Montag, Juni 02, 2008

Sommerliches



Sommerzeit ist Garten- und Biergartenzeit. Laue Abende nach heissen Tagen. Die ersten Junikäfer lösen die Maikäfer ab, welche tatsächlich in diesen Tagen abends um die Laube brummend zu Besuch kommen. Aufgetankt bis in den Chlorophyllschock von der Sonnenwärme tagsüber, lechzen die Kräuter im Laubengarten nach ihrem zweiten täglichen Fussbad und ein wenig Sprühwasser für ihr aromatisches Kleid in sommerlichem Beautygrün und danken es dafür mit sachtem Duft-Potpourri, das nicht nur mir Lust und creative Ideen für neue Food-Rezepte macht. Auch andere Schmeckleckers wissen, wie gut die sind.



Und bekommen natürlich ihre frischen Blättchen ab, wenn sie gerade dann wach werden, wenn ich den Abend auf der Holzbank zwischen den Kissen und der weissen Decke geniesse, die auch spätabends heimeligen Genuss beim Blick in den Himmel und in die Funkelsterne sichert, wenn es langsam frischer wird. Auch in dunkle Nächte lässt man mit den heimeligen kleinen Windlichtern gerne Lichtfunken Romantik zaubern. Sogar im kleinen Kräutergarten meiner Dachlaube, in der es diese und andere wohltuende kleine Ecken gibt, um die lauen Abende und Nächte zu geniessen.




Das wissen dann auch die grösseren und kleineren Besucher und Mitbewohner. Einige sind mehr, andere weniger Nachtschwärmer, aber sie tummeln sich an solchen Abenden am liebsten um die behaglichen Laternenlichter.





Viel Aufwand ist dazu auch nicht nötig, selbst kleine Schraubgläser, in denen vormals leckere Foods ihrer Bestimmung entgegenharrten, eignen sich prima, wenn sie ihr bestimmungsgemässes Schicksal erfüllt haben und leer zurückbleiben. Gut gesäubert, ein Resterl von Geschenkband oder einer Kordel darum gebunden, ein Teelicht mit oder ohne Duftaroma in das Glas, vielleicht etwas Sand und ein paar Muscheln dazu, schon funkelt es stimmungsvoll in der Dämmerung und die Seele kann die Füsse baumeln und die Träume in den Urlaub vorausreisen lassen.


Sommernachtsträumereien


Oder einfach den Urlaub im Laubengarten ebenerdig oder auf Balkonien oder – wie hier bei mir – im Laubengarten über den Dächern eines der älteren Viertels in München geniessen lassen. Wenn jetzt noch ein Brunnen leise zwischen den Kräutertöpfchen plätschern würde...... Lizchen, reiss’ Dich zusammen!!!
Nunja.... nach einem creativen Tag wird man doch mal träumen dürfen, oder ?





