Freitag, September 28, 2007

Tarte zur herbstlichen Ernte



Der September ist ganz lange mein Lieblingsmonat gewesen. Nicht so sehr, weil es mein Geburtstagsmonat ist, sondern weil mir früher der Herbst die allerliebste Jahreszeit war. Die Sommermonate waren mir als Kind und auch etwas später einfach immer zu heiss, ich bin kein Typ zum Sonnenbrutzeln, sondern eher für kühleres, gern auch windigstürmisches, kaltes Wetter und in den heissen Monaten liebte ich daher allenfalls diejenigen Tage, die auch richtig windig waren




oder ein prächtiges Gewitter in den Nachmittags- oder Abendstunden aufkommen liessen. Dagegen ist die Zeit im September grad im Voralpenland meist richtig schön sonnig, aber schon angenehm frischer. Morgens liegt frischer Tau länger auf den Wiesen, abends ist es nicht so schwül, sondern noch beständig schönes Wetter. Tage zum Wandern, lange Spaziergänge, prima Segelwetter und noch warm genug zum Baden am See und das Licht hat in der Dämmerung eine ganz andere intensivere Farbe, die Sonne steht eben auch schon anders. Und dann werden alle Farben wärmer und intensiver. Nicht nur das Laub. Die letzten Ernten des Jahres werden eingefahren und es duftet überall auf eine ganz eigene Art, wenn man an den Gärten und Gärtnereien und Feldern vorbeigeht. Etwas oberhalb am leichten Hang und den Wiesen im Pfaffenwinkel über dem Staffelsse - zwischen Uffing und Seehausen ist das besonders schön, wenn es dort im "Blauen Land" mit dem sich herbstlich färbendem Laub und den ganz eigenen Farben, die das Licht dort hat, dem Ende des Sommers zugeht und sehr schnell auch durch den Herbst. Grade der kleine Ort Seehausen hat davon einige schöne Ausblicke und Aussichten ins Werdenfelser Land - eingebettet in die Wiesen und Felder rundherum, auf denen noch Milchkühe bis in den Herbst hinein viehwirtschaftlicher Karriere nachgehen dürfen und abends dann in einem Stall mitten im Ort neben Kirche, Rathaus und Gasthaus Stern [mein persönlicher Insidertip !! - den ich eigentlich nicht wirklich verraten sollte, wenn ich es recht überlege, weil ich dort so schön und genussvoll fernab von allem immer ganz "unter uns mit mir" sein kann, wenn's mir danach ist ;-))) ] mit Biergarten ihr Tagwerkprodukt für die Milchwirtschaft abliefern. Noch viele richtige Bauerngärten, in denen es dann zwischen den bunten Blumen - Rosen, Dahlien, Astern und anderen - auch nach dem letzten Gemüse und Obst des Jahres riecht. Nach den Birnen, Äpfel und hie und da auch Zwetschgen, die als Spalierobst in den Ästen an den alten pittoresken Häusern im Herbstsonnenlicht ganz intensiv und verführerisch leuchten. Verführerisch schon der Gedanke daran, wie sie lecker fruchtig schmecken, pur oder auf einer mürbe goldbraun knusprig gebackenen Tarte.




Es macht Spass, die Gemüseernte - wenn es herbstlich frischer und nicht so heiss in der Küche ist - beim Einkochen, Einwecken und Obst- und Gemüseputzen - zu verarbeiten und schon wieder langsam Lust auf die Gerichte zu bekommen, die etwas herzhafter werden:



