standen wir dann morgens um 5 Uhr zu zweit in seinem kleinen Backkeller. Man bleibt eben auch Bäckerin,..... auch dann noch, wenn man sich sein Studium nicht mehr damit verdienen muss ....
;-)))

(Auch) deshalb an diesem Sonntag wieder einmal eines der frischduftenden Sonntagsstückchen, die in der Dämmerung entstanden, diesmal englische Scones.

Ich hatte bereits ein Rezept von Rosamunde Pilcher ausprobiert, die dazu 500 g Mehl, 1 TL Backpulver, 1 Prise Salz, 60 g weiche Butter und 300 ml Buttermilch verwendet. Sehr lecker und nachahmenswert !

Bereits im April habe ich bei "Wohnen und Garten" dann ein weiteres Rezept entdeckt, das ich geringfügig abgewandelt habe, voilà:



Lizchens Cranberry Scones
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Zutaten:


250 g Mehl, 1 TL Backpulver, 1/2 TL Salz, 50 g Butter (weich !), 2 EL Zucker, 150 ml Milch, 2 EL Cranberries (über Nacht in Rum eingeweicht)






Zubereitung:


Mehl sieben, mit Salz und Backpulver mischen, Butter mit den Fingerspitzen in die Mischung einarbeiten, dann Zucker unterrieseln lassen und die Cranberries (abgetropft) in die Mischung einarbeiten, Milch dazugiessen und unterarbeiten, kurz kneten. Eigentlich soll man den Teig dann 1,5 cm dick ausrollen und mit Plätzchenringen Kreise von 5 cm Durchmesser ausstechen.



Ich mag die damit entstehenden Randreste, die beim erneuten Ausrollen leicht trockener werden, als die erste Riege, nicht. Daher forme ich eine Rolle aus dem Teig und schneide mit einem scharfen Messer (gezackte Brotmesser sind da gut geeignet) Scheibchen von ca 1,5 cm dicke ab und lege sie dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Bleck zum Backen. Laut Rezeptangabe sollen sie 15-20 Minuten bei 225 ° gebacken werden. Henry II hat keine Temperaturregelung und so werden sie gebacken, bis sie goldbraun sind - das dauerte bei ihm nur ca 12 Minuten. Die angegebene Menge reichte für 16 Scones bei einem Durchmesser von ca 4 -5 cm.




Sie schmecken am besten frisch zum Nachmittagstee mit Butter, Schlagsahne oder Marmelade. Bei mir war es diesmal Cranberriemarmelade, die mir im Discount zu meiner Überraschung begegnete, und Hagebuttenmarmelade von meiner Lieblingsinsel.


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British Scones
Frischgebackene Scones
Fruchtige Frühstücksversuchung mit Scones

Powerfrühstück
Guten Morgen !
Prima Colazione
Schneckerl am Morgen vertreibt alle Sorgen
Lizchens Espressotorte di Milano
Adventfrühstück
Bäckerfrühstück
Brötchen, Croissants & Co

Gleich duftet's nach frischen Brötchen
Husch husch ins Brotkörbchen
Cappuccino Con Cuore
Italienisches Frühstück
Semmeln, Brötchen & Co
Knusprig
Milchschaumguss


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