Apropos creativ. Bayerische Küche, Biergärten, das klingt für viele „nur“ herzhaft, gutbürgerlich und deftig. Nicht nach „feiner“ , gehobener Küche. Nunja, bis auf diejenigen, die sich bereits bei und mit Schuhbeck, Hermann, Otto & Co feinstlukullisch haben von diesem Klischeebild abbringen lassen. In deren Reihe schlängelt man sich selbstredend so leicht nicht ein. Aber mit wenig Aufwand sind auch ein paar kleine Klassiker menüfein zu machen. Wie z.B. eines meiner absoluten Lieblingsgerichte – „Pressack rot weiss“. Nein, nein, nein..... DAS hat nix aber auch gar nix mit unmittelbar bevorstehenden Ereignissen rund um das runde Leder zu tun. Das ist einfach der immer schon bestehende (nein, NICHT EM-) Titel für einen Klassiker bajuwarischer Wirtschaften und Biergärten, gelegentlich auch als „Pressack, sauer gelegt“ bezeichnet. Den man übrigens auch in der Pfalz rund um Kaiserslautern und bis ins Elsass findet. Am allerliebsten war mir - btw - derjenige, den mein Grossvater selbst herstellte - nein, er war kein Metzger, er machte ihn einfach daheim, kaufte das Fleisch schlachtfrisch bei seinen Fahrten über Land im Allgäu, auf denen ich immer so gern in den Ferien mit ihm mitfuhr in seinem bordeauxroten R4. Auf der Rückfahrt roch es selbst bei geöffneten Seitenfenstern im Auto dann immer wunderbar nach noch sehr ofenwarmem Bauernbrot, Emmentaler Käse, Speck, Hartwurst und würzigen Landjägern, Äpfeln und Gemüse und Salat. Den hausgemachten weissen Pressack füllte mein Grossvater dann einfach ohne Hülle in ein Bratreindl und gab ihn zum Festwerden ab in den Kühlschrank. Ob zur Brotzeit oder zu Bratkartoffeln, einen besseren Pressack hab ich noch nirgendwo sonst gegessen und seither bin ich SEHR wählerisch, wo ich meinen eigenen kaufe und wie der schmecken muss. Er muss mit der genau richtigen Mischung an Würze und vor allem dem RICHTIGEN Augenmass an Säure durch den Essig hergestellt sein. Und die muss auch dann beachtet werden, wenn man ihn – gewürfelt oder in Scheiben geschnitten – sauer „anmacht“.
Dass das auch in einer eleganten Form servierbar ist, zeigt diese neue Rezeptidee, die sich heute mal in meine Foodfantasien einschlängelte :



Zutaten:

1 Kartoffel, festkochend, 24 Scheiben Pressack, weiss, 24 Scheiben Pressack, rot, 1 Schalotte, 2 El Holunderblütenessig, 4 El Pflanzenöl, 1 El Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Cayenne, 1 Bund Schnittlauch, Balsamico Crema, 8 Blatt Minze, 0,5 Salatgurke, 4 Zweige Petersilie, etwas Öl für das Backblech

Zubereitung:
Kartoffel schälen, hauchfein hobeln; Backblech mit Backpapier .................[bitte hier im Rezept weiterlesen]

Je wärmer die Tage nun werden, g’lüstelt’s aber auch nach gut Gekühltem. Sicher, mancher denkt da nun zuerst an ein Helles, ein kühles Blondes, aber mancher auch an ein richtig schönes Dunkles. Mancher wird das – ob zu „Pressack Rot Weiss“ oder sportlicheren „Rot-Weissen“ und anders trikotierten vor seinem TV geniessen. Und wenn dort dann nicht die Tore fallen, die manche sich auch diesen Sommer märchen-haft wünschen, dann könnt’s schon sein, dass er die Mannschaft insgeheim am liebsten an einem heissen Julitag auf eine Wallfahrt bergauf zum „Monte Santo“ nach Andechs schicken möchte. Mit dem diabolischen Strafgedanken, dass diese dort oben dann angekommen eine von ihm eingeschenkt, aber nichts von dem Mönchen ausgeschenkt bekommen möge. Weil Ruhetag wäre. Solche frommen Wünsche werden aber nicht einmal am himmlisch nah gelegenen Heiligen Berg erfüllt. Denn da gibt’s keinen Ruhetag und das Bier ist – soweit in der Historie dort bekannt – auch noch nie ausgegangen. Da musste schon ein Weltkrieg kommen, damit das Bräustüberl geschlossen werden musste. Und auch der traditionsreiche Klostergasthof kennt keinen Ruhetag. Dieser ist übrigens älter als das Kloster selbst: 1438 wird er als herzogliche Tafernwirtschaft erstmals urkundlich erwähnt und Mitte des 15. Jahrhunderts schenkte Herzog Albrecht III. die "obere Wirtschaft" dem gerade neugegründeten Benediktinerkloster Andechs.