Quiche, Flammkuchen,


Gratins, Aufläufe bei den herzhaften Gerichten, zu denen der Federweisse grad so fein passt und gern auch ein bisserl beschwipst macht, wenn man nicht für eine würzigdeftige Grundlage sorgt. Ebenso wie der junge Wein. In den vergangenen Wochen bin ich gern an meiner nahegelegenen Lieblingsgärtnerei vorbeigeradelt, hab mir auf deren Feldern schon ausgespitzt, wann die nächsten Produkte, die ich noch für den Winter einheimsen will, wohl soweit sind, die dann auch noch für neue Rezepte und Bilder eingeplant werden wollen. Überhaupt: auch das Radln macht im September einfach mehr Spass, beständigeres Wetter (ansonsten halt die Segeljacke überziehen) und angenehmere Temperatur für längere Touren. Da nach wie vor, bzw erneut der operierte Arm ein handicap für alle anderen Sportarten ist, liebe ich diese derzeit einzige Art der täglichen (Fort- und auch sonst) Bewegung.



Eine Zeitlang haben die übrigen Jahreszeiten meiner Vorliebe für den Herbst ein bisschen mehr Konkurrenz zu machen begonnen, aber noch immer ist es die Zeit der Ernte, die Zeit vor den kälter werdenden Tagen, die noch einmal die Tage wahrnehmbarer und intensiver macht. Wenn die helleren Tage sich jeden Tag ein bisschen mehr verabschieden.

"Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn."

So beginnt eines meiner Lieblingsgedichte. Der "September" von Erich Kästner aus "Die 13 Monate", eines meiner besonderen Lieblingsbücher im Bücherschrank. Schon sehr lange. Und Kästner passt auch gedanklich gut zu dieser zu Ende gehende Woche. Nicht so sehr wegen der 13 Monate. Und gleichzeitig doch auch. Denn auch der Genuss, die Freude an Alltäglichem ist erlaubt, auch dann, wenn manchmal Kraft und Widerstand gegen Ungerechtigkeiten denselben Alltag bestimmen.

"Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend zieh’n die braunen
und bunten Herden in den Stall."

Die Pflaumen und Äpfel haben ihren Weg mit der Ernte aus den Obstgärten bereits in meine Cucina gefunden, süss und säuerlich, fruchtig auf Mürbeteig mag ich sie besonders.



Mit Streusel, mit einem Vanillesahneguss und Mandelblättchen oder -Mandelstiften, goldbraun gebacken.

"Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessnen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld."

In der Obstschale liegen heute bei mir ein paar Äpfel, schöne Gartenäpfel einer älteren Dame und eines ihrer Obstbäume. Sie wohnt noch in einem hübschen alten "Hexenhäuschen" in einer der älteren Ecken Moosachs. Ich habe es in diesem Frühjahr entdeckt, als ich einfach mal einen anderen Weg einschlug. Anstatt wie früher mit dem Auto und inzwischen lieber mit dem Rad die Strasse entlang zu fahren, nutze ich seit einiger Zeit lieber "Schleichwegerl" durch das Viertel, biege immer mal wieder hier und dort in Seitenstrassen ab, wo es einige alte Häuschen, einige Reihenhäuser, einige neue Häuschenreihen und die verschiedensten Gartenfleckerl gibt, zwischen Hauptstrassen Moosachs und der nördlichen Grenze durch den Rangierbahnhof und den dazwischenliegenden Feldern der Gärtnereien, bei denen es zur Zeit nach Kohlrabi, Lauch, und Kartoffeln riecht. So entdeckte ich dann auch das alte Häuschen. Ich komme immer daran vorbei, wenn ich zum Postamt radle. Ein bunter Bauerngarten, mit ein paar Obstbäumen, Beeten mit Erdbeeren im Frühsommer, zudem mit Peterl, Schnittlauch, Kerbel, Majoran, Lauch, ein paar Stangen für Bohnen, Erbsen, einige Tomatenstauden, Salat, Karotten, Kohlrabi und ein paar Sträucher mit Beeren, die dann im Sommer johannisbeerleuchtend Früchte trugen. Eines Tages entdeckte ich, dass dort ein älteres Ehepaar wohnt. Als sie dieser Tage zufällig beim etwas wacklig anmutenden Versuch, die Leiter anzulehnen, um einige Äpfel zu ernten, war, bot ich ihr Hilfe an und wir kamen nett ins Gespräch. Viel zu viel Obst, sagte sie, hätten sie dieses Jahr, sie käme mit dem Verwerten und Einwecken gar nicht nach. Und schenkte mir ein halbes Dutzend Äpfel, "um die es doch viel zu schade wäre", wie sie sagte. Die werden heute dran glauben müssen, diese Äpfel.