Wie also könnte man einer nicht wunschgemäss erfolgreichen EM-Elf ein wenig das Abbitten beibringen, mag man sich dann denken... Nunja... vielleicht, wenn man jedem von ihnen nach Aufstieg auf den Monte Santo rechts und links einen der Geschenkträger mit jeweils 7 Flascherln Bier mit Handschellen in die Hand drücken und den Flaschenöffner an einem kurzen Lederbandl um den Hals hängen würde. Und sie dann wieder bergab schicken. Oder ihnen die Aushändigung des Flaschenöffners erst wieder unten am Berg versprechen würde. Himmlische Ideen kann man bekommen,.... wenn man so vom Geist des Monte Santo beflügelt wird. Und so manches zusammenbrauen, was einem dann einfällt. Rund um den Berg braut sich bekanntlich ja ohnehin sehr gern und schnell was zusammen, was manche der Segler und Surfer am Bauernsee, wie der Ammersee hier auch heisst, oder am Würmsee, wie der Starnberger See gern unter nicht Zuagroasten geheissen wird, ins Schwitzen und in schwere Bredouille bringen kann. Und manchen auch um’s Leben. Auf’s Brauen und Zusammenbrauen versteht man sich aber auch am Heiligen Berg. Nicht nur beim „flüssigen Brot“, sondern auch höchst geistreich. Eines der besonders leckeren Destillate ist bienenfleissig entstanden. Buchstäblich. Daher heisst sie auch "Klosterbiene" und inspirierte mich – auch nicht unfleissig – buchstäblich wieder sehr geistreich zu einem neuen Dessert. Die "Klosterbiene" ist ein Honiglikör mit Williams Christ, der Honig stammt aus der Imkerei des Klosters Andechs.

Lizchen’s Honig-Vanille-Semifreddo mit Mandel-Biscotti und frischen Früchtchen. Die Rezeptangaben sind für 4 Portionen berechnet.

Zutaten für das Honig-Vanille-Semifreddo : 2 Eiweiss (Gr. L), 3 EL Gebirgsblütenhonig, 200 ml Sahne, 3 Cantuccini, grob zerbröckelt, mit etwas „Klosterbiene“ (ca 1 TL) beträufelt

Zutaten für die Mandelbiscotti:
75 g weiche Butter, 2 Eigelb (Gr. L), 140 g Mandeln, sehr fein gemahlen, 30 g Puderzucker, 1 EL „Klosterbiene“, 1 Msp. Vanillepulver oder ausgeschabtes Mark einer Vanilleschote, Abrieb einer ungespritzten Orange (ersatzweise 1/4 Tütchen Orangenaroma)

Zur Dekoration: etwas Fruchtsauce (fertig oder aus ein paar frischen, leicht pürierten roten Früchten, wie zB Himbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren, etc) für den Spiegel auf dem Teller, 2 Birnen, geachtelt und in einer beschichteten Pfanne mit etwas braunem Zucker karamellisiert und mit etwas „Klosterbiene“ parfümiert (ca 1 EL genügt zum Marinieren) oder alternativ wie bei mir hier 4 Aprikosen, geviertelt. Etwas Staubzucker zum Ausgarnieren und ein paar Blättchen Minze oder Zitronenmelisse.

Wer auf Alkohol selbst oder für die Kinder verzichten möchte, kann diesen ohne weiteres auch ersatzlos aus dem Rezept weglassen.

Zur Zubereitung .............[bitte hier ab Dienstag, 3. Juni weiterlesen]



Die Mandelbiscotti schmecken natürlich auch bestens pur, noch frisch aus dem Ofen, da sind sie dann locker, kross und mürbe, wenn sie leicht abgekühlt sind. Und sie eignen sich auch gut als kleine knusprige Beigabe zu einem Schluck von der "Klosterbiene", einem Honiglikör mit Williams Christ, der mild und fruchtig ist. Pur als Likör getrunken vielleicht eher etwas für die Damen, obwohl er keineswegs zu süss ist.


Und was es morgen geben wird ?
Na vielleicht verrät ER es euch ?



;-))) Vielleicht gegen ein Blättchen Rucola als "Bestechungsmittel"....


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click @jeweilige Bildtitel unter dem Bild
Collage auf Anfrage auch als Poster

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