Vielleicht bringe ich ihr dann nachher zwei der Tartes mit dem Rad vorbei, nach dem Backen, wenn ich sie bei meiner abendlichen Radrunde antreffe....? Mir wäre so danach....vielleicht auch deswegen:
Anstelle von Goldlack und Astern leisten mir heute wunderschöne, wegen der Länge ihrer Stiele kurzerhand in mein Boden-Windlicht gestellte weisse Rosen, die neben Flieder zu meinen Lieblingsblumen gehören und am Donnerstag überraschend mit dem Blütenboten vor meiner Türe standen. An einem Tag, an dem sie ihrer (für mich immer schon deshalb so besonderen) Bedeutung und Symbolik genau das richtige Gefühl für DEN Widerstandsgeist belebten, verstärkten, den man manchmal auch im Alltagsleben aufbringen muss, mehr als sonst. Ganz besondere Menschen wissen, wann solche persönlichen kleinen symbolischen Starkmacher am besten an der Türe klingeln sollten. Manche handeln. Es gibt so Tage. Steindl auf der Wegstrecke. Weisse Rosen sind ein geniales Gegenmittel dafür in meinem Leben.
Auch der Freitag war kein bisschen weniger turbulent, im Gegenteil, aber er hatte auch bereits wieder ein paar gute Gespräche, Verhandlungsmöglichkeiten und als gegen Nachmittag allmählich Ruhe einkehrte, schienen mir die Köpfchen der Weissen Rosen von ihrem Platz im Windlicht auf dem Konferenztisch am anderen Ende des Zimmers im Nachmittagslicht augenzwinkernd zzuzumicken, unhörbar ein "Siehst Du, ein bisschen kleiner die besonderen Ärgernisse zu machen, ist uns gemeinsam doch vor dem Ende der Woche noch gelungen. Jetzt machen wir Dir erst mal ein hübsches Wochenende, komm' mach mit. Lass mal aus der Küche ein bisschen was zu duften beginnen. Backst du nicht immer freitags ? Los, los, ein Tee wäre jetzt genau richtig für Dich, stimmt's ? Magst Du doch nach stürmischen Tagen, beim Segeln,...und irgendwie war das auch ein Sturm, diese Woche.... so irgendwie, oder ?"

Wie könnte man dem Whispern weisser Rosen widerstehen.... ? Richtig. Kann man nicht. Sollte man auch nicht, oder ? Ich schob das Telefon beiseite, das noch vor mir lag nach dem letzten Telefonat, schloss einen Moment die Augen, atmete ein paar mal tief durch und überlegte, worauf ich am meisten Lust hatte.

"Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug."

...ging mir der nächste Vers von Kästners "September" durch den Sinn. Dachte er dabei an's Oktoberfest, die Wies'n ? Man könnte fast auf die Idee kommen. Naja, danach steht mir wenig der Sinn,...
Hörbuch weiter anhören, war stattdessen der erste Gedanke. Denn ich bin erst bei der 3. CD von den 4 CDs von Mankells "Die italienischen Schuhe" und die hören sich um diese Zeit besonders gut an, wenn der Tag etwas ruhiger wird. Man kann dabei und beim Vorbereiten des Mürbeteiges für die Tarte, beim Schälen, Entkernen und Schnibbeln der Äpfel, beim Anrühren des Vanillegusses



und beim Streuselbröseln so schön zuhören, und dabei den Blick in die alten Bäume im Innenhof des Hauses und von hier oben unter den Dächern, in das bunte Laub der Bäume und der Rankgewächse an den Mauern und Balkonen bis zu mir hier herauf und in den Himmel geniessen, wo im Laub ebenso wie dort auch die Vogerl schon den Herbst zelebrieren und das Eichkatzerl sich in den Ästen umherhupfend und auf dem Boden zwischen den Bäumen die Haselnüsse der Haselsträucher zusammenstibizt.





Das wäre genau das Richtige, bevor dann am Freitag abend der Krimiabend für mich beginnt.

Und am liebsten nebenbei eine Tarte Tatin, eine Apfeltarte zaubern, die ist in wenigen Minuten fertig und selbst Henry II schafft das. Und dann einen schönen Tee oop'em Stövken aufsetzen, und dabei den lauwarmen wunderbar knusprigen Kuchen aus dem Ofen geniessen, Hörbuch hören, .......... und nebenbei mal das Rezept aufschreiben, auf das Andrea seit ein paar Tagen ohnehin bereits wartet.
Und an diesem Wochenende hatte ich - nach zwei Wochen mit eher herzhaftgrünem Küchenschwerpunkt - mal wieder nach was "Seutem".



Das einfachste meiner Rezepte für den Mürbeteig ist dieses:
250 g Mehl, 100 g Zucker oder Puderzucker, 2 Eigelb, 1 Prise Salz, Mark einer Vanilleschote, 140 g Butter rasch zu einem Mürbeteig verkneten, ca 1 Stunde in Gefriertüte oder Klarsichtfolie verpackt im Kühlschrank ruhen lassen.

Die Menge reicht für ein bis zwei 26er Springformen oder mehrere Tarteförmchen.

Während des Ruhens des Teiges Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in Scheibchen schneiden, mit etwas Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht dunkel anlaufen. Teig dann ausrollen, gebutterte und mit Mehl ausgestreute Tarteförmchen mit dem Teig auslegen, Äpfel darauf verteilen.



1 Pckg. Puddingpulver (Vanille-, Mandel- oder Sahnegeschmack) mit 1 EL Zucker und 1 B. Sahne (200 ml) verrühren. Über die Tarte verteilen, bis die Äpfel halb bedeckt sind.



Nach Lust, Laune und Geschmack Zuckerstreusel darübergeben oder Streifen vom Mürbeteig wie Gitter darüber legen und bei 175 ° im Ofen goldbraun backen. Alternativ kann man anstelle von Streusel oder Mürbeteigstreifen kurz vor Ende der Backzeit ein paar Mandelblättchen darüber streuen.



Nach dem Backen Tartes mit Puderzucker bestreuen , solche mit Gitter aus Teigstreifen apricotieren: etwas Aprikosenmarmelade mit wenig Wasser oder Rum glattrühren und behutsam mit dem Pinsel auf die Tarte auftragen und noch kurz in den Ofen zurückgeben (ca 1-2 Min. maximal).


Anstelle von Äpfeln kann man auch Pflaumen oder Zwetschgen verwenden.
















Manche Wochenenden sind wie kleine Inseln. Stimmt' s ?

;-)


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Kommentare:

Lara hat gesagt…

:)

(Und Gänseblümchen hast Du noch vergessen....;))

Liz Collet SmoothBreeze7 ArtPhoto hat gesagt…

Echt ?
Hm. Nö.
Die hatten ihren Auftritt schon an anderer Stelle ;-)))))

von Gänseblümchen werd ich aber im Laufe des Oktober noch mal was Nettes zeigen ;-)

Lara hat gesagt…

Als Lieblingsblümchen meinte ich,
neben dem Flieder und den Rosen.
Iiiiiiirgendwo stand das mal! :)

Barbara hat gesagt…

Die Tarte finde ich wunderschön, macht richtig Appetit!

Äpfel gibt es ja zurzeit viele und der Beitrag passt toll zum herbstlichen Wetter.